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Champions League der Frauen : Lyon bezwingt Wolfsburg in der Verlängerung

  • Aktualisiert am

Freude bei den Spielerinnen von Olympique, allen voran Camille Abily (Mitte) über ihr Tor zum 4:1 im Champions-League-Finale Bild: AP

Zunächst sah alles so gut aus, doch nach dem Platzverweis von Alexandra Popp schwanden die Kräfte des VfL Wolfsburg und Lyon holte sich wieder den Titel.

          Für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg ist der Traum vom zweiten Triple nach einem Kraftakt geplatzt. Fünf Tage nach dem DFB-Pokalsieg scheiterte der deutsche Meister im Champions-League-Finale erst in der Verlängerung an Olympique Lyon. Das Team von Trainer Stephan Lerch verlor in Kiew nach umkämpften 120 Minuten 1:4 (0:0) gegen den Titelverteidiger, der damit zum dritten Mal in Serie die Königsklasse der Frauen gewann.

          Vor 14.237 Zuschauern im vollbesetzten Walerij-Lobanowski-Stadion fiel die Entscheidung erst in der Verlängerung, als Amandine Henry (98. Minute), Eugenie Le Sommer (99.) und Ada Hegerberg (102.) innerhalb weniger Minuten das Spiel drehten. Den Schlusspunkt setzte Camille Abily für Lyon (116.). Zuvor hatte die Dänin Pernille Harder Wolfsburg noch in Führung gebracht (93.), doch nach dem Platzverweis von Alexandra Popp in der 96. Minute brach das Team ein, kassierte innerhalb von nur vier Minuten drei Gegentore – alle nach einem ähnlichen Schema über die linke Defensivseite. Die Kräfte reichten offenbar nicht mehr aus.

          „Es ist bitter. Wir haben uns das ganz anders vorgestellt. Aber am Ende waren wir einfach stehend k.o.“, sagte Torhüterin Almuth Schult, die kurz vor dem 1:2-Gegentreffer am Ball vorbeiflog und damit ein Le Sommer ein leichtes Tor ermöglichte. Doch den größeren Anteil an der Niederlage hatte die erfahrene Popp, die sich für ihre Gelb-Rote-Karte beim Team entschuldigte. „Es ist eine Katastrophe. Es tut mir unheimlich leid für die Mannschaft.“

          Erst am vergangenen Samstag hatte der VfL beim Pokal-Triumph gegen den FC Bayern in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen gehen müssen. Damit machte Lyon einmal mehr die Hoffnungen der Grün-Weißen auf den dritten Champions-League-Sieg nach 2013 und 2014 zunichte. 2013 hatte Wolfsburg auch alle drei Titel der Saison abgeräumt. Eine Deutsche durfte aber doch jubeln. Dzsenifer Marozsan triumphierte wie im Vorjahr mit Lyon und krönte eine weitere perfekte Saison. Die Mittelfeldspielerin war gerade erst zur Fußballerin des Jahres in Frankreich gewählt worden. Außerdem stieg Olympique mit dem fünften Erfolg insgesamt zum alleinigen Rekordsieger vor dem 1. FFC Frankfurt (2002, 2006, 2008 und 2015) in der Champions League auf.

          „Es werden sich zwei Top-Mannschaften begegnen, die sich alles abverlangen werden“, hatte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch angekündigt. Und so kam es auch. Die beiden besten Frauen-Teams Europas kämpften um jeden Meter, beide Abwehrreihen agierten hochkonzentriert und ließen kaum Chancen zu. Lyon – in der gesamten Saison noch ohne Niederlage – zeigte die reifere Spielanlage.

          Wolfsburg mit Leidenschaft, Olympique mit Chancen

          Wolfsburg hielt mit Leidenschaft dagegen, insbesondere Abwehrchefin Nilla Fischer zeigte eine starke Leistung. Dabei kam den Wolfsburgerinnen auch die Rückkehr von Popp zugute, die drei Wochen nach ihrem Muskelfaserriss rechtzeitig fit geworden war.

          So blieben die großen Torchancen in der ersten Halbzeit aus. Erst im zweiten Durchgang, als Lyon den Druck erhöhte, ergaben sich vor allem für die Französinnen Gelegenheiten. Erschwerend kam für den VfL das verletzungsbedingte Aus der Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir hinzu (56.). Ohne Fremdeinwirkung war die Mittelfeldspielerin im Rasen hängen geblieben.

          Das Spiel verlagerte sich immer mehr in die Wolfsburger Hälfte. Dabei hatte Eugenie Le Sommer zwei Riesenchancen zur Führung. Erst kratzte Noelle Maritz einen Kopfball vermeintlich von der Linie (69.), doch der Ball war bereits mit vollem Umfang dahinter – Glück für die Wolfsburger, dass Schiedsrichter Jana Adamkowa aus Tschechien dies übersah –, dann parierte Almuth Schult aus kurzer Entfernung (83.).

          In der Verlängerung überschlugen sich die Ereignisse. Harder nutzte einen Konter zur überraschenden VfL-Führung. Der Titelverteidiger antwortete mit wütenden Angriffen und Toren. Konnte Schult zunächst noch gegen Shanice van de Sanden parieren (96.), war danach gegen den Dauerdruck der Französinnen kein Halten mehr.

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