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: Völler will Leverkusen zum Meister machen

  • -Aktualisiert am

Völler eilt zu seiner neuen, alten Aufgabe Bild: dpa/dpaweb

Der neue Sportchef von Bayer Leverkusen ist für den Erfolg verantwortlich. Der genauer Kompetenzbereich von Rudi Völler bleibt aber vage.

          3 Min.

          Rudi Völler kam wie schon unzählige Male zuvor aus dem Zimmer, in dem die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen zusammensitzen. 14 Fernsehteams und rund 70 Berichterstatter hatten sich gestern zu einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Leverkusener Stadion eingefunden. "Es ist, als würde man nach Hause kommen", sagte Völler, als er den Raum U 1 verließ und in den gegenüberliegenden Pressesaal schritt.

          Einiges an der Szenerie erinnerte an jenen Tag vor achteinhalb Jahren, als der gebürtige Hanauer nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn bei den Leverkusenern als Sportdirektor vorgestellt wurde. Doch seine am Dienstag bekannt gegebene Rückkehr zu den Rheinländern, sieben Monate nach seinem Rücktritt als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, stuft Völler als einen neuen Abschnitt in seiner Karriere ein.

          „Kein Frühstücksdirektor“

          "Ich bin nicht der gleiche Sportdirektor wie 1996, als ich hier angefangen habe. Ich bin älter und erfahrener geworden, gerade durch meine Tätigkeit als DFB-Teamchef, bei der ich Trainer und auch Manager war", sagte der mittlerweile 44 Jahre alt gewordene ehemalige Nationalspieler zum Abschluß der Verhandlungen, die ihm einen Vertrag bis zum 30. Juli 2007 einbrachten. Während Völler in seiner ersten Amtszeit im Bayer-Stab bis zum Herbst 2000 als Lehrling von Reiner Calmund galt, erhält er nun einen erheblich erweiterten Einfluß.

          "Sportchef" ist seine offizielle Bezeichnung. "Er ist kein Frühstücksdirektor und ist mehr als ein leitender Angestellter", sagte Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer des Vereins: "Er wird die wichtigste Person im Verein. Sein Entscheidungsspielraum wird viel größer sein als früher." Exakt angegeben wurden die Kompetenzen Völlers allerdings nicht. "Er ist für den Erfolg und den Mißerfolg verantwortlich", erklärte Holzhäuser, der einzige Vorgesetzte des neuen Sportchefs sein wird.

          Meister - „Warum soll uns das nicht gelingen?"

          Bei der Formulierung der Zielsetzung, die er in Kooperation mit Trainer Klaus Augenthaler erreichen will, gab Völler die Zurückhaltung auf, mit der er zuletzt die deutsche Nationalelf geführt hatte. "Der große Traum ist es natürlich, endlich einmal deutscher Meister zu werden. Diesen Traum muß man nicht begraben, er ist durchaus nicht unrealistisch", sagte Völler und nannte als Beispiel für einen unerwarteten Aufstieg einen seiner ehemaligen Vereine: "Wer hätte denn vor zwei Jahren gedacht, daß Werder Bremen Meister wird? Warum soll uns das nicht gelingen?"

          Der Name Bayer Leverkusen sei nach wie vor mit "begeistertem Fußball" verbunden, sagte Völler. Nur eine Meisterschaft würde zur Abrundung fehlen. Die Vorgabe von Holzhäuser, bei eingeschränkten finanziellen Mitteln möglichst einen höheren sportlichen Effekt zu erzielen, schreckt Völler nicht. "Den Gürtel enger zu schnallen, ist einfach die Normalität bei den Vereinen, die keinen russischen Präsidenten haben. Man muß nicht das große Geld ausgeben."

          Einst foulte Augenthaler seinen heutigen Vorgesetzten brutal

          Völler soll für die Zusammensetzung des Spielerkaders verantwortlich sein und damit auch für anstehende Vertragsverhandlungen mit den momentan bei Bayer beschäftigten Akteuren. "Er soll uns sagen, wer zu gebrauchen ist und wer nicht", meinte Holzhäuser, dessen Vorschlag für das Comeback Völlers am Montag abend vom Gesellschafterausschuß des Vereins akzeptiert wurde. Völler ist auch der Vorgesetzte von Augenthaler, mit dem vor gut 20 Jahren heftig aneinandergeraten war.

          Der heutige Bayer-Trainer und damalige Bayern-Libero hatte den Bremer Stürmer derart brutal gefoult, daß Völler einen Adduktorenabriß erlitt, der ihn monatelang außer Gefecht setzte. Aber laut Völler sind keine Irritationen zurück geblieben: "Wir haben zusammen den wichtigsten Titel geholt, wir sind Weltmeister geworden, was mehr zählt als 50 deutsche Meisterschaften. So etwas schweißt auf immer und ewig zusammen."

          Entscheidung für die bodenständige Lösung

          Mit seiner Wiederkehr haben die Leverkusener wieder ein prominentes Gesicht in erster Reihe stehen. Nachdem zum Ende der vorigen Saison Völlers Freund und Förderer Calmund, Jürgen Kohler und Ilja Kaenzig den Führungsstab des viermaligen deutschen Vizemeisters verließen, war Augenthaler der einzige Klubverantwortliche mit einem bekannten Namen. "Rudi Völler ist eine Ikone des Weltfußballs", sagte Holzhäuser. Der Geschäftsführer hatte zwar immer betont, daß Völler - selbst in dessen nur 26 Tage währenden Amtszeit als Trainer des AS Rom im Spätsommer - "immer mit offenen Armen bei uns empfangen wird". Doch Holzhäuser mußte selbst erst zur Erkenntnis gelangen, daß Völler für einen Job als Repräsentant mittlerweile überqualifiziert und im Klub ein Vakuum in der Öffentlichkeitsdarstellung entstanden war.

          Zahlreiche Angebote aus dem In- und Ausland für eine Trainer- oder Manager-Tätigkeit hatte Völler zuletzt erhalten. Vor allem Olympique Marseille soll sich intensiv um seine Dienste bemüht haben. Daß Völler sich letztlich die bodenständige Lösung entschied, ist keine Überraschung. Sein Büro in der BayArena hatte er nie aufgegeben.

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