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2:1 in Marseille : Frankfurt verscheucht die Geister

Große Freude vor kleiner Kulisse: Frankfurt gewinnt das Geisterspiel von Marseille Bild: EPA

Fußball mit Erinnerungsfaktor: Die Frankfurter Eintracht macht das Beste aus dem „Geisterspiel“ bei Olympique Marseille, trotzt dem frühen Rückstand und gewinnt in Unterzahl 2:1.

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          Dieser Abend wird in der Vereinsgeschichte der Eintracht seinen Platz finden. Zwar nicht im Kapitel, das die spektakulärsten Spiele dokumentiert, aber besonderen Erinnerungswert besitzt der eindrückliche Auftritt auf alle Fälle. Viel trostloser als am Donnerstag im Stade Vélodrom kann eine Fußballpartie, an der zwei erstklassige Profiteams beteiligt sind, kaum ablaufen.

          Das Aufeinandertreffen zwischen Olympique Marseille und den Frankfurtern zum Auftakt der Gruppenphase in der Europa League fand in einer der prächtigsten Arenen des Kontinents statt, doch die Atmosphäre hätte zur Begegnung zwei unterklassiger Mannschaften auf einem Dorfsportplatz gepasst. Unmittelbar nach dem Abpfiff, als sich die Eintracht-Spieler über ihren hart erkämpften 2:1-Erfolg freuten, ließen die siegreichen Protagonisten auf dem Rasen erkennen, dass ihnen die Begleitumstände dieses „Geisterspiels“ nicht behagten: Beifall für ihre gelungene Darbietung mussten sie sich größtenteils selbst spenden.

          Europa League

          Was sie der Europäischen Fußball-Union verdankten, die mit einem Zuschauerausschluss auf vergangene Vergehen des OM-Anhangs reagiert hatte. An Unterhaltungswert mangelte es dem Duell nicht, zu dem Lucas Ocampos (3. Minute) sowie die Frankfurter Lucas Torro (59.) und Luca Jovic (89.) die Treffer beisteuerten. „Wir haben nach einem unglücklichen Start zurück gefightet und uns selbst belohnt“, lautete das Fazit von Eintracht-Coach Adi Hütter. Kevin Trapp nannte das Resultat ein Indiz für den „Charakter der Mannschaft“. Der Torwart erwartete sich von dem Coup „Rückenwind für die nächsten Aufgaben“. 

          Zuvor waren im Laufe des Tages vor dem Verwaltungsgericht in Marseille der Versuch mehrerer Fan-Initiativen gescheitert, kurzfristig gegen das von Präfektur Bouches-du-Rhône zusätzlich verhängte Aufenthaltsverbot für Eintracht-Anhänger in Marseille vorzugehen. Die Behörden hatten mit der Argumentation, damit Krawalle zu vermeiden, eine Verordnung erlassen, die es untersagte, sich als Fan der Frankfurter zwischen 8 und 24 Uhr in der Stadt aufzuhalten. Unter anderem die Ultras und die Fan- und Förderabteilung der Eintracht setzten sich juristisch mit einem Eilantrag zur Wehr, der unmittelbar vor dem Anstoß abgelehnt wurde. Zur Begründung hieß es, dass „die Gefahr einer schweren Störung der öffentlichen Ordnung“ durch die Anwesenheit der Frankfurter Supporter bestehe.

          Abdrehen zum Jubeln: Siegtorschütze Luka Jovic

          Das Thema wird aktuell bleiben: Die Gruppierungen kündigten in einer Erklärung an, „alle nationalen und europäischen Instanzen zu durchlaufen“, um den Sachverhalt klären zu lassen. Am Nachmittag marschierte am Hafen von Marseille, etwa fünf Kilometer vom leeren Stadion entfernt, ein Aufgebot an Gendarmen auf, weil dem Vernehmen nach mit dem Erscheinen einer größeren Zahl von Eintracht-Fans gerechnet wurde. Laut Eintracht-Vorstand Axel Hellmann lagen bis Einbruch der Dunkelheit aber keine Meldungen vor, dass es zu konfrontativen Szenen gekommen sei.

          Auf dem Feld ging es für die Auswahl Hütters schlecht los. Der Coach hatte abermals seine Formation verändert und mit Makoto Hasebe einen Mann aufgestellt, der helfen sollte, die Defensive zu stabilisieren. Aber es dauerte gerade einmal 126 Sekunden und es setzte den Gegentreffer: Jonathan de Guzmán und Evan Ndicka ließen Bouna Sarr unbedrängt zur Flanke ansetzen und auch Kapitän David Abraham rutschte an der Hereingabe vorbei. Bei so viel Gastfreundlichkeit ließ sich Ocampos nicht lange bitte, der zudem energischer als Danny da Costa zum Ball ging und aus kurzer Distanz zum 1:0 einschoss. Fast im Gegenzug wäre beinahe der Ausgleich gelungen, der in der Liga mit Rot gesperrte Jetro Willems kam auf Zuspiel von da Costa allerdings einen Schritt zu spät (4.).

          Frankfurter Freude nach dem Ausgleichstor: Schon mit einem Punkt wären sie zufrieden gewesen

          Olympique blieb am Drücker und hätte durch Valere Germain beinahe nachgelegt, Trapp bekam bei seinem Kopfball jedoch die Hände dran und klärte zur Ecke (9.), und auch nach einem Fehlpass von Lucas Torro behielt der Keeper gegen Germain die Nerven (29.). Da Costa wiederum schloss nach einem Freistoß zu überhastet ab (14.). Ansonsten endeten wie zuletzt in der Liga viele Aktionen, die zu aussichtsreichen Vorstößen hätten führen können, zunächst im Ansatz. An Verve mangelte es der Eintracht nicht, dafür fehlte es im Mittelfeld anfangs an Übersicht und Genauigkeit, wenn nach Eroberung der Kugel Attacke angesagt gewesen wäre, um die Defensive von Olympique mit Tempo in die Bredouille zu bringen.

          Erst nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Die Eintracht, bei der Nicolai Müller für Mijat Gacinovic eingetauscht wurde, zeigte nun mehr Courage. Und wurde prompt belohnt. Torro traf nach einem Eckstoß von de Guzmán mit dem Kopf zum Ausgleich (52.). Das Frankfurter Hoch erhielt einen Dämpfer, als Willems auch in der Europa League vom Platz flog. Der zuvor schon verwarnte Holländer sah nach einem Foul gegen Weltmeister Dimitri Payet Gelb-Rot (59.). Doch der Behauptungswillen in Unterzahl war bemerkenswert: Erst vergab Müller bei einem Konter die Chance zur Führung (73.), ehe Jovic mit einem Schuss unter die Latte den Frankfurter Schlusspunkt eines abwechslungsreichen Fußballspiels setzte, das sich auch unter gewöhnungsbedürftigen Umständen sehen lassen konnte.

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