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U21 des DFB bei der EM : Deutschland taumelt mit letzter Kraft ins Halbfinale

Hartes Duell: Deutschlands Niklas Stark (r.) im Zweikampf mit dem Italiener Caldara Bild: AFP

Im letzten EM-Gruppenspiel liefert sich der deutsche Fußball-Nachwuchs ein Nervenspiel mit aggressiven Italienern – und freut sich trotz eines 0:1 über den Einzug ins Halbfinale. Dabei hätte die Partie fast einen ganz anderen Verlauf genommen.

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          Erst in den letzten vier, fünf Minuten wehte ein Hauch von Gijon durch das abendliche Cracovia Stadion von Krakau – eine kleine Erinnerung an den infamen „Nichtangriffspakt“ zwischen Deutschland und Österreich bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982. Während dort aber achtzig Minuten lang jeder Wettkampf eingestellt wurde, verwalteten die Junioren aus Deutschland und Italien am Samstag erst ganz am Ende ohne weitere Angriffsversuche jenes Ergebnis, das beide ins Halbfinale der U-21-Europameisterschaft gebracht hat. Dieses Ergebnis war ein hoch verdienter 1:0-Sieg der Italiener durch ein Tor von Federico Bernardeschi (30. Minute), die dadurch Gruppensieger wurden. Die matte deutsche Mannschaft rettete sich mit knapper Not als Bester der drei Gruppenzweiten des Turniers ins Halbfinale, in dem sie am Dienstag auf England trifft, während Italien gegen den Turnierfavoriten Spanien antreten muss.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Vor dem Spiel hatte es tagelang komplizierte Rechenspiele gegeben, unter welchen Umständen im Quervergleich miteinander und mit den zeitgleich spielenden Tschechen und mit den anderen Gruppenzweiten welche Mannschaft wie weiterkommen könnte – eine Folge der Ausweitung des Turniers von acht auf zwölf Mannschaften, die logische Lösungen im Modus unmöglich machte. Nachdem Portugal am Freitag zum Abschluss der Gruppe B ein Tor gefehlt hatte, um die Slowaken als bis dahin besten Gruppenzweiten zu übertreffen, war aus deutscher Sicht die Ausgangslage jedoch ziemlich deutlich geworden: ein Sieg oder Unentschieden reichten zum Gruppensieg, ein 0:1 zum Erreichen des Halbfinals als bester Gruppenzweiter, bei einem 0:2 jedoch wäre das Turnier zu Ende gewesen. Die Italiener wiederum benötigten in jedem Fall einen Sieg.

          Bissige, schwer berechenbare Italiener

          Die Partie hätte für das Team von Trainer Stefan Kuntz schon früh in etwas ruhigere Bahnen geraten können, hätte der slowenische Linienrichter nach sechs Minuten – als Marc-Oliver Kempf eine Freistoßflanke von Maximilian Arnold ins Tor köpfte – nicht die Fahne wegen Abseits gehoben und Deutschland um die Führung gebracht. Eine umstrittene Entscheidung, da Verteidiger Niklas Stark nach Ansicht der Unparteiischen irritierend eingegriffen haben soll.

          Bis Mitte der ersten Halbzeit kontrollierte das deutsche Team das Spiel einigermaßen, doch dann übernahmen die bissigen, schwer berechenbaren Italiener mehr und mehr das Kommando. Einen Weitschuss von Lorenzo Pellegrini konnte Torwart Julian Pollersbeck nur abprallen lassen, Stark musste retten (20.). Ein wuchtiger Freistoß von Bernardeschi aus 18 Metern verfehlte den Torwinkel knapp (26.).

          Schweres Spiel für das deutsche Team: Mattia Caldara vereitel einen Torschuss von Serge Gnabry (rechts) Bilderstrecke
          Schweres Spiel für das deutsche Team: Mattia Caldara vereitel einen Torschuss von Serge Gnabry (rechts) :

          Vier Minuten später hatte der italienische Spielmacher dann leichtes Spiel, als das deutsche Aufbauspiel gegen die nun früh angreifenden Italiener immer fehlerhafter wurde und Stark den Kollegen Mahmoud Dahoud am eigenen Strafraum mit einem Pass in Schwierigkeiten brachte. Dahoud entschied sich falsch, gegen eine Sicherheitslösung und verlor den Ball an Pellegrini, er kam zu Bernardeschi, der frei vor dem deutschen Tor durch die Beine von Pollersbeck zum 0:1 traf.

          Wie verbissen die Partie geführt wurde, zeigte ein Gerangel mehrerer Spieler nach der Partie, für das Arnold und Berardi verwarnt wurden, zwei von sechs Gelben Karten in der ersten Halbzeit, ehe die Gemüter sich in der Kabine ein wenig abkühlen konnten. Dort erfuhren die beiden Teams dann auch, dass der Konkurrent Tschechien 1:2 gegen Dänemark hinten lag, scheinbar beruhigend für Deutsche und Italiener – doch beide bewegten sich weiter auf dünnem Eis.

          Denn Tschechien glich kurz nach der Pause aus, und damit hätte ein weiteres Tor der Tschechen ausgereicht, um alle bis dahin gültigen Rechnungen auf den Kopf zu stellen und in diesem irren Modus Italien vom Gruppensieger zum Dritten zu degradieren. Kein Wunder, dass die Italiener weiter nach vorn spielten – und damit die Deutschen dem drohenden Aus näherbrachten. Nach einer Stunde konnte Pollersbeck Pellegrinis wuchtigen Flachschuss so gerade so zur Ecke lenken und das fatale 0:2 verhindern.

          So wurde es ein Nervenspiel, in dem spielerisch nicht mehr viel lief für die Deutschen – außer einem Distanzschuss von Mitchell Weiser einen Meter neben das Tor kamen sie nur bei Standards halbwegs gefährlich vor den Kasten des italienischen Torwart-Jungstars Gianluigi Donnarumma. Dagegen geriet die deutsche Abwehr immer mehr ins Schwimmen – eine Sportart, in der sie an diesem Abend mehr Übung bekam als im Fußballspielen. Erst als die inzwischen bekannte 2:4-Niederlage der Tschechen sich herumsprach, nahmen die Italiener in den letzten Minuten das Tempo und Risiko aus dem Spiel. Die Deutschen nahmen das Angebot dankend an und taumelten mit letzter Kraft über die Ziellinie.

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