https://www.faz.net/-gtl-rgx7

VfB Stuttgart : Unverstandener Maestro in der „cultura generale“

  • -Aktualisiert am

Andreas Brehme ist wie geschaffen für die Aufgabe, Trapattoni der Mannschaft und dem ganzen Schwabenland nahe zu bringen. Der Hamburger, der 1990 mit seinem Foulelfmeter Deutschland den WM-Titel bescherte, trainierte in den neunziger Jahren unter dem Italiener bei Inter Mailand. Der 45jährige hat die Fremdsprache erlernt, verfügt selbst über die Erfahrungen eines Bundesligatrainers und hat ein offenes, freundliches Wesen.

Und tatsächlich ist Brehmes Verhältnis zu Trapattoni ungetrübt freundschaftlich wie seit 15 Jahren. Aber leider liegen seine Stärken als Trainer rein auf dem praktischen Gebiet. Als Theoretiker, Psychologe, Analytiker und Kommunikator, das wird schon in einem kurzen Dialog deutlich, sollten besser andere wirken. Kritische Geister im VfB-Umfeld fragten schon, was tut Brehme eigentlich? Auf jeden Fall gelingt es ihm nicht, Trapattoni und dessen beide italienischen Assistenten ins VfB-Gemeinwesen zu integrieren.

„Wie fanden Sie es denn?“

Torwart Timo Hildebrand gilt als einer der größten Trapattoni-Skeptiker. Mit süffisanten Interviews illustrierte er vor vier, fünf Wochen die VfB-Krise, als sie am größten war. Heute gibt der Nationaltorwart zu: „Wir haben seitdem Fortschritte gemacht.“ Aber auch unmittelbar vor dem Bayern-Spiel, entgegnet er lauernd auf die Frage, ob das gerade abgelaufene Trainingsspiel zu Optimismus Anlaß gebe: „Wie fanden Sie es denn?“

Und der Beschreibung, es gebe Mannschaften, in denen mehr Feuer herrsche, widerspricht er nicht. Hildebrand sieht die Grundsituation unverändert: „Wir spielen immer noch unentschieden. Uns fehlen die Ergebnisse. Es ist nicht so, daß wir auf den Platz gehen und alles in Grund und Boden rennen.“ Gegen die Bayern werde es schwer. „Sie sind nun mal Deutschlands beste Mannschaft. Aber man kann gegen sie eigentlich nur gewinnen.“

Meist italienisch, mal „Trap-Deutsch“

Auch Trapattoni hält das Bayernspiel für das leichteste seit langem. „Es bedarf keiner großen Worte. Unser Stolz steht auf dem Spiel.“ Wenn der Trainer mit der großen Titelsammlung spricht, meist italienisch, mal in sein „Trap-Deutsch“ verfallend, dann nimmt er die Zuhörer für sich ein. Auch kritischen Fragern huscht bei seinen Antworten manchmal ein Lächeln übers Gesicht. Und sei es nur, weil sie auf eine sympathische Weise unverständlich bleiben.

Aber erst recht, wenn er Sätze sagt wie: „Ich werde die Bayern mit Zuneigung begrüßen.“ Oder: „Auch mich trieb mein Stolz zu meinen besten Leistungen“, oder „früher war die Bundesliga ein stark deutsch geprägte Welt, heute herrscht auch hier eher eine „cultura generale“. Trapattoni liebt und lebt und atmet Fußball, setzt sich mit Verstand und Herz mit seinem Lieblingsthema auseinander. Man wünschte ihm Profis, die ihm mit ebenso großer Leidenschaft, Einsatz und gutem Willen folgten.

Liebe zum Beruf hängt nicht vom Arbeitgeber ab

Andererseits, wer es nicht schafft, seine Schäflein hinter sich zu versammeln, der hat seinen Job verfehlt. „Ich brauche Zeit, ich habe eine völlig neu zusammen gesetzte Mannschaft übernommen“, sagt der Italiener bei jeder Gelegenheit. Seit September sei sein Team gewachsen. Und tatsächlich nähren Spiele wie das 2:1 in Saloniki im Uefa-Cup die Hoffnung auf den baldigen Durchbruch. Aber es gibt auch immer wieder Rückschläge.

Präsident Staudt und Aufsichtsratsvorsitzender Hundt haben ihrer Geduld Grenzen gesetzt und bis zur Winterpause ehrgeizige Hochrechnungen aufgestellt. Sie zu erfüllen, bedürfte es in den letzten Partien gegen Bayern, Wolfsburg und Schalke dreier Siege. Und wenn sie nicht gelingen? Sportdirektor Briem sagt: „Wir werden uns in der Winterpause zusammensetzen und alles analysieren.“ Das gelte auch für den Trainer.

Das Experiment Trapattoni ist also noch unentschieden. Doch eine Fortsetzung der Remis-Serie würde es wohl beenden. Trapattoni wirkt unbeeindruckt vom Erfolgsdruck. Seine Liebe zum Beruf hängt nicht vom Arbeitgeber ab.

Weitere Themen

Mehr Tempo und mehr Laufleistung

FSV Mainz 05 : Mehr Tempo und mehr Laufleistung

Die vergangene Saison ging für Mainz 05 mit zu vielen Gegentoren zu Ende. Trainer Achim Beierlorzer will dem nun entgegenwirken und setzt auf eine bessere Laufleistung.

Topmeldungen

Test für Reiserückkehrer im rheinland-pfälzischen Bitburg

Kritik an Risikogebieten : Zahl der Neuinfizierten abermals über 1000

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt weiter vierstellig. Zugleich übt der Deutsche Hausärzteverband Kritik an pauschalen Risikogebieten. „Wahnwitzig“ sei auch, dass Ärzte Hotelbuchungen von Reiserückkehrern kontrollieren sollen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.