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Uli Hoeneß : „Löw wird auf Müller nicht verzichten“

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Uli Hoeneß geht fest von einer Rückkehr von Thomas Müller in die DFB-Elf aus. Bild: dpa

An diesem Montag erklärt sich der Bundestrainer erstmals seit dem 0:6 in Spanien. Wie tritt Joachim Löw auf? Uli Hoeneß ist sich derweil sicher, dass kein Weg an einem Comeback von Thomas Müller im DFB-Team vorbeiführt.

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          Uli Hoeneß rechnet fest mit einer Rückkehr von Thomas Müller in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. „Thomas ist in der Form, in der er jetzt ist, für jede Mannschaft ein Gewinn. Und ich bin überzeugt, dass er bei den Diskussionen, die wir zur Zeit haben, sicherlich einer derjenigen ist, auf die Jogi Löw im Frühjahr, wenn es so bleibt, nicht verzichten wird“, sagte Hoeneß in der Sendung „Blickpunkt Sport“ im BR Fernsehen.

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          Müller führte den FC Bayern in diesem Jahr zum Triple und glänzt auch kurz vor der Winterpause. Der 100-malige Nationalspieler war wie sein Teamkollege Jérôme Boateng und der Dortmunder Mats Hummels im Frühjahr 2019 von Bundestrainer Joachim Löw im Zuge eines Neuaufbaus im Nationalteam aussortiert worden. Seitdem gibt es ständige Diskussionen um die Rückkehr des Trios – erst recht nach dem 0:6 von Deutschland gegen Spanien. Müller selbst hatte am Wochenende nach dem 3:3 gegen Leipzig, als er als zweimaliger Torschütze auftrat, erklärt, dass das Thema Nationalelf für ihn in der aktuellen Saisonphase „ganz weit weg“ sei.

          Müller verteidigte am Samstag mit dem FC Bayern erfolgreich die Tabellenspitze. Nach Ansicht von Club-Ehrenpräsident Hoeneß wird der Serienchampion dort auch am Ende der Saison stehen. „Ich hoffe doch, dass die Meisterschaft dieses Jahr nicht so spannend wird“, sagte Hoeneß und verwies auf den Vorsprung auf Leipzig (2 Punkte) und Dortmund (4 Zähler). Erster Münchner Verfolger ist aktuell Leverkusen, das einen Punkt weniger auf dem Konto hat. „Ich habe nach wie vor die Überzeugung, dass wir – es müssen ja nicht zehn Punkte sein – aber zwei, drei, vier Punkte werden wir am Ende schon vorne sein“, sagte der 68-jährige Hoeneß.

          Löw hatte bislang mehrfach signalisiert, an seinem bisherigen Plänen ohne Müller festhalten zu wollen. Nun wird der Bundestrainer öffentlich sprechen. Und die Themen bei der ersten Pressekonferenz mit Löw seit knapp drei Wochen an diesem Montag (16.00 Uhr) liegen auf der Hand: Nochmals das desolate 0:6 in Spanien, die Aussichten für die EM 2021, die Perspektive der umgebauten Mannschaft darüber hinaus. Und natürlich sein bisheriger Kurs ohne diefrüheren Weltmeister Müller, Boateng und  Hummels. Löw wird sicher auch nach seinen Gedanken und Gefühlen in den Wochen der massiven öffentlichen Kritik gefragt werden.

          Spannend wird sein, wie sich Löw gibt. „So, wie er sich zur Zeit verhält, war er auch gegen Spanien auf der Bank: Sehr ruhig, zurückhaltend“, sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky. „Er ist emotional nicht mehr der Jogi Löw von früher.“ Eher sachlich, analytisch. Nicht unbedingt mitreißend. Dass Löw aber auch anders kann, hatte er zuletzt Mitte März mitten in der ersten Welle der Corona-Pandemie bewiesen. Da war der nahbare, emotionale Löw.

          Im Interview der „Bild“ bekräftigte Matthäus seine Kritik. Er könne nicht verstehen, warum der Bundestrainer im Gegensatz zu U-21-Coach Stefan Kuntz nicht ins Stadion gehe. „Wieso ist das für Löw beim Spitzenspiel Bayern gegen Leipzig nicht zu schaffen?“, fragte der 59-Jährige. Klub-Verantwortliche seien auch dort gewesen, ohne einem größeren Corona-Risiko ausgesetzt gewesen zu sein. „Meine Meinung: Löw versteckt sich“, sagte Matthäus.

          Der für die Nationalmannschaften zuständige DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der statt Löw am Freitag die lange Analyse der sportlichen Leitung vorgestellt hatte, berichtete, er habe einen „nachdenklichen“ Löw gehört, als dieser am vergangenen Montag vor der DFB-Spitze um weiteres Vertrauen in seine Arbeit geworben hatte. „Es ist heftig gewesen, was diese Tage passiert ist“, sagte Bierhoff. „Er kann das aber auch schlucken. Die äußerliche Kritik tut natürlich weh, haut aber in dem Sinne nicht um. Viel mehr hat man Wut bei ihm gesehen.“

          Löw will weitermachen, er wird erklären, warum. Bierhoff sprach von „16 Jahren Erfolgsgeschichte des Trainers“. Löw war 2004 vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Assistentscoach zum DFB geholt worden. „Bis auf 2018 hat er das Team bei Turnieren immer unter die ersten Vier geführt, war 2014 Weltmeister und 2017 Confed-Cup-Sieger“, sagte Bierhoff.

          Große Begeisterung hat die Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten aber nicht ausgelöst, teilweise bedingt durch die Corona-Krise. Löw hat seinen Kurs immer wieder verteidigt. Und es ist höchst unwahrscheinlich, dass er es an diesem Montag plötzlich anders macht. „Es ist vermessen zu sagen, wir machen einen Umbruch und sofort funktioniert wieder alles“, sagte Bierhoff.

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