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Uefa-Pokal: AC Mailand in Bremen : Vor dem Abschied von Hollywood

  • -Aktualisiert am

Erst in Bremen - und dann weiter in Mailand? Mit LA Galaxy soll am Freitag über David Beckhams Verbleib verhandelt werden Bild: ddp

Mit David Beckham an Bord ist der AC Mailand zum Uefa-Pokalspiel nach Bremen gereist. Der Brite soll nun doch dauerhaft in der lombardischen Kapitale bleiben. Gegen Werder sehen sich die Italiener als Favoriten, obwohl Kakà fehlt.

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          Beim Abflug nach Bremen zum Hinspiel der Runde der letzten 32 im Uefa-Pokal (20.35 Uhr im ZDF sowie im FAZ.NET-Europa-League-Liveticker) waren die Verantwortlichen des AC Mailand mit den Gedanken noch bei der vorangegangenen Begegnung. Milan verlor das Derby gegen den Lokalrivalen Inter 1:2, hat nun als Tabellendritter elf Punkte Rückstand auf den Lokalrivalen und Spitzenreiter und kann den Titelgewinn damit wohl abschreiben.

          Für Adriano Galliani war der harte Schlag gegen die eigenen Ambitionen Grund genug für einen Blick zurück im Zorn. „Eigentlich muss man nach Niederlagen schweigen“, verlautbarte der mächtige Fußballmanager, „aber diesmal gibt es genug Grund zur Verbitterung.“ Und Galliani zählte die strittigen Entscheidungen auf, über die Italiens Tifosi seit dem Derby am Sonntagabend endlos diskutieren: Wurde der Siegtreffer von Adriano nicht mit der Hand erzielt? Hätte es nach einem Foul gegen Inzaghi nicht Elfmeter für den AC Mailand geben müssen?

          Siege im Uefa-Pokal sollen die Fans beruhigen

          Nach der ungerecht empfundenen Niederlage im Derby-Punktspiel folgt nun der Ernstfall einer K.-o.-Runde, in der die Mailänder auf einen ebenfalls angeschlagenen Gegner treffen. Denn nicht nur für die Bremer geht es vorrangig darum, in der Bundesliga nicht irgendeinen internationalen Wettbewerb zu erreichen. Milan-Trainer Carlo Ancelotti stieß ins gleiche Horn: „Der Uefa-Pokal ist zwar wichtig, aber entscheidend ist die Qualifikation für die Champions League.“

          Beckhams Boss: Adriano Galliani (r.) will den Engländer unbedingt in Mailand halten
          Beckhams Boss: Adriano Galliani (r.) will den Engländer unbedingt in Mailand halten : Bild: AP

          Deshalb ist freilich nicht zu erwarten, dass sich die Mailänder in Bremen schonen, um ihre Verfolger in der Serie A abzuhängen. Im Gegenteil. Weil wohl auch im vierten Jahr nacheinander der „Scudetto“ an Inter Mailand gehen wird, soll der Sieg im Uefa-Pokal die anspruchsvollen Fans beruhigen.

          Kakà kommt nicht, Pato von Beginn an

          Für diese hehren Ziele hatte man in der Winterpause David Beckham aus Los Angeles geholt; sein Mailänder Wintertrip soll nun in einen langfristigen Vertrag umgewandelt werden. Während Beckham nach einer leichten Schienbeinverletzung gegen Bremen wohl wieder auflaufen wird, müssen seine Anwälte Schwerstarbeit leisten, damit er aus seinem kalifornischen Vertrag vorzeitig aussteigen kann: Am Freitag, raunte Galliani vielsagend, sei der entscheidende Tag im Ablösepoker. Dass Beckham, der nicht nach Amerika zurückwill und sogar zu gehörigen Einbußen beim Gehalt bereit ist, in Mailand bleiben wird, bezweifeln nur noch rabenschwarze Pessimisten.

          Seinen kongenialen Partner im stürmischen Mittelfeld, den Brasilianer Kakà, wird der Engländer in Bremen indes vermissen. Der Jungstar, der im Winter einen heißen Flirt mit Manchester City abbrach, um dann doch in Mailand zu bleiben, hat in der Serie A beim 1:1 gegen Reggina einen Schlag auf den linken Fuß abbekommen und fällt weiterhin aus. In Bremen dürfte für ihn von Beginn an Pato dabei sein, der sich als Teenagerstar des brasilianischen Fußballs im Mailänder Altherrenensemble durchzusetzen versucht.

          Inzaghi und die anderen Fußball-Opas

          Pato, ein Lieblingskind des Vereinspatrons und Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, bewegt sich schnell und hat eine hervorragende Schusstechnik. Doch ist er einstweilen nur Ergänzungsspieler. Allein schon Patos behutsamer Werdegang zeigt den Klassenunterschied zu Werder, wo alles von der Gesundheit und Spiellaune des hanseatischen Brasilianers Diego abhängt, der an der Weser selten geschont werden kann.

          Überraschenderweise hat Trainer Ancelotti jetzt bereits angekündigt, wie im Derby so auch gegen Bremen den 35 Jahre alten Veteranen Filippo Inzaghi im Angriff einzusetzen. Das Strafraum-Schlitzohr, das mit 63 Treffern die Nummer eins unter den Europapokal-Torschützen ist, kann offenbar immer noch den kritischen Trainerstab überzeugen – nicht anders als andere Fußball-Opas wie Seedorf oder Maldini, die in Mailand ihren dritten oder vierten Frühling erleben.

          Werder ist nicht mehr als ein Außenseiter

          Das Spiel gegen die kriselnden Bremer nehmen die Mailänder keineswegs auf die leichte Schulter. „Werder ist heimstark“, mahnte Carlo Ancelotti, „und greift kollektiv an.“ Ein Erfolg, womöglich schon in Bremen, wird von Ancelotti nicht nur hinter vorgehaltener Hand als eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Endspiel im Uefa-Pokal betrachtet. Denn von der aktuellen Form wie vom Format des Kaders ist Werder gegen den vielfachen europäischen Champion nicht mehr als ein Außenseiter.

          Und so ruhen die Hoffnungen der Bremer auf ihr sprichwörtliches „Wunder von der Weser“ diesmal wohl weniger auf der eigenen Stärke, sondern auf der Irritation des Gegners, der am Wochenende seine Grenzen schmerzlich aufgezeigt bekam. Allerdings sollten die Männer von Trainer Thomas Schaaf nicht allzu sehr darauf setzen, dass die Mailänder noch immer ihre Wunden aus dem Derby lecken. Wie hatte Manager Galliani beim Abflug gen Bremen gesagt? „Nach einer Niederlage muss man schweigen.“ Er sah dabei nicht so aus, als wollte er auch aus Bremen ohne Worte zurückkehren.

          Der Uefa-Cup-Abend mit insgesamt vier deutschen Spielen im Überblick: Deutsche Teams im Uefa-Pokal: Das Pflaster heißt Mailand.

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