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Rassismusvorwürfe : Uefa ermittelt gegen 1. FFC Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Der 1. FFC Frankfurt zieht ins Halbfinale der Champions League ein. Bild: AP

Eigentlich könnte alles so schön sein. Der 1. FFC Frankfurt steht im Halbfinale der Champions League. Doch das Nachspiel durch die Uefa sorgt für Ärger beim Sieger.

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          Das spannende Spiel mit Happy End produzierte hübsche Geschichten. Wie Anne-Katherine Kremer, nominell nur die dritte Torfrau des 1. FFC Frankfurt, im Elfmeterschießen zur Heldin des Abends wurde. Wie Marith Prießen vor dem finalen Shootout darauf bestand, den fünften und entscheidenden Elfmeter zu schießen. Auch zur Überraschung von Trainer Matt Ross, denn die 25-Jährige gehört nicht zu den Führungsspielerinnen im Frankfurter Team. „Ich war lange nicht mehr so nervös. Ich hatte quasi die Hosen voll“, erzählte eine strahlende Marith Prießen, die nach ihrem Siegtreffer zum 5:4-Erfolg im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen den schwedischen Meister FC Rosengard von einer kollegialen Jubelwelle fast erdrückt wurde.

          Oder wie Siegfried Dietrich mit stolzgeschwellter Brust immer neue Superlative fand, um den Wert des Abends für den 1. FFC Frankfurt einzuordnen. Finanziell und von der Publicity her sei der Halbfinaleinzug – Gegner ist der Erzrivale VfL Wolfsburg – als einziger reiner Frauenfußballverein immens wichtig, so der Manager. Auch vor dem Hintergrund, dass der Klub nach dem Ende aller Meisterhoffnungen und dem Aus im DFB-Pokal nicht schon Ende März ohne Titeloption dasteht. Es hätte alles so schön sein können. Der Trainer der Schwedinnen vermochte mit seinem Statement nach der emotional hochtourigen Partie noch mehr zu verblüffen als die Stimmung zu trüben. „Ich bin sehr enttäuscht über die Reaktion der Frankfurter Zuschauer und glücklich, dass ich Trainer des FC Rosengard und nicht Trainer des 1. FFC Frankfurt bin“, sagte Jack Majgaard Jensen.

          Erst am Donnerstag wurde aus der Verwunderung Dietrichs waschechter Ärger. Als der Klubboss nämlich als Nachspiel die Nachricht erreichte, dass sich der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarausschuss der Uefa am kommenden Dienstag mit Rassismusvorwürfen gegen den FFC befassen wird. „Wir haben von der Uefa ein Schreiben bekommen, dass die Schiedsrichterin angemerkt hat, dass es Affenlaute-Rufe oder so etwas gegeben haben soll“, sagte Dietrich. Er bezeichnete die Anschuldigungen als „aus der Luft gegriffen“.

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          Was war passiert? Die Kamerunerin Gaelle Enganamouit in den Reihen der Schwedinnen war – wie schon im Hinspiel – mit einigen äußerst unfairen Aktion aufgefallen. In vielen Duellen schlug sie wild mit den Ellenbogen um sich, einmal rauschte sie unkontrolliert in FFC-Torfrau Kremer hinein. Damit zog sich Afrikas Fußballerin des Jahres nicht nur den Unmut der FFC-Bank, sondern auch den der 3220 Zuschauer in der für Frauenfußballverhältnisse ob der Bedeutung des Matches aufgeheizten Atmosphäre im Stadion am Brentanobad zu. Die wuchtige Gaelle Enganamouit wurde fortan bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen und ausgebuht, denn mitunter stellte ihre Zweikampfführung ein Gesundheitsrisiko für die Gegenspielerinnen dar. „Pfiffe“, so Dietrich, „sind das Normalste der Welt bei einem Fußballspiel.“

          Von rassistischen Beschimpfungen konnte augen- und ohrenscheinlich keine Rede sein. Zumal sich die Spielerin, wenn sie zutiefst beleidigt worden wäre, nach Spielschluss wohl nicht am Zaun vor der Haupttribüne unters Volk gemischt hätte. Die italienische Schiedsrichterin Carina Vitulano hatte während des Spiels kurz mit der Uefa-Deligierten am Spielfeldrand gesprochen – es folgte eine Durchsage, in dem der Stadionsprecher die Zuschauer zum Fair-Play aufforderte. Nun herrschen im Frauenfußball andere Gepflogenheiten auf den Rängen als bei den Männern. Und das Frankfurter Frauenfußballpublikum gilt als fachkundig und nicht zur Überreaktionen neigend. Die „pure Freude“, die Dietrich nach dem Elfmeterkrimi in den FFC-Reihen ausmachte, hat sich jedenfalls verflüchtigt.

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