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UI-Cup : Die Versöhnung mit den Fans fällt aus

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Die Voraussetzungen für eine Versöhnungsfeier waren einfach zu günstig. Die Schalker hätten sich im zweiten Finalspiel des UI-Cups nur halbwegs anstrengen müssen - haben sie aber nicht.

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          Die Voraussetzungen für eine Versöhnungsfeier waren einfach zu günstig. Hätten die Fußballprofis des FC Schalke 04 sich im zweiten Finalspiel des UI-Cups auch nur halbwegs angestrengt oder wenigstens den Tagessieg errungen - die Fans hätten ihnen am Dienstag abend gern Absolution erteilt für die vielen Enttäuschungen der vergangenen Saison. Aber die Profis machten es sich zu einfach. Mit einem 0:0 gegen den österreichischen Dorfklub SV Pasching erreichten sie zwar einen Platz im UEFA-Pokal, versäumten es aber, die Herzen ihrer Anhänger zurückzuerobern. Nach dem 2:0 im Hinspiel ging es praktisch um nichts mehr, also taten die Schalker auch nichts mehr.

          Der Stadionsprecher versuchte mit Worten zu retten, was mangels Taten an diesem Abend nicht mehr zu retten war. "Freunde, denkt daran, daß die königsblaue Mannschaft hier schon einige vernünftige Spiele abgeliefert hat." Doch die "Freunde" wollten nicht an die knappen Siege über internationale Größen wie Dacia Chisinau und Slovan Liberec denken, und sie wollten sich auch nicht daran erfreuen, daß die Schalker Spieler von Abgesandten der Europäischen Fußball-Union als einer von drei Gewinnern des sommerlichen Pausenfüllers namens Intertoto Cup geehrt wurden. Die Einheimischen zogen es vor zu pfeifen und zu schimpfen - oder so schnell wie möglich die Arena zu verlassen. Beifall bekamen nur die wackeren Kicker aus Pasching, die am Ende von einer großen Mehrheit der 56000 Zuschauer gefeiert wurden, als wären sie die Sieger. Fast das ganze Stadion zelebrierte mit ihnen La ola.

          Schalkes Cheftrainer Jupp Heynckes gab den wütenden Anhängern recht. Das Spiel sei "über weite Strecken sicher sehr qualvoll gewesen", sagte er. "Ich kann die Pfiffe, den Unmut, den Ärger gut verstehen, auch wenn wir das Ziel erreicht haben, das die Mannschaft in der letzten Saison verfehlt hat." Spätestens an diesem lauen Abend dürfte dem Fußball-Lehrer von Welt gedämmert haben, was er sich für eine Last aufgeladen hat. Heynckes hatte erwartet, daß seine Mannschaft "eine Reaktion" auf die zuletzt schwachen Leistungen in der Bundesliga zeigen würde. Doch das kickende Personal scherte sich nicht darum. Nun hofft der Trainer auf seinen spanischen Lieblingsstürmer Fernando Morientes, dessen aktueller Arbeitgeber Real Madrid einem Transfer ins Ruhrgebiet aufgeschlossen gegenübersteht.

          Morientes zögert jedoch. Offenbar nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Seine Frau Victoria hat vor kurzem erst einen Wechsel nach Tottenham verhindert, weil sie sich ein Leben in England nicht vorstellen könne. Bei einem Umzug nach Gelsenkirchen wäre der Kulturschock vermutlich nicht geringer. Nicht nur Spötter fragten sich am späten Abend, ob Morientes über Satellit im österreichischen Fernsehen verfolgt hat, wie kläglich der FC Schalke gespielt hat. Deutsche Sender waren an den Rechten nicht interessiert - eine Sparmaßnahme ganz im Sinne der Zuschauer. Neben Morientes ist auch der finnische Nationalspieler Mikael Forssell bei Schalke im Gespräch. Der zuletzt nach Mönchengladbach ausgeliehene Stürmer wurde den Westfalen am Dienstag nachmittag angeboten.

          Manager Rudi Assauer wollte sich zu einem möglichen Transfer nicht äußern. "Wenn wir doch noch jemanden verpflichten, melden wir uns rechtzeitig", sagte er. Und fügte einen Satz hinzu, der den Verdruß aus der vorherigen Saison so aktuell macht wie zuvor das klägliche Fußballspiel. "Es ist auch gut möglich, daß wir jemanden vorzeitig rauswerfen." Der Tag der Versöhnung ist ausgefallen.

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