https://www.faz.net/-gtl-8fmrl

Rummenigges Antwort : Ultra inkonsequente Fußballfans

McDonald’s wirbt auf der Fassade der Allianz-Arena für den Bioburger. Bild: obs

Die eingefleischten Fans fordern immer mehr Qualität auf dem Platz und lehnen jede Kommerzialisierung des Fußballs ab. Dabei ist gerade die zur Verbesserung notwendig. Ein Kommentar.

          Es ist nur gut, dass sich Fans als Teilhaber des Fußballs artikulieren und ihre Interessen verbal vorbringen - wie die Fans des FC Liverpool und der Dortmunder Borussia, die am Donnerstag vor dem Europapokalspiel gemeinsame Sache machten. Als wichtiger Kunde gibt es Entscheidungen, auf die Einfluss genommen werden könnte. Am einfachsten erscheint dies bei den Eintrittspreisen, auf die, wenn zu hoch, einfach mit Abwesenheit reagiert werden müsste.

          Passiert ist das allerdings so noch nicht. Dafür protestieren einzelne Gruppen derzeit wieder einmal gegen einen „Ausverkauf“ des Fußballs - gerade beim Branchenführer FC Bayern. Die Kritik richtet sich gegen eine mögliche Ausweitung von Bundesligaspieltagen auf den Montag, gegen die Diskussion um Setzlisten in der Champions League, gegen eine Superliga.

          Nur eine Minderheit

          Es gehört selbstverständlich dazu, dass sich Fußballmanager mit den Standpunkten der zahlenden Kundschaft auseinandersetzen. In der Bundesliga sieht es derzeit jedoch gar nicht danach aus, als ob ein größeres Problem bestünde mit der Zufriedenheit der Zuschauer am Unterhaltungsprodukt. Im Gegenteil: Die Stadien sind in dieser Saison im Schnitt zu 92 Prozent ausgelastet, die Zuschauerquoten bei Fernsehübertragungen erreichen Höchststände, das Merchandising brummt wie nie.

          Die überwiegende Mehrheit der Anhänger signalisiert damit, dass der Wachstumskurs der Bundesliga mit ihren Klubs genauso weitergehen soll. Das heißt: mehr Geld, mehr Umsatz - und vor allem mehr Leistung auf dem Platz. Woche für Woche wird Qualität vom Publikum erwartet.

          Es gehört gleichzeitig zur Folklore des Fußballs, dass eingefleischte Fans, übrigens eine Minderheit in jedem Stadion, zur Durchsetzung ihrer Interessen besonders lautstark, manchmal rabiat (zum Leid anderer Besucher und Polizisten) auftreten. Ihre Argumente werden dadurch nicht besser. Während Ultra-Gruppen auf den Rängen Siege und Titel mit Vehemenz einfordern, lehnen sie alles ab, was die Kommerzialisierung verbessert.

          Dabei ist sie notwendig, um die Ansprüche auch dieser besonders treuen Anhänger zu befriedigen. Dies gilt zum Beispiel für die Erweiterung des Spieltages auf den Montag, welche im Zuge des demnächst zu verhandelnden neuen Fernsehvertrages ab der Saison 2017/2018 kommen könnte. Die Vereinsbosse sind dem unternehmerischen Erfolg verpflichtet, gerade der Fans zuliebe. Fanliebe aber ist unergründlich - und oft inkonsequent.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          1:0 gegen Bremen : Dusel-Tor verhilft den Bayern zum Sieg

          Das Vorspiel zum DFB-Pokal-Halbfinale geht an die Münchner. Im Titelrennen der Bundesliga gelingt ihnen gegen dezimierte Bremer ein Arbeitssieg der zähesten Sorte. Ein Abwehrspieler wird zum goldenen Torschützen – mit Glück.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.