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Turnier in Deutschland : EM 2024 als Hoffnung auf den großen Ruck

  • -Aktualisiert am

And the winner is ... Germany: Uefa-Präsident Ceferin bei der Verkündung. Bild: AFP

Statt überschwänglicher Emotionen gibt es nur Erleichterung. Das klare Votum für Deutschland bei der EM-Vergabe löst noch lange nicht die Probleme des deutschen Fußballs. Die DFB-Spitze steht weiter unter Druck.

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          Keine Freudetränen, kein lauter Jubel, keine Luftsprünge, keine überschwänglichen Emotionen: Reinhard Grindel hob die Faust. So löste sich seine Anspannung in diesem Moment. Dann umarmte er Philipp Lahm. Große Siegergesten der deutschen Delegation blieben aus. Vielmehr herrschte eher Erleichterung auf deutscher Seite – und auch unter den prominenten Unterstützern wie Joachim Löw, Karl-Heinz Rummenigge oder Rudi Völler, welche für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in den weiteren Reihen des Konferenzsaals Platz genommen hatten. „Es ist schön, dass wir einen solch guten Tag erleben für die Profis und Amateure in Deutschland. Ich bedanke mich für das unglaubliche Vertrauen des Uefa-Exekutivkomitees“, sagte DFB-Chef Grindel dann auf dem Podium. Er wirkte nervös, noch verkrampft. Man werde sofort beginnen, um als EM-Ausrichter den Erwartungen des europäischen Fußballverbandes (Uefa) gerecht zu werden.

          Der DFB hat am Donnerstag im schweizerischen Nyon den Zuschlag als Ausrichter für die Europameisterschaft im Jahr 2024 erhalten. Als Favorit erreichte die Bewerbung der Deutschen in der geheimen Wahl im Uefa-Exekutivkomitee mit 12:4 Stimmen gegen den Mitbewerber Türkei einen deutlichen Sieg. Ein Wahlzettel war offenbar ungültig. Damit richtet der DFB das Turnier zum zweiten Mal nach 1988 aus. In den Jahren 1974 und 2006 war Deutschland Gastgeber einer Weltmeisterschaft. Die Türkei scheiterte in ihren Bemühungen um eine EM-Endrunde nun zum vierten Mal (2008, 2012, 2016, 2024). Die Entscheidung fiel am Uefa-Stammsitz am Genfer See. „Wir wollen jetzt gemeinsam in Deutschland ein Riesenfest feiern“, sagte Lahm, Weltmeisterkapitän, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft und EM-Botschafter des DFB. Er soll eine zentrale Rolle an der Spitze des Organisationskomitees für 2024 spielen.

          Die Wahl war ein brisantes Aufeinandertreffen beider Verbände und Bewerberteams – nicht nur aufgrund der politischen Situation. Der krachende Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft und seine umstrittenen Bilder vor der WM in Russland mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan befeuerten zeitweise das Duell um die EM-Vergabe. Während sich die türkische Fußballhoffnung in Nyon wieder einmal in Luft auflöste, begann Erdogan in Berlin seinen Deutschland-Besuch. Die türkische Delegation reagierte enttäuscht und verschwand umgehend von der Bildfläche des Uefa-Gebäudes. Der anwesende türkische Sportminister Mehmet Kasapoglu sagte nur: „Dass die Uefa trotz all unserer Stärken die Europameisterschaft nicht an unser Land vergeben hat, ist eine traurige Situation.“

          Welcher der 17 stimmberechtigten Funktionäre für wen abstimmte, wurde nicht bekanntgegeben. Auch Uefa-Präsident Aleksander Ceferin wollte später nicht sagen, für wen er votierte. Nur so viel: „Das war eine demokratische Entscheidung und damit eine richtige Entscheidung. Ich freue mich auf ein tolles Turnier“, sagte der Slowene.

          Vieles deutet darauf hin, dass die Uefa mit ihrer Entscheidung pro Deutschland und die größte Volkswirtschaft Europas vor allem wirtschaftliche Stabilität, größtmögliche Vermarktungschancen und organisatorische Routine angepeilt hat. Die Türkei rutscht derzeit in eine tiefe Wirtschaftskrise. Die Währung verfällt. Erdogan führt ein autokratisches Regime. Für die Uefa ist das EM-Turnier zusammen mit der Champions League die wichtigste Ertragsquelle. Die EM in Frankreich 2016 brachte dem europäischen Verband einen Gewinn von 830 Millionen Euro.

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