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Dritte Liga : Viel Tradition und das liebe Geld

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Kevin Großkreutz spielt heute für den KFC Uerdingen, ist aber auch Trainer in der Kreisliga C. Bild: Picture-Alliance

Die Dritte Liga startet mit einem Weltmeister sowie ab- wie aufgestiegenen Traditionsklubs in die Saison. Der DFB müht sich um mehr Geld für die klammen Vereine. Die Aufsplittung der Spieltage missfällt freilich den Fans.

          An diesem Freitagabend startet die dritte Liga mit der Partie Eintracht Braunschweig gegen den Karlsruher SC (19 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Dritten Liga und Telekom) in ihre elfte Saison. Und es könnten Rekorde fallen. So auch der Besucherrekord aus der Spielzeit 2015/2016, als fast 2,7 Millionen Zuschauer in die Stadien strömten. Auch die 59 Spieler mit Bundesliga-Erfahrung sind eine Bestmarke. Die neuen Klubs, die Absteiger Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern sowie die Aufsteiger 1860 München, Energie Cottbus und KFC Uerdingen stehen zudem für Tradition, während die Liga nach dem Abstieg der U 23 von Werder Bremen erstmals ohne ein einziges der für Zuschauer unattraktiven Reserve-Teams eines Bundesligaklubs in die Runde geht.

          Bei Aufsteiger Krefeld, der unter dem Sponsorennamen Bayer Uerdingen in den achtziger Jahren seine größten Erfolge wie den DFB-Pokalsieg 1985 errungen hat, bekommen die Zuschauer sogar einen Weltmeister von 2014 zu sehen. Kevin Großkreutz, beim Titelgewinn freilich ohne Einsatz, ist nach seinem persönlichen Abstieg vom BVB über Stuttgart und Darmstadt der wohl prominenteste Spieler der Liga. „Ich habe in Uerdingen für drei Jahre unterschrieben. Und ein Aufstieg sollte es schon sein“, sagte Großkreutz. Vereinspräsident und Investor Michail Ponomarew will den Klub innerhalb von vier Jahren zurück in die Zweite Bundesliga führen, hat mit Stefan Aigner und Maximilian Beister weitere gestandene Bundesliga-Spieler geholt.

          Kritik der Fans

          Ein kontrovers diskutiertes Thema ist die Aufsplittung der Spieltage bis in den Montag hinein: Dann wird um 19 Uhr angepfiffen, und viele Fans leiden unter der neuen Anstoßzeit. Am siebten Spieltag muss beispielsweise Fortuna Köln beim 244 Kilometer entfernten 1. FC Kaiserslautern antreten. „Mit welcher Ignoranz und Selbstverständlichkeit der DFB diese weitreichenden Veränderungen kommuniziert, ist schon außerordentlich“, sagt Jörn Jacobs, Sprecher des Fanbündnisses „ProFans“. Außerdem kritisiert er, dass die Fans nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen worden seien.

          Durch die Spieltagreform will der DFB mehr Geld für die Vereine erwirtschaften. Durch den Einstieg des Pay-TV-Partners Telekom erhält jeder Klub 1,28 Millionen Euro und somit deutlich mehr als zuvor. Insgesamt sind die finanziellen Zuwendungen über den DFB seit der Premierensaison 2008/2009 um 135 Prozent gestiegen. Dennoch hatten viele Klubs in der Vergangenheit finanzielle Probleme. Rot-Weiß Erfurt, das letzte Gründungsmitglied der Liga, musste im März Insolvenz beantragen und den Abstieg in Kauf nehmen.

          „In der dritten Liga ist es nicht möglich, Gewinne einzufahren“, sagt Robert Marien, Vorstandsvorsitzender von Hansa Rostock. „Anstatt sich auf der Jagd nach noch mehr Erlösen und Vermarktungsmöglichkeiten zu verzetteln und am Ende sich selbst und alles, was diesen Sport ausmacht, zu verlieren, sollten Verband und Vereine ein gemeinsames Interesse daran haben, eine wettbewerbsfähige und authentische Spielklasse zu bilden“, sagte Fan-Sprecher Jacobs. Von diesem Wochenende an steht aber zunächst der Sport im Fokus. Und könnte gleich Geschichte schreiben. Am Kaiserslauterer Betzenberg, wo Absteiger FCK am Samstag auf Aufsteiger 1860 München (14 Uhr/ ARD) trifft, wird eine Kulisse von über 40.000 Zuschauern erwartet.

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