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Champions-League-Finale : Der schwere Wolfsburger Weg zum Ruhm

  • -Aktualisiert am

Erst Barcelona, jetzt Lyon? Die Wolfsburgerinnen wollen die Trophäe in der Champions League. Bild: dpa

Wolfsburgs Fußballfrauen stehen wieder im Finale der Champions League – doch die Konkurrenz rüstet gewaltig auf. Das Duell mit Lyon rückt nun eine Personalie in den Vordergrund, die kurios und pikant zugleich ist.

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          Für Übergepäck ist jede Menge Platz an Bord. Wenn die Fußballfrauen des VfL Wolfsburg zu internationalen Dienstreisen aufbrechen, steht ihnen meistens ein exklusives Charterflugzeug zur Verfügung. So auch dieses Mal. Am Sonntag (Anpfiff 20.00 Uhr bei Sport1) bestreitet das Erfolgsteam in San Sebastián das Champions- League-Finale gegen Favorit Olympique Lyon.

          Am Montag ist die Rückreise aus dem Corona-Risikogebiet geplant. „Unser Ziel ist es ganz klar, dass wir noch etwas Zusatzgepäck im Flugzeug haben – den Titel“, sagt VfL-Torjägerin Alexandra Popp. Der Triumph in der Königsklasse wäre nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft und des DFB-Pokals das i-Tüpfelchen auf einer starken Saison. Das damit verbundene Zusatzgepäck ist 60 Zentimeter groß, 10 Kilogramm schwer und aus Sterling-Silber gefertigt.

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          Komfortable Flugreisen quer durch Europa, medienwirksame Auftritte mit herrlichen Glücksmomenten: So rosarot kann man die Welt des Frauenfußballs natürlich darstellen. Die Wolfsburger Frauen gehören seit Jahren zur internationalen Elite. Wer ihren Saisonetat auf rund fünf Millionen Euro schätzt, übertreibt nicht. Und doch wird die Partie gegen Lyon aufzeigen, dass es die Wolfsburger Mannschaft wieder einmal bis in den Grenzbereich geschafft hat.

          In Ländern wie England, Spanien und Frankreich entwickeln sich die besten Klubs auch deshalb zielstrebig weiter, weil Geld aus dem millionenschweren Männerfußball weitergeleitet wird. Das klappt beim FC Barcelona, FC Chelsea oder Manchester City schon sehr gut. In Lyon profitiert das Frauenteam von einem seit Jahren großzügigen Geldzufluss. In Wolfsburg investiert der Volkswagen-Konzern vor allem in sein Männerteam – und freut sich, dass die Frauen des VfL mit deutlich weniger Geld viel erreichen.

          Das Finale rückt eine Personalie in den Vordergrund, die kurios und pikant zugleich ist. Bis Ende Juni war Sara Björk Gunnarsdóttir noch in Wolfsburg am Ball und aktiv daran beteiligt, dass die Niedersachsen es bis in die Endrunde der Champions League geschafft haben. Dann lockte der Wechsel nach Lyon, für das sie am Sonntag gegen Wolfsburg antritt. Das Olympique-Team ist – vorsichtig formuliert – bestens besetzt. Der Verein hat die Champions League der Frauen in den vergangenen vier Jahren gewonnen. Und er ist Teil eines Wett-Werbens um die besten Spielerinnen der Welt, an dem sich der VfL Wolfsburg nur bedingt beteiligt.

          Tim Schumacher, in der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg für den Frauenfußball zuständig, stuft die hauseigene Mannschaft als wichtigen internationalen Markenbotschafter ein. Auch die Förderung der Gleichberechtigung wird als Aspekt dafür erwähnt, warum es dem Verein wichtig ist, sich für die „Wölfinnen“ zu engagieren. Beides ändert nichts an der Erkenntnis, dass im gehobenen Frauenfußball immer mehr Geld im Spiel ist und sechsstellige Ablösesummen für die besten Fachkräfte gezahlt werden.

          Der Ansatz, mit dem sich der VfL Wolfsburg im Konzert der Großen etabliert hat, ist ein sympathischer. Dass ihn starke Spielerinnen wie Gunnarsdóttir oder im Vorjahr Caroline Hansen (FC Barcelona) verlassen, wird nicht als persönliche Niederlage, sondern als Bestätigung guter Arbeit empfunden. Der direkt am VfL-Sportkomplex gelegene Allersee hat idyllische Uferpassagen. Aber wer kann es Profisportlerinnen schon verdenken, wenn sie bei guter Bezahlung auch einmal über die Ramblas in Barcelona oder entlang der Tower Bridge in London flanieren wollen? Den Mangel an Finanzkraft und Standortvorteil gleicht der VfL Wolfsburg mit Hilfe der guten Vernetzung von Ralf Kellermann aus. Der Sportliche Leiter wird immer wieder für sein Gespür dafür belohnt, welche Talente so weiterentwickelt werden können, dass Spielerin und Verein wechselseitig davon profitieren.

          Der Tonfall, den die Wolfsburger Spielerinnen vor dem Showdown gegen Olympique Lyon anschlagen, ist erstaunlich mutig. Sie erklären unisono, dass man natürlich nach Spanien gereist sei, um zum zweiten Mal nach 2013 das sogenannte Triple zu schaffen – so wie die Männer des FC Bayern München am vergangenen Sonntag. Nach dem hart umkämpften 1:0-Erfolg gegen den FC Barcelona hatte VfL-Cheftrainer Stephan Lerch seiner Mannschaft empfohlen, in Ruhe zu regenerieren und den Moment zu genießen.

          Letzteres wird angesichts der immer besseren und finanzkräftiger werdenden Konkurrenz nicht einfacher. In der bundesweiten Wahrnehmung sind Meisterschaft und Pokalsieg für den VfL Wolfsburg längst Selbstverständlichkeit. Der Triumph in der Champions League bleibt die große Chance auf europaweiten Ruhm. Ihn zu erreichen, wird angesichts der Finanzkraft in London, Manchester, Barcelona und vor allem Lyon immer schwieriger.

          Pernille Harder vor Transfer zum FC Chelsea

          Pernille Harder steht vor einem Blitztransfer zum FC Chelsea. Die Weltklasse-Stürmerin des VfL Wolfsburg soll nach übereinstimmenden Medienberichten für eine angebliche Ablösesumme von 350.000 Euro nach England wechseln. Der VfL wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. „Unsere Konzentration gilt dem Finale am Sonntag, wir kommentieren vorher keine Personalien“, sagte ein Sprecher. Die 27 Jahre alte Dänin gehört zu den umworbensten Spielerinnen in Europa. Ihr Vertrag in Wolfsburg läuft noch bis 2021, dann könnte sie ablösefrei wechseln. Beim FC Chelsea würde sie wieder mit ihrer schwedischen Partnerin Magdalena Eriksson in einem Team stehen. (dpa)

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