https://www.faz.net/-gtl-83pep

3:1 im DFB-Pokalfinale : Wolfsburg verdirbt Klopps Abschied vom BVB

Mannschaftsbild mit Goldschmuck: Wolfsburg ist erstmals DFB-Pokalsieger Bild: AFP

Die ganz besondere Ära von Jürgen Klopp in Dortmund endet ohne einen weiteren Titel. Wolfsburg gewinnt verdient das DFB-Pokalfinale mit 3:1 – und sorgt für ein Novum im deutschen Fußball.

          3 Min.

          Auf ein ganz besonderes Ende der Ära von Trainer Jürgen Klopp hatten die Dortmunder Fans gehofft, stattdessen endete das Pokalfinale mit dem ersten Titelgewinn seines Kollegen Dieter Hecking. Der VfL Wolfsburg sorgte mit dem verdienten 3:1-Sieg im Berliner Olympiastadion für ein Novum im deutschen Fußball.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nachdem sich Bayern München bei Männern und Frauen die deutsche Meisterschaft gesichert hatten, gingen nun beide Pokale nach Wolfsburg. Der Dortmunder Borussia bleibt ein Trostpflaster: Der BVB kann sich im Sommer über zwei Qualifikationsspiele für die Gruppenphase der Europa League qualifizieren – dann aber schon mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel.

          Das Finale hatte gleich mit einem doppelten Knalleffekt begonnen. Kaum hatten sich die dichten gelben Wolken verzogen, verursacht durch ein unsinniges Feuerwerk im BVB-Fanblock, da führten die Dortmunder auch schon 1:0. Der Japaner Shinji Kagawa hatte vor das Wolfsburger Tor geflankt, wo Innenverteidiger Timm Klose BVB-Stürmer Aubameyang für einen Moment aus den Augen verloren hatte. Der Gabuner bedankte sich für soviel Freiraum mit einer Volleyabnahme und feierte seinen Führungstreffer wie üblich mit einem gekonnten Salto.

          Der Treffer passte ganz zur Stimmung im Olympiastadion, die zunächst in jeder Hinsicht von den Dortmunder Fans bestimmt wurde. Wolfsburg wäre zwar im direkten Gegenangriff beinahe die schnelle Antwort gelungen, aber Mitch Langerak, der den Vorzug vor Roman Weidenfeller im BVB-Tor erhalten hatte, durfte beim Schuss von Perisic beweisen, dass er nicht nur ein besonderes Pokal-Maskottchen ist. Dies war sein 12. Pokaleinsatz für die Borussia, die elf Partien zuvor hatten alle mit einem Dortmunder Sieg geändert.

          Ein Symbolbild für die Dortmunder Niederlage: Schmelzer am Boden Bilderstrecke

          1:0 in Führung, Langerak im Tor – was sollte da noch schief gehen? Vielleicht wäre es nicht mehr viel gewesen, wenn Marco Reus die anfängliche Überlegenheit der Dortmunder nach einem Pass von Kagawa in der 18. Minute auch zum zweiten Treffer genutzt hätte. Auf eine Wende deutete danach zunächst zwar nichts hin, sie kam aber trotzdem und hatte ihren Anfang in einem ganz herkömmlichen Verlauf. Naldo bewies nach 22 Minuten wieder einmal seine Schussstärke bei Freistößen. Seinen Aufsetzer aus 26 Metern konnte Langerak nur nach vorne abwehren. Genau darauf hatte Luiz Gustavo gelauert und nutzte diesen Lapsus zum Ausgleich.

          Der Treffer hatte dem VfL sichtlich gut getan, der danach besser ins Spiel fand – und die Dortmunder in der Folge empfindlich und letztlich schon entscheidend traf. Erst nutzte Kevin De Bruyne (33.), bis dahin so gut wie gar nicht in Erscheinung getreten, ein Zuspiel des besten Wolfsburgers Caligiuri knapp hinter der Strafraumgrenze zu einem Direktschuss, den Langerak nicht parieren konnte.

