https://www.faz.net/-gtl-9p21c

VfB-Präsident zurückgetreten : Zu viel Feindseligkeit und Häme

  • Aktualisiert am

Präsident, das war er mal: Wolfgang Dietrich Bild: dpa

Einen Tag nach der abgebrochenen Mitgliederversammlung tritt Wolfgang Dietrich als Präsident des VfB Stuttgart zurück. In einer persönlichen Erklärung rechnet der 70-Jährige ab.

          Wolfgang Dietrich will nicht länger als Sündenbock des krisengeplagten VfB Stuttgart gelten und hat sich mit einer persönlichen Generalabrechnung vom Präsidenten-Posten zurückgezogen. „Ich kann und will nicht mehr verantwortlich für alles gemacht werden, was beim VfB Stuttgart berechtigt oder unberechtigt nicht gut funktioniert“, schrieb der 70-Jährige am Montag auf seiner Facebook-Seite. Damit überrumpelte der höchst umstrittene Dietrich wohl auch die Führungsriege des Fußball-Zweitligaklubs, der erst rund eine Stunde nach Dietrichs Statement eine kurze Mitteilung auf seiner Vereinshomepage veröffentlichte.

          Dietrich reagierte damit auf die am Sonntag wegen einer technischen Panne abgebrochene Mitgliederversammlung des VfB. Weil das WLAN im Stuttgarter Stadion nicht funktioniert hatte, konnte keine Abstimmung über eine Abwahl des Clubchefs stattfinden. Was er auf der Mitgliederversammlung an „Feindseligkeit und Häme“ erlebt habe, hätte er „nicht für möglich gehalten“, schrieb Dietrich. Er möchte „nicht mehr einer Organisation vorstehen, die weder willens ist, sich mit mir gemeinsam diesen Interessen entgegenzustellen, noch in der Lage, den einwandfrei funktionierenden Ablauf einer Mitgliederversammlung zu gewährleisten.“

          Mit ihren Handys hätten sich die rund 4500 anwesenden Stimmberechtigten in das extra dafür eingerichtete WLAN einloggen sollen, um unter anderem über Dietrichs Zukunft abstimmen zu können. Nachdem Dietrich die Veranstaltung unter lautstarken Pfiffen und Protesten abgebrochen hatte, wurde er von Personenschützern aus dem Innenbereich des Stadions begleitet.

          Noch am Sonntagabend hätten ihn das Präsidium, Vereinsbeirat und Aufsichtsrat gebeten, dennoch weiterzumachen. Dietrich war ursprünglich bis 2020 gewählt, stand aber seit Monaten bei einem Teil der VfB-Anhänger massiv in der Kritik. Sie warfen ihm nicht nur die Verpflichtung des im vergangenen Februar wieder abberufenen ehemaligen Sportvorstands Michael Reschke vor. Auch Dietrichs frühere Verflechtungen mit dem Unternehmen Quattrex, das Fußballclubs und auch direkten Konkurrenten des VfB Kredite gewährt hatte, sorgte bei einigen Mitgliedern bis zuletzt für Fragezeichen und Ärger.

          „Ich lasse mir meine Würde und Ehre nicht von denjenigen nehmen, die ihre Macht lautstark und mit verbaler Gewalt demonstrieren“, polterte Dietrich am Montag. „Ebenso wenig wie von denen, die sich schon seit langem an den gut gefüllten Töpfen unseres Vereins bedienen wollen.“ In zahlreichen Redebeiträgen war er auf der Veranstaltung von den VfB-Mitgliedern kritisiert worden. Zuvor hatte der gesamte VfB-Vorstand um Sportchef Thomas Hitzlsperger auf Plädoyers pro Dietrich etwas überraschend verzichtet.

          Wie es nun an der Spitze des schwäbischen Traditionsclubs weitergeht, blieb zunächst offen. „Der Vereinsbeirat wird kurzfristig entsprechend seiner satzungsgemäßen Aufgaben zusammentreten, um eine kommissarische Besetzung des Präsidiums bis zur nächsten Mitgliederversammlung herbeizuführen“, heißt es in der VfB-Mitteilung. Da Vizepräsident Bernd Gaiser als einziges Präsidiumsmitglied übrig ist, dürfte er den Club zunächst führen. Wann die nächste Mitgliederversammlung stattfindet, blieb ebenfalls zunächst unklar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.