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Uefa-Präsident Michel Platini : „An meiner Integrität gibt es keinen Zweifel“

  • Aktualisiert am

Michel Platini hält an seiner Kandidatur für den Posten des Fifa-Präsidenten fest. Bild: AFP

Die Schlinge zieht sich zu für Fifa-Präsident Joseph Blatter. Auch Michel Platini rückt immer mehr in den Fokus der Ermittler. Doch er bleibt gelassen – obwohl nun auch Hausdurchsuchungen bei der Uefa drohen.

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          Uefa-Chef Michel Platini will trotz der Vorwürfe gegen ihn im Fifa-Skandal weiter für die Nachfolge von Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbands kandidieren. Er sei dazu „fest entschlossen“, sagte der Franzose am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. „An meiner Integrität gibt es keinen Zweifel“, versicherte der 60-Jährige.

          Nach der Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Blatter hatten Schweizer Untersuchungsbehörden auch eine Zahlung an Platini aus dem Jahr 2011 in Höhe von zwei Millionen Franken öffentlich gemacht. Platini betonte jedoch abermals, diese Summe sei das Honorar für eine Tätigkeit als Angestellter der Fifa gewesen.

          Frankreichs Sportminister Patrick Kanner hat unterdessen dazu Platini aufgefordert, „alle Verdächtigungen aus dem Weg“ zu räumen. Für die Fifa sei es eine große Chance, sollte Platini Präsident des Fußball-Weltverbands werden, sagte Kanner am Mittwoch dem französischen Sender France Info. „Aber ich stelle auch fest, dass es einen neuen Fall gibt.“ Er erinnere sich auch daran, „dass Michel Platini selbst gefordert hatte, von der Ethik-Kommission der Fifa vernommen zu werden“, sagte Kanner. „Und ich hoffe, dass diese Vernehmung alle Verdächtigungen aus dem Weg räumt.“

          Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber hält derweil auch eine Durchsuchung des Hauptquartiers der Uefa für möglich. Im Strafverfahren gegen Weltverbandspräsident Joseph Blatter war Uefa-Chef Platini als Auskunftsperson vernommen worden. „Ich werde alles Notwendige tun, um die Wahrheit aufzuklären. Und wenn ich genug Grund dafür habe, dorthin zu gehen, dann werde ich das nicht ausschließen“, zitierte die Nachrichtenagentur AP Lauber am Dienstag.

          Am Dienstag war der schwer belastete frühere Fifa-Vize-Chef Jack Warner suspendiert worden. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes verhängte im Zuge des Bestechungsskandals um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Qatar eine lebenslange Sperre gegen den ehemaligen Präsidenten der Karibischen Fußball-Union Concacaf. Ob aber Warner nur ein erstes Bauernopfer ist und zeitnah auch eine juristische Entscheidung über die brisanten Personalien Blatter und Platini fällt, ist offen.

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          Zwischen dem Beginn der Ermittlungen gegen Warner im Januar und dem Urteil nun im September verging mehr als ein halbes Jahr. Auch wenn der Druck der Öffentlichkeit gewaltig ist, scheint eine schnelle Entscheidung über das berufliche Schicksal des 79 Jahre alten Schweizers und seines fast 20 Jahre jüngeren früheren Intimus nicht wahrscheinlich. Nach Medienberichten prüft die Bundesanwaltschaft der Schweiz zwar ein Strafverfahren auch gegen Platini.

          Doch für Blatter war selbst dieser Schritt der Behörden bislang kein Grund für einen Rücktritt. Bis zu dem bislang für den 26. Februar geplanten Fifa-Kongress mit Neuwahlen will er im Amt bleiben. Und über die Dauer der Ermittlungen der Ethikkommission gegen die beiden wichtigsten Funktionäre im Weltfußball lässt sich nur spekulieren.

          Gegen Blatter läuft derzeit ein Strafverfahren „wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung“ und Veruntreuung. Der langjährige Fifa-Chef soll im Februar 2011 eine „treuwidrige Zahlung“ an Uefa-Präsident Platini geleistet haben. Dabei sei es um geleistete Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 gegangen.

          Nach Information der „Welt“ soll Platini insgesamt deutlich mehr als die bisher bekannten zwei Millionen Franken erhalten haben. Der Präsident der Europäischen Fußball-Union war am Freitag von den Schweizer Behörden als sogenannte Auskunftsperson vernommen worden. Der Franzose beteuert weiter seine Unschuld.

          Bis zu dem eingeleiteten Strafverfahren gegen Blatter galt Platini als Topfavorit auf die Nachfolge auf dem Fifa-Thron. Sollte auch Platini zum Beschuldigten werden, wäre seine Bewerbung hinfällig. Derzeit aber sieht er keinen Grund, seine Kandidatur zurückzuziehen. „Ich bin total ruhig und gelassen und habe keinen Grund zur Sorge“, betonte Platini. Er fürchte auch keine Sperre durch die Fifa-Ethiker.

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