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Uefa-Nationenliga : Endless Football

Immer weiter, immer weiter: Der Fußball macht in Zukunft auch im Sommer keine Pause mehr Bild: dpa

In diesen Winter heißt es Abschied nehmen: Die endlosen Sommer ohne Fußball gehen dahin. Die internationalen Verbände füllen in Zukunft auch den letzten freien Platz im prall gefüllten Fußballkalender aus.

          In den knallbunten Jahresrückblicken, die in diesen trüben Tagen das Publikum noch einmal zurück in die schönsten und sonnigsten Wochen des Jahres führen, wimmelt es nur so von fröhlichen Jogis und Schweinis und Miros, die den deutschen Fußball und seine Fans in Brasilien so reichlich beschenkt haben. Im neuen Jahr darf dann ein deutscher Torwart sogar davon träumen, ein besserer Fußballer als Ronaldo und Messi zu sein, der beste der Welt.

          Aber welchen Ehrentitel Manuel Neuer im Januar auch aus Zürich mit nach Hause nehmen darf, klar ist jetzt schon: Im Jahr 2015 macht die Nationalelf erst mal große Pause. Bis zum Sommer gibt es nur zwei Pflichtspiele, gegen Georgien und Gibraltar, und die eignen sich kaum für Jahresrückblicke und eine Nominierung zum „Weltfußballer des Jahres“.

          Die meisten Fans dürften über diese nationale Fußball-Durststrecke leicht hinweg kommen, leichter jedenfalls als die Europäische Fußball-Union (Uefa), die eine solche Temporeduzierung in Platinis Macht- und Geltungsbereich nicht mehr ertragen mag. Es ist angesichts der Skandale um den großen und gierigen Bruder Fifa ein bisschen untergegangen, dass der Verband in der vergangenen Woche die Nations League ins Leben gerufen hat, um die etwas langweilige Phase zwischen den großen Turnieren aufzumöbeln.

          Sportliche Attraktivität zu schaffen ist die offizielle und gar nicht mal so abwegige Begründung angesichts spröder Testbegegnungen und vorhersehbarer Ergebnissen in Qualifikationsspiele. Die Konsequenz jedoch, die der europäische Verband daraus gezogen hat, führt vor allem dazu, den Fußball noch ein bisschen weiter auszuquetschen: Eine Schaffenspause für die Kaste der hochstrapazierten und immer stärker von Verletzungen geplagten Spitzenspielern, wie sie den deutschen Weltmeistern noch einmal vergönnt sein wird, ist danach aber in diesem Jahrzehnt für deutsche Nationalspieler nicht mehr vorgesehen.

          Und so weiter, und so weiter

          Unter dem Deckmantel einer verbesserungswürdigen Qualifikation füllt die Nations League nun auch noch den letzten freien Platz im prall gefüllten Fußballkalender aus - und vermarktet die Spiele und ein Finalturnier im Sommer entsprechend gewinnbringend. Ein weiterer Dank von Präsident Platini an die kleineren Verbände, die ihn bei seiner Wahl unterstützten, nachdem er zuvor schon die EM-Endrunde auf 24 Teilnehmer ausdehnen ließ.

          Das alles bedeutet für die kommenden Sommer: 2016 EM in Frankreich, 2017 Confederation Cup in Russland, 2018 WM in Russland, 2019 Finalturnier der Nations League, 2020 EM in London, 2021 Confederation Cup und Nations League, 2022 WM (vermutlich) in Qatar. Und so weiter, und so weiter. In diesen Winter heißt es also auch Abschied nehmen: Die endlosen Sommer ohne Fußball gehen dahin. Die Serie, mit ihrem neuen Anfang, dem kein Ende mehr innewohnt, heißt jetzt: Endless Football.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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