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United gegen City : Wer hat die Macht in Manchester?

Gegen Arsenal brachte Emmanuel Adebayor viele gegen sich auf, gegen Manchester United muss er zuschauen Bild: AP

Das Derby in Manchester zwischen United und City findet diesen Sonntag erstmals auf Augenhöhe statt. Die „Blauen“ haben investiert wie nie und wollen Old Trafford erobern. Doch die Macht des Geldes ist vielen ein Dorn im Auge.

          3 Min.

          Wohin mit den ganzen Stürmern? Das fragte süffisant im Sommer Alex Ferguson, der Trainer von Manchester United, nachdem der Ortsrivale City gleich drei Torjäger-Großeinkäufe gemacht hatte: „Wir sind gespannt, wo die alle spielen sollen.” Nun, vor dem Derby am Sonntag (14.30 Uhr) im Old Trafford, muss sich der City-Kollege Mark Hughes die gegenteilige Frage stellen: Woher Stürmer nehmen? Robinho und Roque Santa Cruz sind verletzt, der Einsatz von Carlos Tevez ist fraglich, und nun ist auch noch Emmanuel Adebayor gesperrt. Die ganze Torjäger-Garde, über hundert Millionen Euro teuer, sitzt auf dem Trockenen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Adebayor, der vom FC Arsenal kam und bisher in allen vier Ligaspielen für City traf, ist nach seinem Skandalauftritt gegen seinen alten Klub für drei Spiele gesperrt worden, und die Strafe kann sich noch verdoppeln. Der englische Fußballverband ahndete bisher nur den Tritt ins Gesicht des früheren Klubkollegen Robin van Persie am letzten Samstag. Adebayors 80-Meter-Spurt über den ganzen Platz, um seinen Treffer zum 3:1 provozierend vor dem Arsenal-Gästeblock zu feiern, wo daraufhin ein Tumult ausbrach, wird gesondert verhandelt und könnte ihn drei weitere Einsätze kosten.

          Und das ausgerechnet nun, da die City-Fans sich zum ersten Mal seit Generationen auf Augenhöhe mit dem Ortsrivalen sehen. In fast vierzig Jahren voller City-Misserfolge und in zwanzig Jahren beispielloser United-Triumphe hatten sie sich mit dem zartbitteren Trost begnügen müssen, der „wahre“ Klub, die blaue Seele von Manchester zu sein - und nicht die neureichen Roten, die nicht im Herzen der Stadt, sondern draußen in der Vorstadt von Salford zu Hause sind.

          Unschöne Szene: Adebayor wurde für diesen Tritt gegen Arsenals van Persie gesperrt
          Unschöne Szene: Adebayor wurde für diesen Tritt gegen Arsenals van Persie gesperrt : Bild: dpa

          „Sie wollen zeigen, dass sie die Könige der Stadt sind“

          Ein Jahr nach der Übernahme durch das Geld aus Abu Dhabi und nach Transferausgaben von insgesamt mehr als 200 Millionen Pfund wird City erstmals auch von der großen Konkurrenz ernst genommen. „Sie haben das Potential“, sagt Ferguson, „die Top Four zu sprengen“ - das Quartett aus United, Chelsea, Liverpool und Arsenal, das seit Jahren die Premier League dominiert. „Sie wollen zeigen, dass sie die Könige der Stadt sind“, sagt United-Verteidiger Patrice Evra vor dem Derby. „Aber das sind sie noch nicht.“

          Die vergangene Saison beendete City mit vierzig Punkten Rückstand auf United. Aber im Sommer gab man 120 Millionen Euro für neue Spieler aus, United nur 20 Millionen. Nun steht man nach vier Siegen in vier Spielen punktgleich mit dem Meister und hat noch eine Nachholpartie in der Hinterhand. Verteidiger Micah Richards sieht das Derby als den „definitiven Test für uns“ an. Er prophezeit: „Dass sie nicht mehr mit Ronaldo spielen, ist ein Riesenvorteil für uns.“

          United startete holprig in die Ära nach Cristiano Ronaldo, dessen Tempo und Torgefahr zu Saisonbeginn vermisst wurden. Doch zuletzt hat sich alte Stärke eingestellt - mit einem glänzenden 3:1-Sieg in Tottenham, trotz Rückstandes nach einer Minute und langer Unterzahl, und mit einem 1:0-Sieg bei Besiktas Istanbul, bei dem Trainer Alex Ferguson die türkischen Fans als „die lautesten in meiner fünfzigjährigen Fußballkarriere“ erlebte.

          „Man City wird in dieser Saison eine Macht sein“

          Die Fans von City werden aber auch ganz schön Lärm machen, sollten sie Old Trafford erobern. Kolo Touré, der im Sommer von Arsenal gekommene neue Kapitän, prophezeit der Konkurrenz ein blaues Wunder: „Man City wird in dieser Saison eine Macht sein.“ Es ist vor allem die Macht des Geldes, und sie ist Michel Platini ein Dorn im Auge. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union stellte kürzlich seinen Plan vor, von der Saison 2012/13 an nur noch Klubs zu europäischen Wettbewerben zuzulassen, deren Ausgaben die operativen Einnahmen nicht überschreiten.

          Wer über seine Verhältnisse lebt, soll keinen Platz mehr haben - egal, ob die Löcher durch Schulden oder durch Scheichs ausgeglichen werden. Bei Ankündigung dieser Maßnahmen für „finanzielles Fairplay“ nannte Platini ausdrücklich Manchester City als schlechtes Beispiel eines Klubs, dessen Ausgaben deutlich jenseits seiner wahren wirtschaftlichen Stärke lägen.

          „Manchester City kann auch 300 Millionen Pfund ausgeben“

          Nun geht der sonst verschwiegene Clan vom Golf in die Gegenoffensive. Klub-Chef Khaldoon al-Mubarak verteidigte im „Guardian“ das arabische Investment in den englischen Klub als „fairen Weg, neuen Wettbewerb in den Fußball zu bringen, und das ohne Schulden“. Nur Geld von außen könne das Erfolgsmonopol der reichsten europäischen Klubs brechen, erklärte der Adlatus von Klubbesitzer Scheich Mansour bin Zayed al-Nahyan, einem hohen Mitglied der Königsfamilie von Abu Dhabi.

          Platinis Plan, so al-Mubarak, zementiere die Macht der reichen Klubs. Den Uefa-Präsidenten beeindruckt dieses Argument nicht: „Manchester City kann auch 300 Millionen Pfund ausgeben, wenn sie wollen. Aber wenn sie nicht in drei Jahren in den schwarzen Zahlen sind, können sie nicht in Europa spielen.“

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