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Daumen nach unten : Verdruckste Reaktionen beim DFB

„Sie wissen auch, dass es ein Fehler war“: Oliver Bierhoff Bild: Picture-Alliance

Nationalspieler haben das Recht auf eine politische Meinung. Und junge Menschen machen Fehler. Was nicht geht, ist eine Haltung, die Fehler von DFB-Spielern mit ihrer angeblichen Beschränktheit, Unmündigkeit oder Unbedarftheit entschuldigen will.

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          Am Tag danach postete auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein Foto. Es zeigt, wie die Spieler sich um Gündogan und Can schließen, Kapitän Neuer hält beide im Arm. Es sieht nach Solidarität mit zwei Kollegen aus, die in die Kritik geraten sind. Die offizielle Interpretation dieses Fotos, die daraufhin von DFB-Direktor Bierhoff verbreitet wurde, ist jedoch eine andere: Man stehe für Offenheit, Vielfalt, Toleranz und gegen jede Form von Gewalt und Diskriminierung. Darauf muss man auch erst einmal kommen.

          Eine Debatte um die beiden Likes für das Foto mit dem türkischen Soldatengruß ihres alten Fußballkumpels Tosun, das Gündogan und Can erst gut fanden, und dann, als ihnen die politische Dimension bewusst wurde – oder ihnen erst bewusst gemacht werden musste – nicht mehr, lässt sich nicht mit Schlagworten aus den sozialen Netzwerken führen. Nationalspieler haben, wie alle anderen, das Recht auf eine politische Meinung. Junge Menschen machen Fehler, und müssen die Chance bekommen, daraus zu lernen. Zudem ist ein womöglich gedankenloser digitaler Daumen nach oben für ein Foto eines alten Fußballfreundes etwas anderes als eine Trikotübergabe an Erdogan, hochachtungsvoll, für meinen Präsidenten.

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