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VfL-Geschäftsführer Röttgermann : „Es ist bizarr, wenn wir problematisiert werden“

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Grün-weiße Welt: Meister war Wolfsburg schon - Meister der Herzen noch nie Bild: dpa

Thomas Röttgermann hält den VfL Wolfsburg für einen Bundesligaverein wie jeden anderen auch. Vor dem Spiel gegen Düsseldorf (20.30 Uhr) spricht der Geschäftsführer der „Wölfe“ über skeptische Traditionsvereine, Standortnachteile und Financial Fairplay.

          BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hat seit Jahren die Werks- und Mäzenklubs im Visier. Im Kern zielt die Kritik auf die Frage: Aus welchem Grund soll Wolfsburg zur Bundesliga gehören - außer, weil VW es so will?

          Zur Bundesliga gehört, wer sich sportlich qualifiziert. Hans-Joachim Watzke zielt im Kern auch gar nicht auf Finanzierungsvarianten, sondern darauf, ob ein Verein sich im Herzen der Menschen verankert hat, sich Traditionsverein nennen darf. Die Bundesliga lebt von ihrer Vielfalt, und es macht sie attraktiv, dass ein Verein wie Wolfsburg mal deutscher Meister wird, oder imstande ist, Spieler wie Diego zu finanzieren. Das zeigen auch die stetig steigenden Zuschauerzahlen.

          Watzkes jüngster Vorwurf lautet: Würde man die neuen finanziellen Fair-Play-Regeln der Europäischen Fußball-Union (Uefa) anlegen, müsste Wolfsburg schon jetzt seine Kosten den Erlösen anpassen. Die Sponsorenverträge mit VW entsprächen nicht marktüblichen Kriterien.

          Wer sich wie Dortmund über Jahre nur finanzieren konnte, weil ein inzwischen einsitzender Hedgefonds-Manager (Florian Homm, die Redaktion) Anteile der Kommanditgesellschaft auf Aktien gekauft hat, begibt sich mit solchen Aussagen auf dünnes Eis. Seine Stoßrichtung, unsere Sponsorenverträge zu einem Problem zu erklären, ist sehr vordergründig. Es ist doch bizarr, wenn ein Verein wie Wolfsburg oder Bayer Leverkusen bei Financial Fairplay überhaupt problematisiert wird. Es geht darum, eine Ausgewogenheit zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Aber gegen Leverkusen und uns wird immer vorgebracht, die Aufwendungen des Sponsors stünden in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung. Die Uefa wendet da aber keine schlüssigen Regeln an. Es ist bei den großen Unterschieden zwischen Vereinen und Regionen in Europa schlicht unmöglich, ein Raster zu entwickeln, das feststellt, ob eine Sponsorenleistung unangemessen ist. Es kann sogar Rahmenbedingungen geben, nach denen ein Sponsorenvertrag von VW mit dem VfL höher dotiert sein müsste als der eines Bayern-Sponsors.

          Wie sollte das möglich sein?

          Neben der reinen Sichtbarkeit des Logos auf dem Trikot gibt es noch viele andere Gründe für ein Sponsorship. Die Stadt Wolfsburg kann etwa im weltweiten Wettbewerb um Ingenieure und andere Fachleute nur sehr schwer mit Metropolen mithalten. Für Volkswagen gibt es daher gewichtige Gründe, in Wolfsburg - aber auch in anderen Städten, in denen das Unternehmen aktiv ist - standortfördernde Maßnahmen zu ergreifen.

          Für Sie sind also 40 Millionen Euro des Hauptsponsors, die Watzke beklagt, kein Trikotsponsoring, sondern Standort-Marketing?

          Genau so ist es. Unser Vertrag beinhaltet standortfördernde Maßnahmen, die etwa ein Vertrag von Dortmund mit Evonik gar nicht enthalten kann, weil das Unternehmen nicht mal in Dortmund beheimatet ist. Man kann diese Verträge nicht miteinander vergleichen.

          Geschäftsführer Röttgermann findet, der VfL komme zu schlecht weg

          Ihre Kollegen aus den Traditionsklubs kritisieren aber auch, dass Wolfsburg als VW-Klub nichts in den „emotionalen Pool“ Bundesliga einzahle, aber davon auch bei den Fernsehgeldern wie ein Trittbrettfahrer profitiere.

          Das wird vor allem festgemacht an der Anzahl der Fans, die Wolfsburg mit zu seinen Auswärtsspielen bringt. Bei uns im Stadion aber sind dieselben Emotionen zu Hause wie in Freiburg, Mainz, Stuttgart oder Bremen. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Organisationsform eines Vereins und den Gefühlen, die er bei seinen Zuschauern auslöst. Man könnte bei den Fernsehgeldern auch sagen: Wer die größten Stadien hat - wie Dortmund -, muss einen Abschlag hinnehmen. Oder alle Vereine, die einen Börsengang hinter sich haben, weil sie über 100 Millionen eingenommen haben.

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