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Vogts über seinen Rücktritt : „Konnte so nicht weitergehen“

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Hat genug von postsowjetischem Schlendrian: Berti Vogts will nicht mehr Bild: dpa

Unter Bedingungen, „über die Joachim Löw nur lachen könnten“, wie Berti Vogts nach seinem Rücktritt sagte, arbeitete der einstige Bundestrainer seit 2008 in Aserbaidschan. Jetzt will er nicht mehr.

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          Nach sechs Jahren Fußball-Entwicklungshilfe in Aserbaidschan hat der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts genug. Desillusioniert über den mangelnden Reformwillen und die unzureichenden Trainingsbedingungen in dem Land am Kaspischen Meer reichte der 67-Jährige nach einem Gespräch mit Verbandschef Rovnag Abdullayev in Zürich seinen Rücktritt ein. „Ich habe dem Präsidenten die Situation geschildert und erklärt, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte Vogts am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

          Aktuell kassierte er mit seinem Team in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 wieder einen Rückschlag nach dem anderen und liegt nach der jüngsten 0:6-Niederlage gegen Kroatien in der Gruppe H mit null Punkten und 2:10 Toren auf dem letzten Platz.

          Seit 2008 arbeitete der Weltmeister von 1974 und Europameister von 1972 als Nationaltrainer in dem vorderasiatischen Land, das fußballpolitisch zur Uefa zählt. Dass er die Auswahl in der Fifa-Weltrangliste von Platz 147 zwischenzeitlich auf Rang 73 geführt habe, sei „eine Leistung, aber ich will mehr. Dafür liebe ich den Fußball zu sehr“, betonte Vogts.

          Halbmast in Baku: Berti Vogts ist zurückgetritten
          Halbmast in Baku: Berti Vogts ist zurückgetritten : Bild: dpa

          Immer wieder habe er in der Vergangenheit angemahnt, dass in den Vereinen mehr und intensiver trainiert werden müsse. „Man muss bereit sein, mehr für den Fußball zu tun“, sagte Vogts über die Arbeit in der ehemaligen Sowjetrepublik.

          Am Ende des vergangenen Jahres verlängerte der „Terrier“ genannte frühere Verteidiger seinen Vertrag in Aserbaidschan bis Ende 2015. Dabei war seine Tätigkeit immer wieder von Missverständnissen und auch unschönen Zwischenfällen geprägt. „Joachim Löw und Oliver Bierhoff könnten über die Bedingungen hier nur lachen“, sagte Vogts.

          Vor drei Jahren wurde er zwei Tage vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland nach der Pressekonferenz von drei Journalisten attackiert und unter anderem mit einer Rolle Klopapier beworfen. Damals und auch im vergangenen Jahr kursierten bereits Gerüchte über einen bevorstehenden Rausschmiss oder einen Rücktritt des früheren Bundesliga-Profis, der als Spieler mit Borussia Mönchengladbach zweimal Europacup-Sieger, fünfmal Meister und einmal Pokalsieger wurde.

          Kuwait, Schottland, Nigeria, Aserbaidschan

          Als Nationaltrainer führte er die DFB-Elf bei der Europameisterschaft 1996 in England zum Titel. Von 1990 bis 1998 war er Bundestrainer, danach verlief seine Trainer-Laufbahn weniger glanzvoll. Nach Kurz-Jobs bei Bayer Leverkusen und in Kuwait betreute Vogts die schottische Nationalelf und Nigeria, ehe er 2008 in Aserbaidschan anheuerte. Trotz einiger Achtungserfolge wie dem vierten Platz hinter Russland, Portugal und Israel in der WM-Qualifikation nach einem Sieg gegen Nordirland und sechs Unentschieden stand Vogts permanent in der Kritik und hatte ein schlechtes Verhältnis zur Presse des Landes. Zuletzt arbeitete er bei der WM 2014 auch als Sonderberater für den amerikanischen Nationaltrainer Jürgen Klinsmann.

          Als er nach dem 2:0-Sieg gegen Nordirland in Baku zur Pressekonferenz kam, begrüßten ihn dort einheimische Reporter mit Beifall. „Vielen Dank. Das passiert mir in den fünf Jahren, die ich hier bin, vielleicht zum zweiten Mal“, sagte Vogts vor genau einem Jahr. „Es war eine schöne Zeit, wir gehen als Freunde auseinander“, sagte Vogts zum Abschluss versöhnlich. Auf die Frage, was für ihn als nächstes anstehe, antwortete er: „Jetzt werde ich erst einmal mein Handicap verbessern im Golf. Das ist zuletzt zu kurz gekommen.“

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