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Uefa-Cup-Rückspiel : Bayern-Ensemble gierig nach einem Keks mit Sahne

  • -Aktualisiert am

Oliver Kahn: „Ein Endspiel ums Finale” Bild: REUTERS

Für den FC Bayern ist es ein „Endspiel ums Finale“: Nach dem mageren 1:1 im Hinspiel sind auf dem „Acker“ von St. Petersburg vor allem die Kämpfernaturen gefordert. Folgt den kecken Münchner Sprüchen nun ein großes Spiel?

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          So leicht dürfte den FC Bayern München nun kein Fußballstadion mehr abschrecken. Der deutsche Rekordmeister hat in dieser Uefa-Pokal-Saison schon einiges zu sehen bekommen, aber nur ganz selten so hohen internationalen Standard wie in der Champions League, wo die Münchner nach einjähriger Abwesenheit demnächst wieder spielen dürfen. Viele Stadien erinnerten eher an die Spielstätten bei den Auftritten während der Saisonvorbereitung in der Provinz. Aber was die Bayern nun im Halbfinal-Rückspiel beim FC Zenit St. Petersburg an diesem Donnerstag (18.30 Uhr bei Sat.1 und im FAZ.NET-Liveticker) geboten bekommen, ist wohl noch ein ganz besonderes Erlebnis.

          Das Petrowsky-Stadion, gelegen an einem Seitenarm der Newa, fasst gerade mal 21.000 Zuschauer und ist höchst karg ausgerüstet. Nicht einmal ein Dach gibt es, so stehen selbst die Sponsoren und Ehrengäste, zu denen manchmal auch Russlands scheidender Präsident Wladimir Putin zählt, im Regen. Und der Rasen, brachte Bayerns Mittelfeldspieler Mark van Bommel in Erfahrung, ist in einem höchst bedenklichen Zustand. Der Niederländer hatte sich bei seinen Landsleuten von AZ Alkmaar informiert, die in der Gruppenphase beim russischen Meister gespielt hatten. „Die haben mir gesagt, die Russen haben einen ganz schlechten Platz, und sie werden daran auch nichts ändern.“

          Uli Hoeneß erwartet eine „schöne Schlacht“

          Kurzfristig sowieso nicht, denn dem Verein kann es nur recht sein, wenn sich die Münchner Fußballzauberer schwertun. Dass auch die Mannschaft des niederländischen Trainers Dick Advocaat im Uefa-Cup bisher daheim nicht viel mehr Punkte holte als auswärts, nimmt sie in Kauf, denn langfristig steht ohnehin ein Umzug an. Der Hauptsponsor baut ein modernes, sehr komfortables Stadion am Stadtrand, das 60.000 Zuschauer fassen wird und im nächsten Jahr fertig sein soll.

          Eine neue Erkenntnis: Mark van Bommel (l.) mag Kekse mit Sahne

          Die Bayern haben schon in Belgrad im vergangenen Oktober einen widrigen Rasen vorgefunden. Damals waren in erster Linie die kämpferischen Tugenden ausschlaggebend gewesen für den Sieg gegen Roter Stern in letzter Minute. Der größte Fußball-Künstler im Bayern-Ensemble, Franck Ribéry, hatte damals gefehlt. Aber womöglich wäre er ohnehin stecken geblieben im tiefen Boden des Marakana-Stadions.

          Beim „Endspiel ums Finale“, wie Bayern-Kapitän Oliver Kahn die Partie bei St. Petersburg nach dem 1:1 im Hinspiel vor einer Woche bezeichnete, kommt es deshalb wohl nicht so sehr auf flachen Kombinationsfußball an. Die Kämpfer in der Mannschaft sind deshalb am Donnerstag vielleicht mehr gefragt als die Kreativabteilung, Manager Uli Hoeneß erwartet jedenfalls eine „schöne Schlacht“ auf dem Acker des Petrowsky-Stadions. Van Bommel, der „Aggressiv-Leader“ von Trainer Ottmar Hitzfeld im Mittelfeld, oder Lucio und Martin Demichelis in der Abwehr stört die Aussicht auf einen schlechten Rasen nicht besonders. Man müsse sich „einfach konzentrieren“, sagt Demichelis, „und aggressiv spielen“.

