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Uefa-Cup : Heldt räumt auf - aber nicht mehr im Keller

  • -Aktualisiert am

Aufräumarbeiten gibt es genug: Horst Heldt Bild: picture-alliance/ dpa

Horst Heldt hat viel zu tun. Neben Neueinkäufen muss sich der Manager des VfB Stuttgart um die Zukunft von Jens Lehmann und die Personalie Markus Babbel kümmern. Dazu empfangen die Schwaben Standard Lüttich im Uefa-Cup.

          Vor Jahren konnte man in einer Radioshow erfahren, womit Horst Heldt trainingsfreie Tage um Weihnachten ausfüllt. Für den richtigen Tipp bekamen die Hörer im Ratespiel einen Punkt gutgeschrieben. „Ich räume meinen Keller auf“, verriet der damalige Fußballprofi Heldt und schritt zur Tat. Heute, so viel steht vor dem entscheidenden Uefa-Cup-Gruppenspiel des VfB Stuttgart gegen Standard Lüttich an diesem Donnerstag (20.45 Uhr im SWR-Fernsehen sowie im FAZ.NET-Liveticker) fest, müsste die Familie Heldt die Unordnung noch eine Weile ertragen. Es fehlt schlicht die Zeit, um in alten Kisten zu wühlen, was vor allem daran liegt, dass Heldt als Manager die Seiten wechselte und „das schönste Leben, das es gibt“ (Heldt) seit drei Jahren ein Ende hat.

          Aufräumarbeiten aber gibt es auch im neuen Job genug. Dazu gehören nicht nur geplante Neueinkäufe, auch ob Jens Lehmann noch ein weiteres Jahr beim VfB bleibt, ist eine spannende Frage. Der Torwart will sich im Januar entscheiden. Und dann ist da noch die Personalie Markus Babbel. Der Trainer fungiert als „Teamchef“, weil er keine Lizenz als Fußballlehrer besitzt. Nach einer Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga darf er nur bis kommenden Sommer mit einer Ausnahmegenehmigung als „Chef“ auf der Bank sitzen. Im schlimmsten Fall also müsste Heldt neben neuen Spielern einen Torwart und auch einen neuen Trainer suchen.

          Kein Sonderweg im Sinne Klinsmanns

          In Stuttgart hatte man zunächst gehofft, für Babbels Weiterbeschäftigung als Trainer gut Wetter machen zu können. Dass auf dem leichten Weg über Appelle, auch Bayern Münchens schwäbischer Trainer Jürgen Klinsmann hatte sich im Sinne Babbels eingeschaltet, vorerst nichts zu machen sei, wussten der VfB und sein Teamchef Babbel schon einige Tage vor der offiziellen Verkündung.

          Schützende Wärme des VfB: Heldt denkt nach mit kühlem Kopf

          Kein Sonderweg also im Sinne Klinsmanns, der in Erinnerung an seine eigene Beförderung zum Trainer den Vorschlag gemacht hatte, Babbel wie anderen verdienten Europameistern von 1996 einen Bonus in Form eines Kurzlehrgangs zuzugestehen. Man habe sich über den Zeitpunkt der Entscheidung geärgert heißt es nun aus der Zentrale der „Roten“. Der Zeitpunkt, Babbel auf den Standardweg zum Erlangen der Trainerlizenz zu verweisen, sei kurz vor dem Duell mit Lüttich um den Stuttgarter Einzug in die nächste Uefa-Cup-Runde ungünstig gewählt. Schließlich soll der frische Schwung, den der als jung und hungrig beschriebene Babbel als Nachfolger von Meistertrainer Armin Veh einbrachte, nicht gefährdet werden.

          Heldt dürfte das neue Problem nicht schrecken. Er wurde als Manager mit Problemen groß. Wenige Wochen nachdem er im Januar 2006 den neuen Job antrat, empfahl er der Klubführung die Trennung vom damaligen Trainer Giovanni Trapattoni; erst vor wenigen Wochen sah er den Abschied von Veh als notwendig an. Nun wird er erst einmal gelassen abwarten, wie sich die Dinge im Fall Babbel entwickeln.

          Eine sportliche Schieflage

          Trotzdem sind die Zeiten eher unruhig, und deshalb sieht man Heldt oft seine Nase aus der Tür stecken. Der 39 Jahre alte Heldt sieht die Notwendigkeit, dem drei Jahre jüngeren Babbel zur Seite zu stehen, und dabei will er sich als leidenschaftlicher Kämpfer für seinen Klub präsentieren. So hat es Heldt immer gehalten. Auch als es um die Trennung von Veh ging. Kaum ein aufklärendes Wort verlor Heldt über die Hintergründe. Man sei in manchen Dingen unterschiedlicher Ansicht gewesen, meinte er lapidar.

          Man war ja auch mit ihm nicht nur freundlich umgegangen, als die Zeit nach der Meisterschaft 2007 aufgearbeitet wurde. Dieser folgte eine sportliche Schieflage, für die auch der mitverantwortliche Heldt Prügel loyal und billigend in Kauf nahm. Mit Veh wird er sich aus alter Verbundenheit demnächst mal treffen, um einen versöhnlichen Schlussstrich unter die Trennungsgeschichte zu ziehen. Vorerst hat Heldt, dessen Vertrag vom VfB bis 2012 verlängert wurde, aber genug „Geschäft“, wie man in Schwaben sagt. „Wir haben viel vor“, sagt er und meint das ehrgeizige Projekt, die Mercedes-Benz-Arena zu einem reinen Fußballstadion umzubauen.

          Heldt gilt als fleißiger Arbeiter

          Vielen in der Branche gilt Horst Heldt längst als fleißiger Arbeiter, der Professionalität mit intensivem Engagement gleichsetzt. Seine Arbeitsweise dürfte mit ein Grund für das Interesse des Wolfsburger Trainers, Sportdirektors und Geschäftsführers Felix Magath gewesen sein, ihn nach Ostniedersachsen zu locken.

          Heldt blieb und sagt: „Anders als mancher behauptet, sehe ich den VfB als Marke, die ihren Weg nicht verlassen hat. Schauen Sie, wie viele junge Spieler aus dem eigenen Verein bei uns im Profikader stehen. Während andere nur davon reden, bald so weit sein zu wollen, ist das bei uns eine Tatsache.“ Man darf davon ausgehen, dass Heldt die weitere Verjüngung des Kaders vorantreiben wird. Babbel, so glaubt er, passe zu diesem Konzept - in welcher Funktion, das muss sich finden.

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