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VfL Wolfsburg : Schmadtke übernimmt Geschäftsführung

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Der neue Mann beim VfL Wolfsburg: Jörg Schmadtke Bild: dpa

Jörg Schmadtke wird neuer Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg. Der 54 Jahre alte Rheinländer soll beim VW-Klub den Neuaufbau einleiten.

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          Die Rettung in der Relegation verfolgte Jörg Schmadtke noch aus der Ferne, doch ab sofort packt der 54-Jährige beim Neuaufbau des VfL Wolfsburg selbst mit an. Als Geschäftsführer Sport soll Schmadtke die Niedersachsen nach zwei Chaos-Jahren mit doppelter Relegation runderneuern und zu alten Erfolgen führen. Der Klub gab die Personalie am Dienstagnachmittag - einen Tag nach dem verspäteten Klassenerhalt - offiziell bekannt. Schmadtke beginnt seine Tätigkeit am 1. Juli; zur Vertragsdauer machten die Wolfsburger keine Angaben.

          „Ich gehe mit großer Vorfreude an diese Aufgabe heran. Wir werden den Status Quo genau analysieren und wollen der Mannschaft wieder die Stabilität verschaffen, damit sie in der Bundesliga schnell den Anschluss findet und erfolgreichen Fußball spielt“, wurde Schmadtke in der Vereinsmitteilung zitiert. „Er wird mit hoher Kompetenz, Leidenschaft und Engagement dafür sorgen, dass wir zurück in die Erfolgsspur kommen“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Witter.

          Doch Schmadtke steht vor einer Mammutaufgabe, herrschte in der Autostadt in den vergangenen beiden Jahren doch das pure Durcheinander. Mit ausgelöst durch die schwere Krise beim Mutterkonzern Volkswagen stürzte der VfL vom Pokalsieger 2015 zum Dauer-Kellerkind ab. Und das trotz der weiter üppig fließenden Millionen von VW. Erst der dritte Trainer in Person von Bruno Labbadia schaffte die Last-Minute-Rettung gegen Holstein Kiel. Das 1:0 beim Zweitliga-Dritten am Montag sicherte Wolfsburg ein weiteres Jahr in der Ersten Liga.

          Labbadia will weiterarbeiten

          „Es war der schwierigste Job, den ich bisher gehabt habe“, sagte Labbadia. Selbst die Zitter-Rettung des Hamburger SV vor drei Jahren verblasse hinter den Erfahrungen, die er in den vergangenen drei Monaten beim VfL Wolfsburg gemacht habe. Völlig ausgepumpt und leer stand Labbadia deshalb am Montagabend im Holstein-Stadion. Richtig Kraft zum jubeln hatte er nicht mehr.

          Doch allen Hindernissen zum Trotz hat Labbadia noch nicht genug vom VfL Wolfsburg. „Ich habe hier nicht angefangen, um es dann an einen anderen abzugeben“, sagte der 52-Jährige, der einen Vertrag bis 2019 hat. Allerdings kann der Klub diesen per Klausel vorzeitig auflösen.

          Die spannendste Frage in den kommenden Tagen lautet daher: Welche Vorstellungen hat Schmadtke vom Trainerposten? Traut er Labbadia die Zusammenstellung und Entwicklung einer neuen Mannschaft zu? Oder will er mit einem jüngeren und noch unverbrauchten Trainer einen kompletten Neuanfang für den VfL? Diese Frage muss Schmadtke, der bis zum vergangenen Herbst beim 1. FC Köln tätig war, nun beantworten.

          Doch auch danach wartet jede Menge Arbeit auf den ehemaligen Torwart. Er muss einen neuerlichen Umbruch im Kader vollziehen, denn die abgelaufene Saison machte mehr als deutlich, dass die Mischung im Millionen-Ensemble nicht stimmt. Dem Team fehlt es an Hierarchie und Struktur. Zudem benötigt die Offensive dringend Verstärkung. Nach dem Winter-Verkauf von Mario Gomez an den VfB Stuttgart hatte der VfL keinen adäquaten Ersatz geholt.

          Eine Folge des Vakuums in der sportlichen Führung, das seit der Trennung von Geschäftsführer Klaus Allofs im Dezember 2016 herrschte. Der Klub hatte es seitdem versäumt, die Geschäftsführung neu aufzustellen. Zuletzt gehörten dem Gremium in Wolfgang Hotze und Tim Schumacher nur noch zwei Mitglieder an, die beide kaum über Fußball-Wissen verfügen.

          Diese Fehlentwicklung war mit dafür verantwortlich, dass der Klub trotz üppigen Etats zwei Mal erst in der Relegation den Abstieg abwenden konnte. Zumal Sportdirektor Olaf Rebbe keine glückliche Figur machte und mit den Trainerentscheidungen Andries Jonker und Martin Schmidt daneben lag. Vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV hatte sich der VfL deshalb Ende April von Rebbe getrennt.

          Labbadia war dadurch im Saison-Endspurt komplett auf sich allein gestellt. Zudem sorgte die gescheiterte Verpflichtung von Horst Heldt von Hannover 96 für zusätzliche Unruhe. Nach dem geplatzten Heldt-Deal soll es nun also Schmadtke richten. Geld genug ist weiter da in Wolfsburg. An Schmadtke ist es nun, dieses endlich wieder sinnvoll einzusetzen. Ob mit Labbadia oder einem anderen Trainer.

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