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Skandal beim Weltverband : Uefa fordert Verschiebung der Fifa-Präsidentenwahl

Angespannt, aber unerschütterlich: Fifa-Präsident Joseph Blatter Bild: Reuters

Nach der Festnahme von sieben Fifa-Funktionären will die europäische Fußball-Konföderation Uefa die Präsidentenwahl beim Weltverband am Freitag verschieben lassen. Am Abend äußert sich auch Joseph Blatter erstmals zum Fifa-Skandal. 

          Die Festnahmen von Offiziellen des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) durch die Polizei in Zürich und die weiterführenden Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft auch wegen des Verdachts der Geldwäsche haben zu Besorgnis unter deutschen Funktionären geführt. „Es wäre erschütternd, wenn sich die im Raum stehenden, schweren Vorwürfe gegen Mitglieder der Fifa als richtig herausstellen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach. „Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich zwei Tage vor dem Kongress abspielt.“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sein Kollege, Ligachef Reinhard Rauball, fordert Konsequenzen für den Fifa-Kongress, der an diesem Donnerstagabend eröffnet werden soll: „Es wäre das absolut falsche Signal, wenn unter dem Eindruck dieser Entwicklungen die Agenda des Kongresses wie geplant abgearbeitet würde“, sagte er. „Man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“

          Die Europäische Fußball-Union Uefa forderte am Mittwochabend eine Verschiebung der Fifa-Präsidentenwahl am Freitag. „Die heutigen Ereignisse sind ein Desaster für die Fifa und beschädigen das Image des Fußballs“, hieß es in einer Uefa-Mitteilung. Der Kongress drohe zur Farce zu werden. Deshalb sollten die europäischen Verbände darüber nachdenken, die Versammlung der 209 Fifa-Mitgliedsländer zu boykottieren. Die Fifa brauche eine neue Führung. „Deshalb sollte der Kongress verschoben und eine neue Präsidentenwahl innerhalb der kommenden sechs Monate organisiert werden“, forderte die Uefa.

          Blatter äußerte sich nicht zu einer Verschiebung. „Dies ist eine schwierige Zeit für den Fußball“, ließ er in einer Stellungnahme verlauten. Sein Verband werde mit den betroffenen Behörden weiterhin zusammenarbeiten. Die Fifa sperrte am Abend insgesamt elf Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußball-Aktivitäten. Das teilte der Weltverband nach einer Entscheidung seiner Ethikkommission am Mittwoch mit. Die Gesperrten sind: Jeffrey Webb (Kaimaninseln), Eduardo Li (Costa Rica), Julio Rocha (Nicaragua), Costas Takkas (Großbritannien), Jack Warner (Trinidad und Tobago), Eugenio Figueredo (Uruguay), Rafael Esquivel (Venezuela), José Maria Marin (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay), Chuck Blazer (Vereinigte Staaten) und Daryll Warner (Trinidad und Tobago).

          „Warum sollte er zurücktreten? Er wird nicht verdächtigt“: Fifa-Sprecher Walter De Gregorio nach dem 2:0 der Justiz-Auswahl in Zürich

          Hart ins Gericht ging auch Theo Zwanziger mit der Fifa, der noch bis Freitag dem Vorstand angehören und dann keine Funktion mehr im Fußball innehaben wird. Er sprach von einem „Sumpf“ und kritisierte auch die Arbeit der Fifa-Ethikkommission, die seit dem Reformprozess die Integrität von Funktionären und Entscheidungen überwachen soll. „Es ist keine schöne Situation. Ich begrüße die Ermittlungen, damit endlich Licht ins Dunkel gebracht wird“, sagte Zwanziger der F.A.Z.

          Das Fußballsystem sei weiterhin problematisch und schaffe Abhängigkeitsverhältnisse mit einer großen Machtfülle. „Bedauerlich, dass die Ethikkommission bei der Untersuchung der WM-Vergaben an Russland und Qatar vor dem Kongress nichts öffentlich gemacht hat. Ich habe das Gefühl, dass dadurch die vielen möglichen Täter geschützt und den eigentlichen Opfern, nämlich allen Fußballfans auf der Welt, geschadet wird“, sagte Zwanziger.

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