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Vom Fußballstar zum Funktionär : Jetzt sitzt Platini in der Falle

  • -Aktualisiert am

„Das tut weh, das tut weh“: Michel Platini nach seiner Anhörung Bild: AFP

Michel Platini war einst ein ganz besonderer Fußballspieler. Jetzt tut es weh, mit anzusehen, wie das verkommene Funktionärssystem nach dem Wertvollsten greift, das es hervorgebracht hat – und es verdirbt und kaputtmacht.

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          Schon als Spieler wirkte Michel Platini oft, als wäre er gerade aus dem Bett gefallen. Das Hemd hing ihm aus der Hose, und er hatte damals schon diese unordentliche Frisur. Er war der Inbegriff des genialischen Franzosen, und es ist nicht verwunderlich, dass er sich mit den Jahren optisch immer mehr in Richtung Gérard Depardieu entwickelt. Auch so ein enfant terrible. Platini war der letzte Vertreter einer Spielergattung, die man respektvoll Regisseur nannte.

          Mit anarchischem Instinkt spürte er eigene Chancen und freie Räume auf, die niemand außer ihm antizipieren konnte. In seiner Epoche hatte der Fußball noch Zeit, und das war günstig für einen Künstler wie Platini. In den Herzen von so manchem kopfgesteuerten Tüftler und Strategen mag er die heimliche Sehnsucht nach wilder Inspiration geweckt haben, nach dem traumwandlerischen Weg an der Konkurrenz vorbei. Platini wurde 1984 als Kapitän der französischen Nationalmannschaft nicht nur Europameister, er war zudem mit neun Treffern Torschützenkönig. Wir sagen auch heute noch: À la bonheur!

          Heute hören wir Platini aber auch sagen: „Das tut weh, das tut weh.“ Das Haar wieder mal durcheinander, das Kinn unrasiert, der Blick unruhig. Während des nächtlichen Interviews, das auf Video im Netz verbreitet wird, rappelt natürlich aus Versehen sein Mobiltelefon los. Platini kommt eben aus der ewig langen Vernehmung durch die Anti-Korruptions-Abteilung der französischen Kriminalpolizei. Er muss geradestehen dafür, dass er vor bald neun Jahren als Top-Entscheider bei diesem unfassbaren Schwachsinn mitgespielt hat, die Fußball-WM 2022 nach Qatar zu vergeben, was offenbar keine Macht der Welt mehr korrigieren kann.

          Jeder, der das Fußballspiel liebt, ist bis heute empört über den Verrat der gewissenlosen Funktionäre. Platinis herrliche Selbstsicherheit, mit der er seine Entscheidungen auf dem Spielfeld traf, erwies sich als ungeeignet fürs Leben. Jetzt sitzt er in der Falle. Ja, das tut weh, mit anzusehen, wie das verkommene Funktionärssystem des Fußballs nach dem Wertvollsten greift, das es hervorgebracht hat – und es verdirbt und kaputtmacht.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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