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Uli Hoeneß : Der Doppelsieger von Wembley

Ergriffen vor Glück: Uli Hoeneß erhält die Hand der Kanzlerin Bild: REUTERS

Für Uli Hoeneß gibt es als Zugabe zum Henkelpott den Handschlag der Kanzlerin. Aus sportlicher Sicht erweist sich der Umgang mit der Steueraffäre als richtig - aber heiligt der Erfolg die Mittel?

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          Konnte man an diesem Abend mehr gewinnen als die Champions League? Einer konnte. Für Uli Hoeneß hielt der bayerische Festtag auf englischem Boden eine Art persönliches Double bereit. Als Präsident und Aufsichtratschef des FC Bayern durfte er sich mit der Mannschaft und dem ganzen Verein über einen großen Sieg in einem großartigen Fußballspiel freuen.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Für den Privatmann und selbsterklärten Steuersünder Hoeneß gab es noch eine kleine Zugabe: Der Handshake mit der Kanzlerin auf der Ehrentribüne des Wembley-Stadions wirkte, dokumentiert und weltweit verbreitet von den Fernsehkameras, wie die Handreichung für einen Gefallenen.

          Und das von allerhöchster Stelle. Noch vor wenigen Wochen hatte Angela Merkel über ihren Sprecher ausrichten lassen, wie „enttäuscht“ sie von Hoeneß sei, nachdem der vermeintlich über alle Zweifel erhabene Saubermann sich als Schummler von Rang in Steuerangelegenheiten geoutet hatte.

          Danach hatte Hoeneß in seinem rührseligen Büßer-Interview in der „Zeit“ davon gesprochen, wie gern er der Kanzlerin, die sich in der Vergangenheit immer mal wieder Rat bei ihm geholt hatte, erklären würde, wie diese ganze dumme Geschichte über ihn hereingebrochen sei. Und nun diese wunderbare Geste, diese wunderbaren Bilder. Hoeneß selbst wirkte im wahrsten Sinne des Wortes ergriffen.

          Später bekommt er den ersehnten Henkelpott in die Hand
          Später bekommt er den ersehnten Henkelpott in die Hand : Bild: AFP

          Als Fernsehzuschauer allerdings war man allein gelassen mit der Frage, ob der Handschlag auf größter Bühne nun eine versöhnliche Botschaft offiziös in Szene setzen sollte. Oder ob es eine weitgehend zweckfreie Begrüßung unter alten Bekannten war. Für ersteres sprechen die Gesetze der Politik und ihrer medialen Inszenierung. Wer will da schon an Zufälle glauben? Andererseits hätte Frau Merkel ihm auch schlecht nicht die Hand geben können. Das wäre dann erst recht als Botschaft verstanden worden - und zwar als ziemlich deftige.

          Womit wir ziemlich genau beim Problem wären. Musste es wirklich sein, dass Hoeneß in London auf der Tribüne saß? Genau so, wie er in den vergangenen Wochen seine öffentliche Rolle beinahe so spielte, als wäre nichts gewesen? Oder wäre es nicht ein viel größeres Zeichen von Demut und auch Respekt vor dem Amt gewesen, sich für die Dauer der Ermittlungen erst einmal zurückzuhalten?

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          Der FC Bayern und sein Aufsichtsrat haben diese Frage für sich eindeutig beantwortet, indem sie Hoeneß’ Rückzugsangebot ablehnten und sich auch danach demonstrativ hinter ihn stellten: Gute Freude kann niemand trennen. Aus sportlicher Sicht kann man im Nachhinein sagen: alles richtig gemacht.

          So wie VW-Chef und Bayern-Aufsichtsrat Martin Winterkorn das in der „Bild am Sonntag“ tat: „Vor den wichtigen Endspielen (...) wäre es falsch gewesen, noch mehr Unruhe in den Verein hereinzutragen. Wir haben das nach meiner Überzeugung richtig entschieden.“ Man könnte aber genauso gut auch sagen: Der Erfolg heiligt die Mittel.

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          Als die Spieler ihm nach vollbrachtem Werk die Champions-League-Trophäe reichten, skandierte das Bayern-Volk auf den Tribünen „Uli, Uli“, und Hoeneß wirkte ein wenig verlegen, als er den Pott für ein paar Augenblicke entgegennahm. „Das ist nicht mein Titel, sondern der des FC Bayern“, sagte er. Authentisch zurückgenommen oder doch nur Teil der großen Reue-Show? Aus der Ferne ließ sich das nicht sagen. Vielleicht weiß ja Angela Merkel mehr.

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