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Uefa-Cup-Finale : Die Light-Version von Alex Ferguson

Walter Smith und sein Assistent Ally McCoist (r.) Bild: AFP

Als ihn die Rangers wieder riefen, verließ Walter Smith die schottische Nationalmannschaft - obwohl die gerade Frankreich geschlagen hatte. Doch in Schottland zählt erst einmal der Verein - und Smith will seine Rangers mit einer Blockadetaktik zum Europapokalsieg führen.

          3 Min.

          Walter Smith ist so etwas wie die Light-Version von Alex Ferguson. Beide stammen aus der Glasgower Arbeiterklasse, beide waren als Knaben Rangers-Fans, beide haben Meistertitel in Serie gewonnen (Ferguson gerade seinen zehnten in England, Smith bald wohl den achten in Schottland). Der eine wie der andere gilt als altmodisch autoritär; Chefs, mit denen man es sich besser nicht verscherzt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nun stehen beide in einem europäischen Finale, Smith diesen Mittwoch im Uefa-Cup, Ferguson nächste Woche in der Champions League. Und beide haben das zuletzt auch mit demselben Stil geschafft, einem Defensiv-System mit nur einem Stürmer. Die Rangers von Smith spielen so schon die ganze europäische Saison; im Herbst, nach dem 0:0 gegen Barcelona, nannte Lionel Messi das „Anti-Fußball“. Ferguson griff mit Manchester United erst im Halbfinale gegen den FC Barcelona auf die Blockade-Taktik seines früheren Schülers zurück. So hat der sechs Jahre Jüngere dem Maestro, dem er einst als Assistent im schottischen Nationalteam und in Manchester diente, mal etwas vorgemacht.

          Im Halbfinale erst im Elfmeterschießen ernsthaft aufs Tor gezielt

          Den Vorwurf des Anti-Fußballs erhob zuletzt auch Cesare Prandelli, Trainer des AC Florenz: „Ein Team, das sich zu spielen weigerte, hat gewonnen. Manchmal belohnt Fußball Mannschaften, die es nicht verdienen.“ In der Tat hat die Elf von Smith, in der Vorrunde der Champions League ausgeschieden, aber dank Siegen gegen Stuttgart und Lyon als Gruppendritter in den Uefa-Cup gerutscht, im europäischen Vergleich guten Fußball weitgehend verhindert.

          Walter Smith und sein Assistent Ally McCoist (r.) Bilderstrecke

          Doch es ist eine Taktik, die aus der Not geboren wurde. Smith musste im Sommer den Kader runderneuern, ohne große Einkäufe, und setzte deshalb auf solide Defensive. Das Glück kam hinzu, vor allem gegen Werder Bremen (als Torwart Tim Wiese zwei Geschenke machte) und im Halbfinale mit Florenz, als die Rangers erst nach 210 Spielminuten ernsthaft aufs Tor zielten: im Elfmeterschießen.

          Rückendeckung von Nachfolger Advocaat

          „Viele Leute haben unsere Spielweise kritisiert“, sagt Smith, „aber auch sie müssen unsere Leistung anerkennen. Es ist ein großer Schritt für solch ein kleines Land.“ Den Fans ist die Stildiskussion egal. Im Finalort Manchester rechnet man mit 100 000 Besuchern, die sich auf die 350 Kilometer lange Reise nach Süden machen werden.

          Aber auch von unerwarteter Seite kommt Unterstützung für Smith: „Im Fußball geht es nur um Resultate, es ist egal, wie du sie erreichst.“ Das sagt Dick Advocaat vom Finalgegner Zenit St. Petersburg. Man kennt einander gut. Nachdem Smith erstmals Rangers-Trainer war (mit sieben Meistertiteln in acht Jahren), löste ihn 1998 der Niederländer ab (mit zwei Titeln in vier Jahren).

          Erst kommen die Rangers

          Nach seiner ersten großen Rangers-Zeit betätigte sich Smith erfolglos in England, ehe er Berti Vogts als Nationaltrainer beerbte. Er verbesserte die schottische Elf um siebzig Weltranglistenplätze, führte sie zu einem famosen Sieg gegen Frankreich - und verließ sie dann mitten in der Europameisterschafts-Qualifikation Anfang 2007, um zu den Rangers zurückzukehren. In anderen Ländern wäre es undenkbar, dass ein Großklub den Nationalcoach mitten im Wettbewerb abwirbt. In Schottland aber regte es niemanden groß auf und bestätigte die Erkenntnis von Vogts, dass dort „erst Rangers und Celtic kommen, dann lange nichts und dann das Nationalteam“.

          Die erste Smith-Periode in den neunziger Jahren prägten teure Stars wie Brian Laudrup oder Paul Gascoigne. Nun wird Sparsamkeit bemüht. Die Zuschauereinnahmen im Ibrox Park fallen im internationalen Vergleich nicht mehr so stark ins Gewicht wie die Fernseherlöse, bei denen andere Ligen die limitierte schottische Premier League längst um ein Vielfaches abgehängt haben.

          Ein schottisches Team zum Europapokalsieg führte zuletzt Alex Fergsuon

          Der Sparkurs gefällt Präsident David Murray, vor allem wenn er die Gehaltsabrechnung seiner Elf mit der von Durchschnittsklubs in der englischen Premier League vergleicht: „Die von Aston Villa ist doppelt so hoch, die von Newcastle fast dreifach.“ Ebenso mag der Boss die Sparsamkeit auf dem Gegentorkonto (12 der 18 europäischen Partien endeten „zu null“). Smith zeigt sich „überrascht davon, wie schnell das Team zusammengewachsen ist“.

          Es hat nun eine Zerreißprobe vor sich, fünf Spiele binnen zehn Tagen: die Finals im Uefa-Cup und im Pokal, dazwischen die drei letzten Ligaspiele. Wenn es alle fünf gewinnt, bedeutet das drei Trophäen, zusätzlich zum schon geholten Ligapokal. Smith hat erklärt, am wichtigsten sei der Meistertitel - obwohl es schon der 52. wäre und obwohl den Uefa-Cup noch nie ein schottisches Team gewann. Vielleicht aber überlegt er sich die Priorität noch, denn auch hier gibt es ein bewährtes Vorbild. Der Letzte, der mit einem schottischen Team einen Europacup gewann - den der Pokalsieger mit Aberdeen -, war vor 25 Jahren ein gewisser Alex Ferguson.

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