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VfB Stuttgart : Crashkurs für das Gemeinschaftsgefühl

  • -Aktualisiert am

Stuttgarter „Feuerwehrmann”: Labbadia im roten Trainingsanzug Bild: dapd

Der neue Trainer läuft im roten Feuerwehrmann-Anzug über den Trainingsplatz und redet ununterbrochen. Kommunikation schreibt Labbadia groß. Die Partie gegen Odense ist aber nur der Probelauf für den Abstiegskampf in der Bundesliga.

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          Es hat sich in Stuttgart inzwischen herumgesprochen, das erste halbe Jahr war bisher die große Stärke von Bruno Labbadia, egal wo der Trainer war. Allein diese Nachricht reichte aus, um schlechte Umfragewerte zu drehen und manchen zu beruhigen, der von Labbadias Qualitäten bisher nichts gehört hatte. Wer den neuen Coach des VfB Stuttgart auf dem Trainingsplatz sieht, könnte zu einer anderen Erkenntnis kommen. Der Mann im roten Trainingsanzug scheint alles auf einen Schlag erledigen zu wollen. Man spürt weniger ein langfristiges Konzept als vielmehr den Elan, mit dem er seinen ersten Feuerwehrjob angeht. „Auf vieles hinzuweisen, und das immer wieder, gehört zu meiner Art“, sagt Labbadia vor seinem ersten Spiel auf der Stuttgarter Bank.

          Für die Stuttgarter Situation sei er der Beste, versichert Manager Fredi Bobic, der von einer ratlosen Vereinsführung freie Hand bekam und dem Klub eine Strukturreform auf sportlicher Ebene verordnete, was in der Praxis so aussieht: Bruno Labbadia läuft auf dem Rasen von einer Übungsstation zur nächsten und redet ununterbrochen. Er erklärt, legt seine Arme über Schultern und Köpfe, gestikuliert, spricht bemüht von wir, führt Einzelgespräche, die wenige Sekunden dauern wie beim Speed-Dating, wenn sich Partnersuchende im Schnelldurchlauf in die Augen schauen, um zu prüfen, ob es auch länger als drei Wochen halten könnte.

          Odense als Probelauf für die beiden Bayern-Spiele

          Dass die Zuneigung am Neckar diese Zeitspanne überdauert, steht für die meisten außer Frage, obwohl mit Spielen gegen Bayern München (in der Liga und am Mittwoch im Pokal) harte Belastungsproben auf die junge Verbindung zukommen. Die Europa League mit dem Spiel gegen Odense an diesem Donnerstag (21.05 Uhr im FAZ.NET-Europa-League-Liveticker) stellt nicht mehr als einen Probelauf dar, der sonst bedeutungslos erscheint, da der VfB bereits für die nächste Runde qualifiziert ist. Am Sonntag, wenn es gegen die Bayern um Punkte geht, wird das ganz anders sein.

          Will den VfB wieder ins Rollen bringen: Neutrainer Bruno Labbadia
          Will den VfB wieder ins Rollen bringen: Neutrainer Bruno Labbadia : Bild: dpa

          Bei Besuchen bei Präsidium und Aufsichtsrat spürte der als Spieler erfahrene Abstiegskämpfer Bobic schnell, wie groß die Lücken hier sind und wie groß seine eigene Chance, den kränkelnden Klub an die Hand zu nehmen. Bobic gelang es, den Sparkommissaren in der Klubspitze – allen voran Aufsichtsratschef Dieter Hundt und Finanzvorstand Ulrich Ruf – die Zusage für neue Transfers im Winter abzutrotzen. Dass man den Klub in die zweite Liga gespart habe, will sich dort niemand nachsagen lassen.

          Kommunikation hat Labbadia oben auf seine Liste geschrieben

          Labbadia hat nicht unbedingt beim Sparen geholfen, der VfB muss seinen Vorgänger Jens Keller bezahlen und hat dessen Vorgänger Christian Gross gerade abgefunden. Aber es ist merklich leerer geworden auf dem Trainingsplatz. Wo vorher viele Mitarbeiter Zugang hatten, sieht man nur noch Labbadia, Assistent Eddy Sözer und Torwarttrainer Ebbo Trautner. „Wir stecken in der Vorbereitung für die Rückrunde“, sagt der Krisenbeauftragte Labbadia.

          Man müsse dem Kompetenzteam mit neuen Reizpunkten mehr Qualität entlocken und habe es deshalb verkleinert. Es mutet fast wie ein Crashkurs an, wie das Stuttgarter Duo Gemeinschaftsgefühl vermitteln will. Kommunikation hat Labbadia oben auf seine Liste geschrieben und bis zur Winterpause um halb neun ein gemeinsames Frühstück verordnet, dem zwischen zwei Trainingseinheiten ein gemeinsames Mittagessen folgt. „Wir haben keine Zeit, uns lange aneinander zu gewöhnen“, sagt Labbadia.

          Delpierre: „Man spürt, der Trainer weiß, was er will“

          Weil die Signale aus einer verunsicherten Mannschaft einen weiteren Trainerwechsel unumgänglich machten, hatte sich Bobic zu strengen Vorgaben entschieden, denen alle notgedrungen folgen, obwohl er mit der Entscheidung, den Assistenten Keller im Oktober zum Chef zu machen, nicht eben gut lag. Dass erhöhter Handlungsbedarf bestand, verdeutlicht VfB-Kapitän Matthieu Delpierre, der zwischen Verunsicherung und Hoffnung schwankt. „Wir schaffen es als Mannschaft nicht allein, wir brauchen Impulse von außen. Es war wichtig, Veränderungen zu machen“, sagt Delpierre. Und: „Man spürt, der Trainer weiß, was er will.“

          Das macht der Neue überall deutlich. Gemeinschaftsgefühl, Kompaktheit seien ihm wichtig. „In dieser Mannschaft steckt Einzelqualität, die gilt es jetzt zu einer Mannschaft zusammenzuführen“, sagt Bruno Labbadia und blickt rüber zum Trainingsplatz. Dort schlendern die letzten Profis Richtung Kabine und Mittagessen. „Der Level im Training der vergangenen Tage war gut, ich habe der Mannschaft aber gesagt, dass das ab jetzt Standard ist.“ Nach dieser Botschaft Labbadias durften die VfB-Profis vor dem Spiel gegen Odense zu Hause übernachten und mussten nicht wie sonst vor Spielen üblich in ein Hotel.

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