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Fifa-Präsidentenamt : Uefa glaubt nicht mehr an Platini

  • Aktualisiert am

Uefa-Präsident Michel Platini ist suspendiert – und verliert den Rückhalt. Bild: dpa

Die Europäische Fußball-Union lässt den eigenen Präsidenten fallen. Bei der Wahl zum Nachfolger von Fifa-Präsident Joseph Blatter unterstützt die Uefa Generalsekretär Gianni Infantino – und nicht Michel Platini.

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          Michel Platini hat bei seiner Kandidatur zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes (Fifa) die Unterstützung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) offenbar verloren – also des Kontinentalverbandes, als deren Präsident er trotz seiner Suspendierung immer noch geführt wird. Der 60 Jahre alte Franzose kommt zwar in einer Uefa-Pressemitteilung vom Montag nicht namentlich vor.

          Doch wird darin deutlich gemacht, dass die Uefa nun ihren Generalsekretär Gianni Infantino für Europa ins Rennen um die Fifa-Präsidentschaft schickt. Dies habe die Uefa-Exekutive einstimmig beschlossen. Das Führungsgremium tagte im Rahmen einer Telefonkonferenz.

          Es habe vorher Gespräche innerhalb Europas, aber auch mit Nationalverbänden „quer durch die globale Fußball-Gemeinschaft“ gegeben. Die fünf Empfehlungsschreiben von nationalen Verbänden, die für eine Kandidatur nötig sind, werde Infantino einreichen, heißt es weiter. „Und er weiß, dass er unsere volle Unterstützung hat.“ Der Fifa-Wahlkongress findet am 26. Februar in Zürich statt.

          Bisher war Platini der einzige europäische Kandidat gewesen – die Bewerbungsfrist läuft bis Montag um Mitternacht. Der Franzose hatte seine Bewerbung noch kurz vor seiner Suspendierung durch die Fifa-Ethik-Kommission eingereicht. Gegen Platini läuft ein Verfahren wegen Korruptionsverdachts. Die Fifa hatte klar gemacht, dass die nötige Leumundsprüfung in einem Fall wie dem seinen bis zum Ende der Suspendierung oder des Verfahrens aufgeschoben werden könnte. Im Fall seiner Verurteilung wäre die Uefa ohne Kandidat dagestanden. Ein Einspruch Platinis bei der Fifa-Ethik-Kommission gegen die Suspendierung ist bereits gescheitert. Ein von Platini gefordertes Berufungsverfahren läuft.

          Wird er neuer Fifa-Präsident? Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino.

          Der 45 Jahre alte Rechtsanwalt Infantino vertrete, so die Uefa, „seit langem die Notwendigkeit von Veränderung und Neuentwicklung bei der Fifa.“ Er ist Mitglied der vom inzwischen ebenfalls suspendierten Fifa-Präsidenten Joseph Blatter eingesetzten Reformkommission. Die Uefa hatte sich bisher allerdings eher damit hervorgetan, dass sie dringend notwendige Fifa-Reformen bremste.

          Neben Infantino meldeten der asiatische Kontinentalverbands-Chef Scheich Salman bin Ibrahim al Khalifa (Bahrein) und Musa Bility (Liberia) ihre Anwartschaft auf das höchste Fifa-Amt an. Die Absichten des von Menschenrechtlern scharf kritisierten Scheichs Salman verbreitete die staatliche bahreinische Nachrichtenagentur BNA. Der offizielle Schritt stand aber zunächst noch aus.

          Am 26. Februar 2016 wird ein Nachfolger für Joseph Blatter gesucht.

          Der liberische Verbandspräsident Bility erklärte zudem, er habe die notwendigen Empfehlungen von fünf Mitgliedsverbänden dem Weltverband übergeben. „Ich bin ein sehr glücklicher Mann“, sagte Bility BBC Sport. Bis Montag um Mitternacht können Bewerber ihre offizielle Kandidatur einreichen.

          Bereits früher hatten der zuletzt Blatter unterlegene Prinz Ali bin al Hussein aus Jordanien, der frühere Fußballprofi David Nakhid aus Trinidad und Tobago, der ehemalige Fifa-Generalsekretär Jérôme Champagne und der Südafrikaner Tokyo Sexwale ihre Kandidatur um die Nachfolge von Joseph Blatter angekündigt. Eine Bewerbung von Michel Zen-Ruffinen, des ehemaligen Fifa-Generalsekretärs, wurde ebenfalls für möglich gehalten.

          Nach seiner Sperre durch die Fifa-Ethikkommission stieg der Südkoreaner Chung Mong Joon indes endgültig aus dem Rennen aus. Auf seinem gerade erst eröffneten Blog „mjfairplay.com“ warf der frühere
          Fifa-Vizepräsident den Ethikhütern am Montag ungerechte Sanktionen vor. Die Untersuchungen gegen ihn seien Schikane, er selbst sei ein Opfer. Daher sei „jetzt die Zeit gekommen, meine Kandidatur für den nächsten Fifa-Präsidenten offiziell zurückzuziehen“, schreibt der Industriellensohn.

          Chung ist für sechs Jahre gesperrt worden. Die Ermittlungen waren im Januar 2015 eröffnet worden, ihm werden Verstöße gegen vier Artikel des Fifa-Ethikcodes im Zusammenhang mit Südkoreas gescheiterter Bewerbung um die WM 2022 zur Last gelegt. Der Südkoreaner kündigte in seinem Blog an, sich weiter für Veränderungen beim Weltverband einzusetzen. „Als jemand, der Fußball liebt, werde ich weiter offen über die Probleme der Fifa reden“, schreibt er.

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          Gianni Infantino: Multilingualer Anwalt mit Hang zum Fußball

          Name: Gianni Infantino

          Geburtstag: 23. März 1970

          Geburtsort: Brig, Schweiz

          Beruf: Rechtsanwalt. Vor seiner Zeit bei der Uefa arbeitete Infantino unter anderem als Generalsekretär des internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES). Für die Uefa arbeitet er seit 2000.

          Zur Person: Infantino ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Der Italo-Schweizer spricht Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Spanisch und Arabisch. Der breiten Öffentlichkeit ist er vor allem durch seine Auftritte bei den im Fernsehen übertragenen Auslosungen von Champions-League-Partien bekannt.

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