          Und als Dortmund gerade begann, sich von diesem Rückschlag zu erholen, und zweimal Pech hatte, dass Reus minimal ins Abseits gelaufen war, da schlug der VfL wieder zu. Diesmal war Perisic auf der rechten Seite Schmelzer entwischt, und bei seiner Flanke war der Dortmunder Innenverteidiger Neven Subotic zu weit von Bas Dost entfernt, um den Kopfball des Niederländers und damit das 1:3 (38.) zu verhindern.

          Innerhalb einer Viertelstunde hatte Wolfsburg das Spiel gedreht, und noch dazu im Stil einer Spitzenmannschaft – ruhig, abgeklärt und völlig unaufgeregt. Der BVB versuchte zwar, den Anschluss wieder zu finden, haderte nach einem harten Einsatz von Rodriguez an Aubameyang wegen des ausbleibenden Elfmeterpfiffs, musste sich dann aber dringend sammeln, um die Partie noch einmal drehen zu können.

          In den sieben Jahren von Jürgen Klopp als BVB-Trainer hatte es viele spektakuläre Spiele gegeben – nun wäre ein letztes zum Happy End nötig gewesen. Skepsis war da aber angebracht, der Spielstand gab einer konterstarken Mannschaft wie Wolfsburg schließlich alle Trümpfe in die Hand.

          Kurz nach Wiederbeginn hätten alle Dortmunder Träume auch schon dahin sein können, aber Caligiuri (48.) scheiterte aus kurzer Entfernung an Langerak. Auf der Gegenseite schaffte es Kagawa nicht, dem BVB-Glauben neues Leben einzuhauchen, als er einen Pass von Reus nur an den Außenpfosten (50.) verlängerte.

          Der unbedingte Wille war dem BVB nicht abzusprechen, aber kleinste Fehler im Spielaufbau riefen sofort Gefahr vor dem eigenen Tor hervor. Abermals Caligiuri war nach 65 Minuten kurz davor, dem Finale endgültig die Spannung zu nehmen, als er diesmal zwar Langerak überwand, Durm den Ball aber noch abwehren konnte. Für Klopp das Zeichen, nun endgültig alles zu wagen – Kehl musste in seinem letzten Spiel im BVB-Dress für den offensiveren Blaszczykowski runter (68.).

          Damit war die Marschroute für die Schlussviertelstunde klar – Dortmund versuchte anzurennen, aber es fehlten gegen die sichere Abwehr der Wolfsburger die zündenden Ideen. Und den Rest erledigte Benaglio, der gegen Mchitarjan und Kagawa sicher parierte. Mit Immobile für Reus (79.) brachte Klopp noch einen Stürmer, der im gegnerischen Strafraum besondere Qualitäten hat – alles vergebens. Wolfsburg ließ sich die Chance auf den ersten Pokalsieg der Vereinsgeschichte nicht mehr nehmen.

          Weitere Themen

          Gipfeltreffen in der Bundesliga Video-Seite öffnen

          Bayern trifft auf Dortmund : Gipfeltreffen in der Bundesliga

          Was kann für Borussia Dortmund herausspringen beim Spitzenspiel im leeren heimischen Stadion gegen den Tabellenführer aus München? Dortmund sollte gegen die Bayern gewinnen, um das Titel-Rennen möglichst offenzuhalten.

          Topmeldungen

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.

          Bundesliga im Liveticker : Wer gewinnt das Spiel der Spiele?

          Der FC Bayern München ist zu Gast bei Borussia Dortmund. Dieses Duell elektrisiert die gesamte Fußball-Welt. Und es könnte eine Vorentscheidung im Kampf um die deutsche Meisterschaft bedeuten. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Einspruch exklusiv : Tierquälerei als Staatsraison

          Die ohnehin geringen Strafen für Tierquälerei kommen in Deutschland kaum jemals zur Anwendung, weil Staatsanwaltschaften sich in Arbeitsverweigerung üben und Gerichte selbst rechtswidrige Praktiken stützen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.