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1:0 in Kiel : Wolfsburg rettet sich abermals über die Relegation

  • -Aktualisiert am

Wolfsburg bleibt erstklassig: Robin Knoche jubelt nach dem entscheidenden Tor in Kiel Bild: Reuters

Der VfL Wolfsburg bleibt in der Bundesliga: Der Klub aus der Volkswagenstadt setzt sich wie im Vorjahr in der Relegation gegen den Zweitligadritten durch. Holstein Kiel ist im Rückspiel zu harmlos.

          3 Min.

          Bedenkt man, worum es ging, hat Bruno Labbadia diese Partie sehr entspannt verfolgt. Erst in der 75. Minute schien der Trainer des VfL Wolfsburg so richtig wach zu werden - Robin Knoche hatte nach einem Eckball Yunus Mallis zum 1:0 für die Niedersachsen eingeköpft. Labbadia rannte auf Feld, zeigte die bekannte Jubel-Faust. Der Bundesliga-Sechzehnte überzeugte am Montagabend in Kiel, knüpfte an die guten ersten 70 Minuten vom Hinspiel an und schaffte den Klassenverbleib auf ziemlich undramatische Weise. 3:1 in Wolfsburg, 1:0 in Kiel - verdient bezwang der VfL die KSV Holstein in summa und rettet sich wie im Vorjahr gegen Eintracht abermals über die Relegation vor dem Abstieg. Labbadia wird damit zum Relegationsfachmann; schon 2015 hatte er die Saisonverlängerung mit dem HSV für sich entschieden.

          „Das war mein schwierigster Job, den ich je im Fußball hatte. Es sind sehr viele Dinge zusammengekommen. Da war es wichtig, die Ruhe zu bewahren“, sagte Labbadia, ohne ins Detail gehen zu wollen. „Ich bin jetzt einfach leer. Aber ich bin auch zufrieden. Dieses Mal war es anders als beim HSV. Das hat alles getoppt.“ Nach dem Spiel lieferte er sich ein kleines Scharmützel mit Kiels Trainer Markus Anfang. „Ich habe ihn ermahnt, ein kleines bisschen Respekt zu zeigen, gerade, wenn man noch neu im Geschäft ist“, sagte Labbadia. Auch in dieser Causa wollte er nicht mehr verraten. 

          Holstein Kiel, dem Dritten der Zweiten Liga, fehlten an diesem Abend Überzeugung und Mut, den Favoriten bezwingen zu können. Ohne Trainer Markus Anfang, der zum 1. FC Köln wechselt, geht der Aufsteiger aus Kiel also in sein nächstes Zweitliga-Jahr. Böse schien der KSV keiner zu sein: die Fans feierten ihre Mannschaft. „Wenn der Abpfiff kommt, merkt man, wie emotional es ist. Wir haben nicht aufgesteckt, wir waren heute die klar bessere Mannschaft. Dass wir dieses Spiel verlieren, dass wir uns mit einer Niederlage verabschieden, ist richtig bitter. Das haben die Jungs nicht verdient. Aber wir hätten das Tor machen müssen“, sagte Anfang. „Es wird schwer, das abzuschütteln. Mein Ko-Trainer und ich hatten hier bis zur letzten Sekunde die volle Unterstützung und haben alles gegeben."

          Bundesliga

          Die erste schlechte Nachricht gab es schon vor dem Anpfiff. Dominick Drexler stand weder in der Startelf noch im Kader - der spielbestimmende Kieler aus der Mittelfeld-Prachtreihe war verletzt und sah das Spiel von der Pressetribüne aus. Für ihn begann Alexander Mühling. Dominik Hermann, Dominik Schmidt und David Kinsombi waren ebenfalls angeschlagen, liefen aber auf. Drexler war durch die zauberhafte Vorbereitung des 1:3-Treffers beim Hinspiel in Wolfsburg am Donnerstag aufgefallen. Dass er zusehen musste, war ein schwerer Schlag für die KSV Holstein, war Drexler doch mit zwölf Toren einer der Garanten des dritten Ranges der Zweitliga-Saison. Auch seine elf Vorlagen waren ein Spitzenwert des Fußball-Unterhauses. Darüber hinaus begann Aaron Seydel für den im Hinspiel schwachen Dominic Peitz. Tom Weilandt ersetzte Steven Lewerenz.