          Der Argentinier hat damit keine Schwierigkeiten, denn er macht dies ohnehin Woche für Woche, unabhängig von der Bodenbeschaffenheit. In seiner fünften Saison in München zeigt Demichelis endlich die Klasse, die die Bayern schon lange von ihm erwartet hatten: Hoeneß kürte ihn deshalb neulich stolz zum „besten Verteidiger der Bundesliga“.

          Selbstsichere Bayern: „Wir sind von uns total überzeugt“

          Niemand beim FC Bayern will sich vorstellen, dass das Uefa-Cup-Endspiel am 14. Mai in Manchester ohne den deutschen Pokalsieger und künftigen Meister stattfinden könnte. „Wir sind von uns total überzeugt“, sagt Miroslav Klose, der wie schon gegen Stuttgart trotz dreimal gebrochener Nase zur Verfügung steht.

          Weil auch die zuletzt angeschlagenen Kahn und Philipp Lahm fit sind, kann Bayern gegen Zenit in Bestbesetzung antreten; allerdings strich Hitzfeld den Franzosen Willy Sagnol, der sich zuletzt kritisch über den Trainer geäußert hatte, aus dem Kader. Demichelis setzt vor der Reise am Mittwoch nach St. Petersburg auf die Erfahrung aus dem Viertelfinale: „Wir waren auch in Getafe nicht totzukriegen - also, was soll jetzt noch passieren?“

          Die Bayern im Uefa-Cup - Souveränität sieht anders aus

          Das Spiel in Spanien vor drei Wochen war aber allein wegen der Dramatik eines für die Geschichtsbücher geworden, denn im Uefa-Pokal ließen die Bayern in dieser Saison jene Souveränität vermissen, mit der sie die Bundesliga fast nach Belieben beherrschten. Die umgekrempelte Mannschaft mit den teuren Neuzugängen blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie im nächsten Jahr in der Champions League ein gewichtiges Wort mitreden wird.

          Mit Pokalsieg, Meisterschaft und endlich ein paar Fußballfesten für die Fans hat die Mannschaft zwar die Erwartungen und Anforderungen erfüllt, aber mit dem ersten internationalen Titel seit dem Champions-League-Sieg 2001, weiß der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, „würden wir sicherlich international an Standing gewinnen“. Dennoch wäre für ihn die Saison auch ohne Finaleinzug „eine tolle, erfolgreiche, phantastische“. Die Spieler hingegen sind gierig nach Trophäen. Der Uefa-Pokal-Sieg, sagt van Bommel, „wäre die Sahne auf dem Keks“.

          Uefa-Cup wird zur Erfolgsgeschichte: Hohe Investitionen, große Rendite

          Auch ohne eine Teilnahme an der lukrativen Champions League wird der FC Bayern München seine Einnahmen in diesem Jahr abermals steigern und trotz der Rekordausgaben für teure Spieler wie Franck Ribéry und Luca Toni eine positive Jahresbilanz schreiben. „Die hohen Investitionen haben große Rendite gebracht“, berichtete der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge vor dem Uefa-Cup-Rückspiel in St. Petersburg. „Wir werden einen Umsatzrekord erzielen, wir machen weiter Gewinne, wir sind weiter profitabel“, sagte Rummenigge. In der vergangenen Saison (2006/07) hatte der Bundesliga-Krösus einen Rekordumsatz von 225,8 Millionen Euro erzielt. Der operative Gewinn belief sich auf 53,5 Millionen Euro, nach Steuern wurden 18,9 Millionen Euro ausgewiesen. Die voraussichtlichen Zahlen für das noch laufende Geschäftsjahr 2007/08 nannte Rummenigge nicht.

          In der Champions League, die der FC Bayern im Vorjahr erstmals seit zehn Jahren verpasst hatte, hatten die Münchner in der Spielzeit 2006/07 rund 40 Millionen Euro eingenommen. Den Ausfall der Champions-League-Einnahmen konnte der kommende deutsche Meister im deutlich weniger lukrativen Uefa-Pokal weitgehend kompensieren. Entscheidend dafür ist, dass der Verein seine Heimspiele bis einschließlich Achtelfinale selbst vermarkten durfte und damit sehr erfolgreich war. Mit den Fernsehgeldern und den Zuschauereinnahmen aus der fast immer ausverkauften Allianz-Arena dürfte der FC Bayern mehr als 20 Millionen Euro erwirtschaftet haben. (dpa)

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