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Vermittler im Fußball : Das Spiel mit Gier und Not

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Schattendasein: Spielervermittler halten sich gerne im Hintergrund der Stadien auf; wenn es um Verträge geht, sitzen sie in der ersten Reihe Bild: picture-alliance / dpa

In den Hinterzimmern des Fußballs geht es um das große Geld: Ein Drittel bleibt bei Spielervermittlern hängen. Nicht alle sind schmierige Blutsauger, aber die Branche hat einen miserablen Ruf.

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          Die einen nennen sie Blutsauger, die anderen notwendiges Übel. Wenige Berufe in Deutschland haben einen so schlechten Leumund wie der des Spielervermittlers. Das Bild, das von der Branche gezeichnet wird, ist düster. Geldgierige Manager spielen mit fragwürdigen Methoden Vereine und Spieler gegeneinander aus - mit dem Ziel der persönlichen Gewinnmaximierung.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Und es gibt genug schlechte Beispiele, die für dieses Bild die Vorlage liefern. Die Fälle sind bekannt und verbürgt, in denen Fußballprofis zu Vereinswechseln überredet wurden, die ihrer sportlichen Karriere schadeten, nur weil dem Berater eine besonders dicke Provision winkte. Wo Klienten zu windigen Geldanlagen geraten wurde, weil der Manager mit dem Finanzdienstleister gemeinsame Sache machte.

          Wo Vermittler mehr Provision für sich aushandelten, als ihre Kunden im Jahr dann bei ihrem neuen Klub verdienten. Wo Spielermanager für ihren Mandanten monatelang nicht mehr zu sprechen waren, weil es an ihm scheinbar nichts mehr zu verdienen gab. Als der Profi dann einen neuen Kontrakt abschloss, forderte der Berater vom Verein eine Provision, obwohl er nicht am Transfer beteiligt war. Und als der Berater abgewiesen wurde, verklagte er noch seinen Spieler.

          Im Fußballgeschäft winkt viel Geld, es lockt nicht nur moralisch gefestigte Menschen an. Zumal im Prinzip jeder Spielervermittler werden kann, er muss nur das Vertrauen eines Spielers oder Vereinsmanagers erwerben. Als einziges Regulativ hat der internationale Fußballverband (Fifa) den Erwerb einer Lizenz vorausgesetzt, die jeder Nationalverband ausgibt. Um sie zu erlangen, muss der Bewerber in Deutschland eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen, ein polizeiliches Führungszeugnis und zwei Passbilder vorlegen sowie eine Menge schwieriger Prüfungsfragen beantworten. Die Antworten waren eine Zeitlang für 2000 Euro zu kaufen.

          Die Ausgabe oder das Büffeln konnte man sich aber auch sparen, denn es lässt sich im Fußball auch sehr gut ohne diese Lizenz beraten. Die Schätzungen der Transfers, die in der Bundesliga mit Hilfe nicht zugelassener Spielervermittler abgewickelt werden, liegen zwischen 60 und 75 Prozent. Familienangehörige und Rechtsanwälte dürfen ohnehin ohne Lizenz tätig werden.

          Aber um einen begehrten Spieler zu verpflichten, würden sich die meisten Vereine zur Not auch mit dem Teufel persönlich an einen Tisch setzen. Ob der Berater oder Vermittler des Spielers nun eine Lizenz hat oder nicht, interessiert höchstens am Rande. Was auch daran liegt, dass der DFB bei Ermittlungen gegen vermutete Verstöße noch nie ans Ziel kam. Es wurde in Deutschland noch nie ein Verein oder Spieler bestraft, weil er mit einem nicht lizenzierten Berater oder Vermittler zusammengearbeitet hat.

          Bilderstrecke

          Das kann sich demnächst ändern. Der DFB hat satzungsgemäß (Auslandstransfer) den Fall Frank Arnesen an die Fifa weitergeleitet. Der Sportvorstand des Hamburger SV hatte zugegeben, bei der Verpflichtung des kroatischen Spielers Milan Badelj mit mehreren Vermittlern zusammengearbeitet zu haben, unter anderen mit Vlado Lemic, einem Serben, der keine Lizenz besitzt.

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