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Uli Hoeneß : Mit aller Macht nach oben

  • -Aktualisiert am

Die große Pose hat er immer beherrscht: Uli Hoeneß, der Profi Bild: Nanuk Film

Schon als Ulmer Junge war Uli Hoeneß ein ehrgeiziger Allesbesserkönner. Unser Autor begleitete den Aufstieg des Bayern-Präsidenten, der ab Montag vor Gericht steht.

          Die Frage, warum sich dieser Erfolgsverwöhnte, Moralapostel, Rechthaber, Freund-Feind-Denker und sentimentale Gutmensch über Nacht „in der Hölle“ sah, ist die Frage nach dem Preis, den er für seinen prägnantesten Charakterzug bezahlen muss: seinen Ehrgeiz. Nach eigenen Worten ein „hoffnungsloser Ehrgeiz“. Um ihn zu befriedigen, forderte Uli Hoeneß ein Leben lang das Recht auf Belohnung.

          Der Allesbesserkönner in der Zwangsjacke des Erfolgs, als Musterschüler, Fußballtalent, Profispieler, Manager - und Zocker. Der Glaube an die eigene Omnipotenz - ich bin der Mittelpunkt, ich kann alles - gehört bei Menschen wie Uli Hoeneß zur Grundausstattung ihres Lebensentwurfs. Wenn es schiefgehen sollte, dann sind sie Opfer und fordern Hilfe. 2013 war das Jahr des größtmöglichen sportlichen Erfolgs für den FC Bayern München. Und das Jahr der denkbar größten Niederlage für seinen Präsidenten. Supercup und Super-GAU innerhalb weniger Monate. An diesem Montag beginnt der Prozess gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

          Der Klassensprecher

          Gemeinsam mit seiner damaligen Jugendfreundin und späteren Ehefrau Susi schaffte er nicht nur Geldgeber für die Schülerzeitung ran, „bis die saniert war“. Mit Susi organisierte der umtriebige Klassensprecher, der ein wenig zum Jähzorn neigte, ein Schulfest fürs Ulmer Schubart-Gymnasium, an das sich die älteren Semester heute noch erinnern.

          Nationalspieler Uli Hoeneß: Sein Talente hießen Wille, Ehrgeiz, Fleiß

          Wie Uli damals bei der Bundeswehr ein Tarnnetz organisierte und damit den 600 Quadratmeter großen Schulhof überdachte, Biertische aufstellte, eine Band verpflichtete und nebenbei noch Würstchen aus der elterlichen Metzgerei unter die Leute brachte - das war, so wird Lehrer Steinle in Patrick Strassers Buch „Hier ist Hoeneß!“ zitiert, „für damalige Verhältnisse wirklich der Wahnsinn“. Eine glatte Eins. Hoeneß, setzen! Ein ungewöhnlicher Bursche also, der schon als Knabe kolossalen Ehrgeiz entwickelte. „Ich wollte schon immer vermeiden, ohne Ziel zu sein“, wird er Jahre später rückblickend sich selbst charakterisieren.

          Kino? Keine Zeit!

          Als der Junge ein paar Jahre älter war und wegen der besseren sportlichen Perspektiven zu Ulm 1846 wechselte, erkannte Uli Hoeneß seine Potentiale: Kraft und Schnelligkeit. Und so bat er seinen Vater, der jeden Morgen ab drei Uhr in der Wurstküche seiner Metzgerei am Ulmer Eselsberg stand, ihn künftig um Punkt sechs Uhr zu wecken. Während seine Mitschüler noch schliefen, rannte der Frühaufsteher bereits zum nahen Bolzplatz und drehte allein oder mit ein paar Kumpels nach eigenem Trainingsprogramm seine Runden. „Der Uli ist vielleicht immer zu viel im Wald rumgelaufen“, machte sich später Franz Beckenbauer über seinen Mitspieler lustig. Tatsächlich wurde aus Uli Hoeneß nie ein Vertreter höchster Fußballschule. Sein Talent hieß Wille, Ehrgeiz, Fleiß.

          Immerhin hat es Uli Hoeneß weit gebracht im Fußballerleben

          Mit glatten 11 Sekunden über 100 Meter wurde er einer der schnellsten Flügelstürmer weltweit. Dieses Ziel hatte Uli Hoeneß bereits mit 15 Jahren gegenüber einem Freund im Blick: „Schau, die anderen gehen jetzt ein Bier trinken, wir spielen eines Tages mit Beckenbauer und Müller.“ So kam es, zumindest für ihn. No alcohol, no disco, no fun. „Mein ganzes Leben ist ein einziger Stundenplan: Training, Schule, Spiele, Training, Schule. Dazu kein Tropfen Alkohol, keine Zigaretten, keine verbummelte Nacht. Das ist mein Leben. Wenn meine Klassenkameraden mit ihren Freundinnen ins Kino oder zum Baden gingen und ich einsam meine Runden drehte - da habe ich oft gedacht: Wofür eigentlich . . .? Ich habe nie das unbeschwerte Leben meiner gleichaltrigen Freunde gehabt. Ich weiß gar nicht, wie das ist, zum Beispiel Zeit zum Tanzen zu haben, für eine Diskothek, für ein Wochenende im Gebirge oder an der See.“

          Geschasste Edelfeder

          Am 4. November 1972, wenige Tage vor einem Länderspiel des frisch gekürten Europameisters gegen die Schweiz in Düsseldorf, lesen die Ulmer in ihrer Zeitung erstmals unter der Überschrift „Das meine ich“, was Uli Hoeneß zu sagen hat. Der Autor ist auch abgebildet, hinter der Schreibmaschine sitzend, den Kopf gedankenschwer aufgestützt. „Aus erster Hand und exklusiv“ wollte die „Donau-Zeitung“ ab sofort den jungen Helden zu Wort kommen lassen, denn: „Er kann ja nicht nur mit dem Ball umgehen.“

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