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Uefa : Bosman-Anwalt klagt gegen Financial Fairplay

  • -Aktualisiert am

Freie Fahrt für freie Fußballer: Für Zlatan Ibrahimovic und seinen Klub PSG wäre Duponts Klage gewinnbringend Bild: AP

Wird das Financial Fairplay gekippt? Der Rechtsanwalt Jean-Louis Dupont, der durch das Bosman-Urteil berühmt wurde, will gegen die Regeln der Uefa klagen.

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          Mit der Klage gegen wichtige Bestandteile des sogenannten Financial Fairplay der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wird Ernst gemacht. „Wir wollen den Richter dazu bekommen, dass er die Break-even-Regel für nichtig erklärt. Wenn nötig, auch mit einem Gang vor die nächste Instanz am Europäischen Gerichtshof“, sagt der Rechtsanwalt Jean-Louis Dupont der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Belgier hatte Mitte der neunziger Jahre dem Fußballspieler Marc Bosman bei dessen Absicht eines ablösefreien Wechsels nach Vertragsende erfolgreich vor Gericht vertreten, was zum Zusammenbruch des damaligen Transfersystems führte. Nun vertritt Dupont einen belgischen Spielerberater (Daniel Striani) gegen die Uefa erstinstanzlich vor einem Brüsseler Gericht. Die Klage wird am 12. November verhandelt. Das gab das zuständige Brüsseler Gericht am Freitag nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga bekannt.

          Dem Juristen geht es erst mal darum, die Uefa-Richtlinie zu kippen, dass die Klubs, die in Zukunft an europäischen Wettbewerben teilnehmen wollen, nicht mehr Geld ausgeben dürfen, als sie einnehmen. Dies sieht er als Wettbewerbseinschränkung, weil dadurch die Investitionstätigkeit der Vereine nachließe. Die Folge wären fallende Gehälter der Spieler sowie kleinere Provisionen ihrer Agenten. „Die meisten Studien der Ökonomen, die sich mit diesem Thema befassen, zeigen, dass die Uefa mit der Break-even-Regel nicht nur ihre Ziele einer finanziellen Stabilität der Vereine und der Integrität des Wettbewerbs verpasst, sondern zudem nur die größten Klubs in Europa einen Vorteil daraus ziehen. Die kleinen Vereine bleiben klein. Das kann nicht der Sinn sein“, sagt Dupont. Zugleich hat er eine Beschwerde bei der EU-Kommission laufen.

          Wettbewerbskommissar Almunia hat der Uefa zwar schriftlich attestiert, dass er die Ziele des Financial Fairplay vollständig unterstützt. Und das Kartellverfahrensrecht gibt der Kommission die Befugnis, in einem besonderen Verfahren, die Nichtanwendbarkeit der EU-Wettbewerbsregeln auf einzelne Vereinbarungen festzustellen, sagt der Münchner Sportkartellrechtler Mark-E. Orth.

          „Überraschenderweise hat Almunia und die Kommission diesen Verfahrensweg beim Financial Fairplay der Uefa aber nicht eingeschlagen. Mit einer solchen Nichtanwendbarkeits-Entscheidung hätte die Uefa nun Rechtssicherheit. Das lässt sich wohl nur so erklären, dass die Kommission Bedenken gehabt hat, eine solche Nichtanwendbarkeits-Entscheidung zu erlassen, weil sie eben rechtswidrig gewesen wäre und dann möglicherweise vom Europäischen Gerichtshof kassiert worden wäre“, betont Orth.

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