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Wolfsburger Fußballfrauen : „Ich möchte nicht mit dem FC Bayern tauschen“

  • -Aktualisiert am

Topspiel am Sonntag: Die Wolfsburgerinnen jagen den FC Bayern in der Bundesliga. Bild: Picture-Alliance

Die Fußballfrauen aus Wolfsburg und München kämpfen um die deutsche Spitze. Wer das Topspiel gewinnt, hat beste Karten auf den Titel. International werden sie aber von der Konkurrenz überholt.

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          Man könnte das große Duell auf das Übliche reduzieren. Doch in dieser Partie geht es um viel mehr als einfach nur um Tabellenplatz eins und zwei. Wenn sich die Fußballfrauen des VfL Wolfsburg und des FC Bayern München um den Platz des Spitzenreiters und im Grunde schon um den Titel streiten, ist auch Weitblick gefragt. „Ich möchte nicht mit dem FC Bayern tauschen“, sagt der Wolfsburger Sportdirektor Ralf Kellermann.

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          Die aufbegehrenden Münchnerinnen waren vor ein paar Wochen noch das beste deutsche Team, sind aber in der Champions League und im DFB-Pokal ausgeschieden. Am Sonntag (Anpfiff 13.00 Uhr bei Eurosport) stehen im Spitzenspiel in Wolfsburg die letzte Chance auf einen Titel und in der Folge jede Menge Geld auf dem Spiel. Eine Reform der Champions League spitzt das ohnehin brisante Wettrennen zwischen Wolfsburg und München weiter zu.

          Mehr Partien, mehr Einnahmen, mehr Aufmerksamkeit: Theoretisch sind das tolle Aussichten für den internationalen Frauenfußball. In der Champions League wird es von der Saison 2021/22 an analog zu den Männern eine Gruppenphase geben. Dass insgesamt 24 Millionen Euro ausgeschüttet werden, interessiert vor allem jene Klubs, die sofort in der Gruppenphase vertreten sind. Aus Deutschland kann das lediglich eine Mannschaft sein.

          Es geht um viel am Sonntag

          Der Meisterschaftszweite muss sich seinen Weg zu den großen Buchungsposten erst noch durch Siege gegen starke Konkurrenz in einer Qualifikationsrunde ebnen. Die Chance eines frühen Scheiterns ist dabei gratis. „Beide Kader sind darauf ausgelegt, Champions League zu spielen. Viele Talente würden nicht in Wolfsburg spielen, wenn wir die Teilnahme an der Champions League nicht anpeilen“, erklärt VfL-Vordenker Kellermann.

          In der Partie am Sonntag geht es in der Tat um die grundlegende Perspektive für beide Vereine. Entsprechend ist ein Knistern zu spüren. Kellermann versucht, mit moderaten Tönen auf Kampfansagen aus München zu reagieren. Er belässt es bei spitzen Bemerkungen, während der aktuelle Tabellenführer mutiger auftritt. „Es ist unser Anspruch, auch mit unseren Fußballerinnen internationale Spitze und in Deutschland Nummer eins zu sein. Diesem Ziel nähern wir uns mit großen Schritten an“, sagt Herbert Hainer, der Präsident des FC Bayern München. Das sind klare Worte vor einem Gastspiel bei einem Verein, der den nationalen Frauenfußball seit einem Jahrzehnt dominiert und sich sechs der vergangenen zehn Titel als deutscher Meister sichern konnte.

          Wie soll man den Umgang der Rivalinnen nennen, die sich im direkten Duell um den Ruhm im deutschen Frauenfußball balgen? Von Freundschaften abseits des Platzes ist die Rede. Von einer Begegnung auf Augenhöhe. Von Respekt statt Missgunst. Die besten Spielerinnen auf beiden Seiten kennen sich durch gemeinsame Auftritte in der Nationalmannschaft. Dass in München seit geraumer Zeit größer als in Wolfsburg gedacht und geplant wird, empfindet manche als Affront.

          Vor allem Alexandra Popp kann sich darüber aufregen. Es habe sie genervt und geärgert, dass zuletzt vermehrt von einer Wachablösung gesprochen worden ist. Die Torjägerin des VfL Wolfsburg und der DFB-Auswahl schafft es in der Regel, aus Frechheiten und Ungerechtigkeiten eine ordentliche Portion Wut und Angriffslust für sich abzuleiten. Ein Sieg gegen München genügt Wolfsburg, um erstmals in dieser Saison bis an die Tabellenspitze vorzurücken. Das mentale Aufwärmen für die Partie dürfte damit für Popp und Co. erledigt sein.

          Auf lange Sicht bleibt die Frage im Spiel, was das Wettrennen zwischen Wolfsburg und München wirklich bringt. Im Duell mit der europäischen Konkurrenz werden die deutschen Spitzenvereine vor allem von Klubs aus England rechts überholt. Dort wird der Frauenfußball deutlich aggressiver und erfolgreicher vermarktet, was bei Transfers die bessere Startposition ermöglicht.

          Beim VfL Wolfsburg will man sich angesichts der ungleich verteilten Finanzkraft neu aufstellen. In der Zeit nach Cheftrainer Stephan Lerch, der in diesem Sommer in den Juniorenbereich der TSG Hoffenheim wechselt, wolle man vermehrt auf nationale Talente bis Asse setzen. Wie formuliert es VfL-Sportdirektor Kellermann so schön? „Wir möchten Talente für den VfL Wolfsburg emotionalisieren, bei denen das Finanzielle nicht im Vordergrund steht.“

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