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Vedad Ibisevic : Einer für die Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Stuttgarter Ein-Mann-Angriff: Vedad Ibisevic wird von seinen Teamkollegen geherzt Bild: picture alliance / dpa

Tore schießt beim VfB Stuttgart vor allem ein Mann: Vedad Ibisevic ist gewissermaßen die Lebensversicherung der Schwaben. Der Bosnier soll im Pokalfinale gegen Bayern München (20 Uhr) für die Sensation sorgen.

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          Die Formel ist denkbar einfach: „Du fährst da hin, spielst, gewinnst und nimmst den Pott mit“, sagt Fredi Bobic, der Sportvorstand des VfB Stuttgart. Der frühere Nationalspieler spricht aus Erfahrung. 1997, beim bis dato letzten DFB-Pokalsieg der Schwaben, war Bobic in Berlin noch auf dem Platz gestanden. Gemeinsam mit Giovane Elber sorgte er zu jener Zeit für die Tore der Stuttgarter. Und sosehr sich der Fußball seither verändert hat, geblieben ist die Bedeutung eines Torjägers in jeder Mannschaft - erst recht beim VfB, der mit Bobic und Trainer Bruno Labbadia gleich von zwei ehemaligen Stürmern geführt wird. Heute trägt Vedad Ibisevic die Verantwortung für Tore auf den Schultern. Für den Bosnier ist das Pokalfinale gegen den FC Bayern an diesem Samstagabend (Anstoß: 20 Uhr, live in der ARD und im Liveticker bei FAZ.NET) die erste Chance auf einen Titel.

          Für das letzte Spiel der Saison wird fast schon reflexartig das Bild von David und Goliath herausgekramt. Hier der Gigant aus München, der nach dem Champions-League-Sieg vergangene Woche im Pokalfinale nach dem Triple greift, dort der Zwerg aus Stuttgart, der entgegen dem Trend im deutschen Fußball immer weiter in sich zusammengeschrumpft scheint. Und trotzdem auf die Überraschung hofft - vor allem wegen Ibisevic.

          Spiele im Alleingang gewonnen

          Seit der 28 Jahre alte bosnische Nationalspieler vor eineinhalb Jahren aus Hoffenheim an den Neckar gewechselt ist, spielt er den Alleinunterhalter im Stuttgarter Angriff. Zwar hat er nicht die Wucht seines Vorgängers Mario Gomez und auch nicht die Technik seines Back-ups Cacau, doch den Stürmer Ibisevic macht die Mischung aus beiden, gepaart mit großem Einsatz, aus. Und vor allem seine Torgefahr. 15 Tore hat er in dieser Bundesliga-Saison erzielt, dazu vier im Pokal und fünf in der Europa League. Er ist gewissermaßen die Lebensversicherung der Schwaben, die in der Liga nur 37 Tore schossen - der drittschlechteste Wert aller Bundesligaklubs. Während auf den Flügeln mit dem Österreicher Martin Harnik (sechs Tore) und dem aus Guinea stammenden Ibrahima Traoré (zwei Treffer) vor dem Tor chronische Harmlosigkeit herrscht und aus dem Mittelfeld einzig Christian Gentner Torgefahr andeutete, trifft Ibisevic regelmäßig und gewinnt so häufig genug Spiele im Alleingang. Schalke bekam das in dieser Spielzeit gleich zweimal zu spüren.

          Ibisevic ist ein klassischer Mittelstürmer. Einer, der im Strafraum zu Hause ist und dort stets für Unruhe sorgt. Aber er ist auch einer, der lange Bälle sichern kann und auf das nachrückende Mittelfeld oder den Flügel verteilt. Dass man mit dem Bosnier durchaus kombinieren kann, hat er bei seiner Station in Hoffenheim bereits nachgewiesen. Im Herbst 2008, der ersten Bundesliga-Hinrunde der TSG, war Ibisevic die Sensation des Hoffenheimer Märchens. 18 Tore hatte er bis zur Winterpause erzielt und von ganz anderen Titeln geträumt. „Vielleicht werden wir einmal mit Hoffenheim sogar Champions-League-Sieger“, sagte Ibisevic damals, er ließ sich von der Begeisterung anstecken.

          Der Traum vom atemraubenden Offensivspiel

          Fünf Jahre später träumt Ibisevic vielleicht manchmal noch vom atemraubenden Offensivspiel der Hoffenheimer in jenen Tagen, denn mit Traoré, Harnik oder Shinji Okazaki ist das Kombinationsspiel um einiges müßiger als noch zu Zeiten mit Demba Ba oder Carlos Eduardo im Kraichgau. In Stuttgart macht derzeit einzig Winterneuzugang Alexandru Maxim Hoffnung, dass das Angriffsspiel des VfB in Zukunft wieder flotter werden könnte. Der Rumäne fand sich in der Bundesliga schnell zurecht und überzeugt seither mit guter Technik und gefährlichen Standards. Außerdem verfügt Maxim über eine gewisse Finesse, eine Ausnahme im VfB-Mittelfeld, das häufig so ideenlos und spröde daherkommt.

          Weiß, was er an seinem Stürmer hat: VfB-Trainer Bruno Labbadia
          Weiß, was er an seinem Stürmer hat: VfB-Trainer Bruno Labbadia : Bild: dpa

          Labbadia wird in Berlin wohl auf die Mannschaft setzen, auf die er zum Ende der Rückrunde hin zumeist vertraute. Mit Maxim als Spielmacher und Ibisevic im Sturmzentrum. Und sein Torjäger weiß, dass man dem bayerischen Riesen im Pokal durchaus ein Bein stellen kann. 2006 warf er mit Alemannia Aachen sensationell die Münchner mit Trainer Felix Magath im Achtelfinale aus dem Wettbewerb. Ein Tor hatte er damals zwar nicht erzielt, doch beim VfB hätte man sicher nichts dagegen, wenn er sich das für das Pokalfinale aufgehoben hat. Dort ist auch Cacau nach langer Verletzungspause wieder einsatzfähig. Der deutsche Nationalspieler mit brasilianischen Wurzeln hat mit dem Pokalendspiel noch seine ganz eigene Rechnung offen. 2007 gegen Nürnberg war er nach einer halben Stunde wegen einer Unbeherrschtheit vom Platz geflogen und war anschließend der Sündenbock für die Niederlage. „Es wäre für mich ein Traum, im Finale spielen zu können“, sagt Cacau. Ob und wie er neben Ibisevic eingesetzt wird, lässt Coach Labbadia offen.

          Auch für die nächste Saison drängt sich diese Frage auf. Da die Winter-Leihgabe von Manchester United, Federico Macheda, keine Bundesliga-Qualität nachweisen konnte, sucht Manager Bobic nach Verstärkung für den Angriff. Im Winter bereits soll er der Berliner Hertha ein Angebot über vier Millionen Euro für Pierre-Michel Lasogga unterbreitet haben. Ein Stürmer dieser Qualität, dazu Cacau und Ibisevic, bei dem trotz zuletzt aufgekommener Wolfsburg-Gerüchte Spieler wie Verein versichern, dass es in Stuttgart weitergeht - es scheint, dass beim VfB die Verantwortung für Tore bald wieder auf mehrere Schultern verteilt werden soll.

          FC Bayern München - VfB Stuttgart

          FC Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, van Buyten, Alaba - Martinez, Schweinsteiger - Robben, Müller, Ribéry - Mandzukic

          VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Gentner, Boka - Harnik, Maxim, Traoré - Ibisevic

          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)

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