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Uefa-Pokal : „Wir sind nicht betandwin, sondern FC-Bayern-win“

  • -Aktualisiert am

Nur Oliver Kahn hat schon mit dem FC Bayern im Uefa-Pokal gespielt Bild: dpa

Der FC Bayern, sonst Dauergast in der Champions League, musste den Fehlstart der deutschen Mannschaften vor dem Bildschirm miterleben. Nun wollen die Münchner aus dem Intermezzo Uefa-Pokal das Beste machen.

          Es geht nichts über einen gemütlichen Fußballabend auf der Couch. Uli Hoeneß ist nun endlich einmal wieder zwei Tage nacheinander in den Genuss gekommen, die besten Klubs von Europa am Fernsehschirm zu sehen. Freilich hätte der Manager des FC Bayern München darauf gerne verzichtet, wäre lieber mit seiner Mannschaft selbst involviert gewesen in die Champions League, unterwegs in Madrid oder Mailand statt nur Beobachter.

          Es sei schon Wehmut dabei, gibt er zu, „aber wir haben uns die Suppe selbst eingebrockt, da brauchen wir jetzt nicht zu lamentieren“. Vielleicht hilft dem Manager ja die Aussicht auf einen netten Wetterlös, die Champions-League-freie Zeit erträglicher zu gestalten. Seit geraumer Zeit gebe es eine kleine Tipprunde im Verein, verriet der Manager. „Wir sind nicht betandwin, sondern FC-Bayern-win.“ Bei zwanzig Euro Einsatz ist der im Idealfall zu erwartende Gewinn aber für den beruflich mit Millionen-Beträgen jonglierenden Hoeneß eher bescheiden.

          „Das ist mehr als Champions-League-Standard“

          Ähnlich ergeht es dem FC Bayern zunächst im Uefa-Cup, jenem Wettbewerb, in dem der deutsche Rekordmeister in diesem Jahr nach Rang vier in der abgelaufenen Bundesligasaison starten muss und zum Auftakt am Donnerstag in der Allianz Arena die international weithin unbekannte Mannschaft von Belenenses Lissabon empfängt. Die Bayern haben zwar einen für Uefa-Cup-Verhältnisse ganz ordentlichen Fernsehvertrag ausgehandelt mit Pro7 - der Sender erwarb die Rechte für maximal fünf Heimspiele -, aber die Einnahmen sind natürlich nicht zu vergleichen mit jenen in der Champions League.

          Immerhin werden die Fernsehbilder in 118 Ländern ausgestrahlt, „von Asien bis in die Karibik“, wie Mediendirektor Markus Hörwick erklärte. „Das ist mehr als Champions-League-Standard“ - und zeigt, dass die Bayern womöglich selbst im zweitklassigen Uefa-Pokal international mehr Interesse wecken als die drei Bundesliga-Konkurrenten bei ihren Auftritten in der Königsklasse.

          Nur Kahn war beim letzten Uefa-Pokal-Spiel dabei

          Es sei schon ein wenig ungewohnt, nicht in der Champions League zu spielen, gibt Bastian Schweinsteiger zu. Man habe es plötzlich mit Mannschaften zu tun, „die keiner kennt, und jeder denkt, dass man die 4:0, 5:0 schlagen muss“. Das Videostudium von Belenenses Lissabon, dem derzeit Neunten der portugiesischen Superliga, wird vermutlich genauer und länger ausgefallen sein, als wenn der Gegner Milan oder Real Madrid heißen würde.

          Schweinsteiger kennt in seiner noch jungen Karriere auf europäischer Vereinsebene nichts anderes als die Königsklasse, es fällt ihm deshalb noch etwas schwer, sich auf den neuen Wettbewerb einzustellen. „Es ist ja auch ein internationales Spiel, da ist man schon motiviert“, sagt er, aber ganz überzeugend klingt es nicht. Der Einzige aus der aktuellen Bayern-Mannschaft, der beim letzten Uefa-Cup-Gastspiel der Münchner vor elf Jahren dabei war, ist Torhüter Oliver Kahn.

          Neuzugang Toni hat noch nie Königsklasse gespielt

          Es lohnt sich aber nicht für den Kapitän, sich mit diesem Auftritt länger zu beschäftigen. Als Titelverteidiger waren die Bayern damals in der ersten Runde vom FC Valencia vorgeführt worden, nach einem 0:3-Debakel in Spanien reichte es im Rückspiel nur noch zu einem 1:0-Sieg. Danach haben sich die Münchner mit diesem Cup nicht mehr groß beschäftigt - als Dauergast im Zirkel der Besten.

          Vielleicht ist es ganz gut, dass in der Mannschaft nicht alle derart verwöhnt sind von der Champions League, vor allem nicht die Stareinkäufe, und deshalb den Uefa-Pokal keineswegs als Höchststrafe empfinden. Luca Toni, der Weltmeister aus Italien, zum Beispiel hat mit seinen 30 Jahren noch kein einziges Spiel in einem europäischen Vereinswettbewerb bestritten.

          „Nächstes Jahr sind wir wieder als Akteur dabei“

          Für ihn beginnt deshalb „ein wichtiges Abenteuer“, und schon deshalb wird er die Zähne zusammenbeißen und die Schmerzen seiner noch immer nicht ganz ausgeheilten Oberschenkelzerrung gegen Lissabon noch einmal ertragen. Auch Franck Ribéry wird nicht unter Entzugserscheinungen leiden, denn auch der Franzose kennt die Champions League nur als Zuschauer, ebenso wie Marcell Jansen, für den bei seinem früheren Verein Borussia Mönchengladbach der Abstiegskampf die bisher größte Herausforderung gewesen war.

          Der europäisch erfahrene Miroslav Klose hingegen darf erst einmal nicht mitspielen, er sitzt noch eine Sperre ab. Für Hoeneß ist das Tingeln durch die europäische Fußballprovinz aber nur ein „einjähriges Intermezzo. Nächstes Jahr sind wir wieder als Akteur dabei in der Champions League.“ Dann werden die Fußball-Abende auf der Couch dienstags und mittwochs wieder seltener.

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