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Kommentar : Umarmt vom Fußball!

Ist mit seinen Kollegen in einem Video gegen Homophobie zu sehen: Javier Hernandez Bild: dpa

Mexikos Fußball-Nationalelf hat ein Video gegen Homophobie aufgenommen. Das ist begrüßenswert. Wenn es nur ein bisschen weniger stumpf gegrölten Machismo auf den Rängen gibt, wäre es ein Erfolg.

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          Javier Hernandez, der für Bayer Leverkusen seine Tore schießt, ist der Erste; ihm folgen Andres Guardado, Jesus Corona, Diego Reyes Marquez und der Rest der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft. „El Tri“ hat ein Video aufgenommen, das Motto: Abrazados por el futbol, umarmt vom Fußball! Die Botschaft: gegen Homophobie. Auf dem Platz und auf den Rängen.

          Nun ließe sich dem mexikanischen Verband, ohne allzu lange im Gedächtnis kramen zu müssen, ein gewisser Eigennutz unterstellen: Schließlich waren es die mexikanischen Fans, die während der WM in Brasilien für ungewünschte Aufmerksamkeit sorgten, indem sie dem gegnerischen Torhüter bei dessen Abschlag tausendfach das Wort puto an den Kopf schrien, was sich als Schwuchtel übersetzen lässt oder auch Stricher bedeuten kann. Damit war die seit Jahren in der mexikanischen Liga gepflegte Praxis, die eine Zeitlang auch eine sehr unschöne Entsprechung in der Bundesliga hatte, auf der Weltbühne angekommen.

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          Bemerkenswert war damals der Umgang mit der Diffamierung: Erstens konnte der Internationale Fußball-Verband Fifa damals „keine Beleidigung in diesem spezifischen Kontext“ feststellen. Wer zu solchen Urteilen kommt, muss sich auch nicht wundern, dass die eigenen Toleranzkampagnen von der Zielgruppe allenfalls belächelt werden. Und zweitens erfand Mexikos damaliger Nationaltrainer Miguel Herrera die Erklärung, der Begriff habe seinen Ursprung in einer Sprache der mexikanischen Indianer und bedeute „schlechter Abschlag des gegnerischen Torwarts“. Der wegen seiner gefühlsbetonten Auftritte in Erinnerung gebliebene Senor beliebte zu scherzen, was den Umgang des mexikanischen Fußballverbandes alles in allem ganz gut zusammenfasste.

          Schon deshalb ist das Video der Nationalspieler ein begrüßenswerter Fortschritt, der vielleicht auch in die Wege geleitet wurde, nachdem der Verband nun doch von der Fifa um 20.000 Dollar erleichtert wurde, weil der salvadorianische Torhüter im vergangenen November wiederholt beschimpft wurde. Dieselbe Summe verhängte die Fifa gegen Argentinien, Peru und Uruguay, Chile wurde mit 70.000 Dollar für wiederholte Vorfälle belegt. Selbst dem juristischen Laien stellt sich in diesem Zusammenhang natürlich die Frage, wie die Gesetzeshüter des Weltverbandes nun den Tatbestand der „Beleidigung im spezifischen Kontext“ bejahen konnten. Aber wenn es eine gute Gelegenheit gab, in Sachen Fifa einmal nicht ganz so genau nachzufragen, dann wohl diese.

          Besonders glaubwürdig wäre die Kampagne natürlich, wenn die mexikanischen Nationalspieler in Zukunft auf dem Platz als Vorbilder auffielen. Und wenn es nun ein bisschen weniger homophoben Hass und stumpf gegrölten Machismo gibt auf den Rängen, umso besser. Denn dann könnte vom Rasen auf die Ränge tatsächlich einmal ein positiver Trend überspringen. Es wäre dringend Zeit. Nur in Brasilien, besagt eine im vergangenen Jahr anlässlich des „Internationalen Tages gegen Homophobie“ vorgestellte Studie, gebe es mehr Morde und Gewaltverbrechen mit homophobem Hintergrund als in Mexiko.

          Javier Hernandez: Schießt normalerweise Tore für Bayer Leverkusen

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