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Fußball-Prozess in Amerika : Der Kampf der Frauen geht weiter

  • -Aktualisiert am

Weltmeister! Davon können amerikanische Männer nur träumen. Bild: AP

Die amerikanischen Fußballfrauen wollen die gleiche Bezahlung wie Männer – und scheitern vor Gericht. Die Spielerinnen reagieren darauf „schockiert und enttäuscht“. Aber klein beigeben wollen sie nicht.

          3 Min.

          Es ist erst sieben Monate her, da wirkten die Mitglieder des amerikanischen Frauenfußball-Nationalteams bereits wie die sicheren Sieger. Denn da hatte ihnen ein 78 Jahre alter Herr in weißen Haaren und schwarzer Robe einen ermutigenden Zwischenbescheid ausgehändigt. Ja, sagte Bundesrichter R. Gary Klausner: Die Frauen würden bei ihren Einsätzen im amerikanischen Nationaltrikot „pro Spiel gerechnet weniger verdienen“ als die Männer.

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          Kein Wunder, dass die Spielerinnen emphatisch reagierten. Denn mit ihrem Prozess vor dem Bundesdistriktgericht in Los Angeles, dem ersten in der amerikanischen Rechtsgeschichte, in dem ein Team von erfolgreichen Sportlerinnen im Kampf um Gleichberechtigung alle juristische Register zieht, hatten sie exakt auf dieses Argument gesetzt. Und auf ihre sportlichen Erfolge und die dadurch erzielten Einnahmen für den Verband.

          Demnach lag die Schlussfolgerung nahe, dass die unterschiedliche Behandlung von Frauen- und Männernationalmannschaft ein Fall von Diskriminierung und damit ein eindeutiger Gesetzesverstoß sei. Keineswegs, erklärte Klausner nun am Freitag, als er in einem Teilurteil den Kern der Vorwürfe der Spielerinnen abschlägig beschied. Die Sammelklage bedürfe nicht einmal einer weiteren gründlichen Prüfung im Rahmen einer Beweisaufnahme in einem Hauptverfahren mit in den Vereinigten Staaten üblichen zwölf Geschworenen.

          Die Begründung? Die Spielerinnen hätten einst bei ihren Verhandlungen mit der U.S. Soccer Federation dieselben tarifvertraglichen Konditionen wie die Männer angeboten bekommen. Deren Bezahlung beruht auf einem System aus Antritts- und Erfolgsprämien. Eine solche Bezahlung hätten sie jedoch abgelehnt und stattdessen einen anderen Modus auf der Basis fester Gehälter vereinbart. Notabene könnten sie sich hinterher nicht über die starre Haltung des Verbandes beschweren. Resultat? Die Schadenersatzforderung der Frauen über insgesamt 66 Millionen Dollar wurde damit abgeschmettert.

          Klausner, der schon lange im Verdacht steht, in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten die Arbeitgeberseite zu bevorzugen, und seine formaljuristische Sophisterei sind allerdings womöglich nicht das letzte Wort. Zwar reagierten die Fußballerinnen „schockiert und enttäuscht“ auf die Nachricht, wie eine Sprecherin erklärte. Aber klein beigeben wollen sie nicht. Mannschaftskapitänin Megan Rapinoe, inzwischen die eloquente Symbolfigur für das gesellschaftspolitische Anliegen weiblicher Profis weltweit, versprach auf Twitter: „Wir werden niemals aufhören, für Gleichbehandlung zu kämpfen.“

          Was bedeuten könnte, dass, wenn die noch offenen Aspekte der Auseinandersetzung etwa um den Unterschied in der Art der Betreuung und Versorgung des Frauennationalteams abgehandelt sind, die Spielerinnen in die Berufung gehen. Ebenso denkbar ist eine andere Lösung: dass der Verband mit den Frauen eine außergerichtliche Einigung erzielt und auf diese Weise den Streit beendet.

          Die Spielerinnen, die bei bedeutenden Spielen ebenso hohe Einschaltquoten erzielen wie die Männer, hatten ihre Klage im Mai 2019 eingereicht. Dann fuhren sie nach Frankreich, wo sie zum zweiten Mal in Folge die Weltmeisterschaft gewannen. Bei ihrer Rückkehr wurden sie in New York begeistert mit einer Konfettiparade gefeiert. Fans übertönten die Ansprache von Verbandspräsident Carlos Cordeiro mit Forderungen nach gleicher Bezahlung. Der Funktionär gab sich versöhnlich. Seine Vorstand werde sich „anständig verhalten“. Denn: „Alle Sportlerinnen verdienen eine faire und gleichberechtigte Behandlung.“

          Wie ernst diese Aussage gemeint war, zeigte sich im März, als die Anwälte von U.S. Soccer im Vorverfahren ein uraltes Argument aus der Tasche zogen. Frauen seien körperlich schwächer und liefen langsamer. Mit anderen Worten: Den vom Gesetz angemahnten Gleichheitsgrundsatz dürfe man eigentlich überhaupt nicht anwenden. Die Entrüstung war prompt und massiv. Sogar namhafte Sponsoren des Verbandes meldeten sich zu Wort. Die Anwaltskanzlei wurde geschasst. Cordeiro trat angesichts des Proteststurms zurück. Die Verantwortung trägt seitdem erstmals in der Verbandgeschichte eine Frau: Vizepräsidentin Cindy Parlow Cone, eine ehemalige Nationalspielerin.

          Nebenbei wurde allerdings deutlich, dass die Ungleichbehandlung offensichtlich Methode hat. Sie zeigt sich nirgendwo krasser als bei den Gehältern der Cheftrainer der Nationalmannschaften. Jill Ellis, die mit ihrem Team 2015 und 2019 zweimal Weltmeister wurde und letzten Sommer den Abschied einreichte, erhielt pro Jahr nur rund ein Viertel von dem, was Männer-Trainer wie Jürgen Klinsmann und Bruce Arena kassierten. Dabei war deren Bilanz für den Verband eine geschäftliche Pleite. Die Männer schieden in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland aus, wodurch der Organisation Millionen von Dollar als Prämieneinnahmen entgingen.

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