          Wolfsburg zum zweiten Mal in der Relegation

          An diesem sonnigen Vorsommerabend herrschte schon eine Stunde vor dem Anpfiff allerbeste Stimmung. 12.000 Zuschauer füllten die Ränge. Das Holstein-Stadion, mittlerweile mit Berechtigung für die Erste Liga, war eine kleine, atmosphärisch dichte Einheit - dass die Wolfsburger Fans in der weit entfernten Kurve lange Hälse machten mussten, um den Rasen zu erkennen, teilten sie mit allen Auswärtsfans der vergangenen Jahre. In der Sommerpause rücken die Bagger an, und die markante Kurve mit dem Hochhaus im Rücken wird einer moderneren weichen.

          Das Tor zur Bundesliga: Robin Knoche trifft nach einem Eckball per Kopf Bilderstrecke

          Die Wolfsburger schickten die Elf des ersten Spiels in den größten Härtetest dieser so erstaunlich schwachen Saison. Zum zweiten Mal hintereinander in die Relegation: Das schafft sonst nur der HSV. Die sieben Millionen Euro Leihgebühr für Divock Origi, die der VfL dem FC Liverpool zahlte, sind in etwa der Saisonetat der Kieler. Das nur, um die Maßstäbe gerade zu rücken. Labbadia im Anzug, Anfang im Trainingsanzug, auch das wirkte wie ein Symbol - wobei die KSV in dieser Saison ja den weitaus feineren Fußball gespielt hat.

          Kiel begann mit Volldampf, drängte die Wolfsburger weit in deren Hälfte. Kinsombi hatte eine Chance (14. Minute), ebenso der Wolfsburger Arnold mit seinem Freistoß zwei Minuten später. In der 17. Minute sprang die Wolfsburger Bank auf - Malli hatte getroffen. Doch Schiedsrichter Daniel Siebert bekam Funkkontakt mit Köln; dort hatte der Videoschiedsrichter gesehen, dass Origi dem Kieler Torwart Kronholm die Sicht genommen hatte. Es ging weiter mit 0:0, doch der VfL war nach dem vermeintlichen Treffer etwas sortierter und wacher. Holstein machte es besser als am Donnerstag, war weniger beeindruckt vom Rahmen, der Aufgabe, den Möglichkeiten. Der Ball lief durch die Reihen, und vorn war es Seydel, der gefährlich attackierte. Brooks und Knoche in der VfL-Innenverteidigung hatten aber alles im Griff, und der VfL wirkte auch, als habe er den Ernst der Lage erkannt.

          Wie um die eigene Überlegenheit zu dokumentieren, kam der VfL Minuten vor den Kielern aus der Kabine. Doch den ersten Paukenschlag setzte Holstein - Seydels Hacke, das wäre um ein Haar das 1:0 gewesen. Die Stimmung blieb gut, doch Wolfsburg war jederzeit auf der Höhe. Kiel fiel es schwer, das gewohnte Spiel aufzuziehen - da wurden Drexler und seine Ideen schmerzlich vermisst. Die Minuten zerrannen ereignislos, und nach Knoches Kopfballtor war die Luft raus aus dieser Partie.

          „Wir haben uns in den vergangenen drei Spielen gesteigert und nun auch verdient durchgesetzt“, sagte Kapitän Maximilian Arnold. „Es war eine sehr, sehr schwierige Situation. Ich hoffe, dass wir als gesamter Verein endlich daraus lernen. Die letzten zwei Jahre sind nicht der Anspruchg des VfL Wolfsburg.“

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