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Wolfsburger Fußballfrauen : Nach dem Triumph ist vor dem Umbruch

  • -Aktualisiert am

Ein Kuss zum Abschied für den DFB-Pokal: Lena Goeßling muss den VfL Wolfsburg verlassen. Bild: Reuters

Mit Gesang, Tanz, Pizza und Bier feierten die Spielerinnen aus Wolfsburg ihren nächsten Pokalgewinn. Bald wird das Team ein verändertes Gesicht bekommen. Einige Personalien stehen schon fest.

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          Pizza und Flaschenbier – eine wohl nie ihren Reiz verlierende Kombination. Im Lockdown sicher für viele ein eher tröstendes Duo, aber eigentlich doch eine kalorienreiche Melange, die für fröhliches Beisammensein steht. So hielten es auch die Fußballspielerinnen des VfL Wolfsburg, die sich noch weit nach Abpfiff in der fast menschenleeren Kölner Arena Gesang, Tanz, Pizza und Bier zuneigten.

          Von den eher steril-bemühten Siegesfeiern der männlichen Seriengewinner im deutschen Fußball, dem FC Bayern, hoben sich die Niedersächsinnen dank ihrer reinen, ehrlichen Freude deutlich ab. Sie waren sich selbst und ihrem Erfolg genug. Obwohl sie, die weiblichen Seriengewinnerinnen hierzulande, ob der Titelflut wohl ins Grübeln kämen bei der Frage, wie viele Trophäen die Frauenfußballsparte dem VfL seit 2013 beschert hat.

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          Die Antwort: Zwei Champions-League-Triumphe, sechs Meistertitel und acht DFB-Pokal-Siege. Also allein acht Mal nahmen die Niedersächsinnen in den vergangenen neun Saisons nach Kölner Finals Silberware in Empfang. Acht Silhouetten des Pokals zierten denn auch ihre Siegerinnen-T-Shirts. Mit ihrem trocknete Almuth Schult ihre Tränen, die Freudentränen. Tränen der Enttäuschung hatte die Torhüterin in der Verlängerung des Endspiels gegen Eintracht Frankfurt geweint, nachdem sie in der 96. Minute wegen eines Foulspiels knapp außerhalb ihres Strafraums die Rote Karte sah.

          „Genau dafür macht man Mannschaftssport“

          „Es ist sehr emotional, wenn man der Mannschaft so schadet“, sagte Almuth Schult. Es war der erste Platzverweis ihrer glanzvollen Karriere. Doch letztlich war er am Sonntag vielleicht sogar die Initialzündung für ihre Wolfsburger Teamkolleginnen, die verbliebenen Kräfte zu mobilisieren und in der 118. Minute in Unterzahl das goldene Tor durch Angreiferin Ewa Pajor zu erzielen. „Genau dafür macht man Mannschaftssport“, sagte die 30 Jahre alte Torfrau, die auch Teil der neunköpfigen Initiative „Fußball kann mehr“ ist, die aktuell für Aufmerksamkeit sorgt.

          „Nach dem Platzverweis hat viel gegen uns gesprochen. Aber die Mannschaft hat einen unfassbaren Siegeswillen, das macht mich unheimlich stolz“, sagte der scheidende Cheftrainer Stephan Lerch nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg gegen sperrige Frankfurterinnen und siebten Streich in Serie in Kölner Endspielen. „Die Mannschaft ist aufgestanden – nicht nur, aber auch für Almuth.“

          Mit Tränen in den Augen: Unglückliches Comeback der Almuth Schult im DFB-Pokalfinale der Frauen
          Mit Tränen in den Augen: Unglückliches Comeback der Almuth Schult im DFB-Pokalfinale der Frauen : Bild: EPA

          Almuth Schult ist wieder da – es war erst ihr vierter Einsatz nach zwei Jahre dauernder Verletzungs- und Babypause. Aber in der neuen Saison wird der VfL ein verändertes Gesicht haben. Der Umbruch ist längst eingeleitet worden und wird in diesem Sommer vollzogen. Sportdirektor Ralf Kellermann möchte den Kader deutlich verjüngen, ohne an internationaler Konkurrenzfähigkeit einzubüßen. Die bisher bekanntgegebenen Neuzugänge unterfüttern den neuen Kurs.

          Argumente für diesen lieferte Kellermann auch die laufende Saison. In der Bundesliga traten die „Wölfinnen“ bei weitem nicht mehr so dominant auf wie zuvor. Das fünfte Double in Serie ist am letzten Spieltag am kommenden Sonntag unwahrscheinlich, weil es nur mit Frankfurter Schützenhilfe zu erreichen ist. Es braucht einen Sieg der in Köln über die körperliche Schmerzgrenze hinaus gegangenen Hessinnen bei Spitzenreiter Bayern München. Dazu war für die Wolfsburgerinnen in der Champions League – wenn auch unglücklich – schon im Viertelfinale gegen den FC Chelsea Endstation.

          Einige Personalien sind beim VfL schon geklärt: Als neuer Cheftrainer übernimmt Tommy Stroot, ein junger Trainer, gebürtiger Niedersachse zudem, der noch in den Niederlanden bei Twente Enschede tätig ist. Als Ko-Trainerin wechselt die einstige Nationalspielerin Kim Kulig von der Eintracht zum VfL. Dazu verlassen die Spielerinnen Zsanett Jakabfi, Fridolina Rolfö, Lara Dickenmann, Friederike Abt und Ingrid Engen den Klub.

          Eine der prägendsten Akteurinnen geht gegen ihren Willen von Bord. Lena Goeßling hatte hart daran zu knabbern, dass ihr Vertrag nach zehn Jahren nicht verlängert wird. Die 35-Jährige kam auch im Pokalfinale nicht zum Einsatz, was sie bei den Feierlichkeiten nach Abpfiff deutlich bremste. Lena Goeßling zwackte zwei Flaschen vom Wolfsburger Biervorrat ab – und reichte eine an die Frankfurter Torhüterin Merle Frohms weiter. Gemeinsam Anstoßen ja, aber Pizza bekamen die Eintracht-Spielerinnen keine ab.

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