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U 21 ist Europameister : „Das ist unfassbar geil“

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Der Auftakt einer langen Party-Nacht: Die Europameister feiern den Titel im Stadion von Krakau. Bild: dpa

Der deutsche Fußball-Nachwuchs zeigt es den Spaniern und besiegt den großen Favoriten im EM-Endspiel. Danach startet eine emotionale Party des U-21-Teams. Und bei einem fließen sogar Tränen.

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          Nach einer langen Partynacht und wenig Schlaf genossen die neuen U21-Europameister immer noch voller Euphorie ihren Triumph. „Nach eineinhalb Stunden tiefem, erholsamen Schlaf haben wir es heute Morgen dann erst so richtig realisiert“, sagte Trainer Stefan Kuntz am Tag nach dem 1:0-Finaltriumph seiner Nachwuchs-Fußballer über den großen Favoriten Spanien. „Ich glaube nicht, dass es viel schönere Gefühle geben kann“, sagte Kuntz, der seinen größten Erfolg als Trainer mit Rotwein und Zigarre alleine nachts vor dem Hotel genoss.

          Am frühen Morgen erlebte der 54-Jährige dort die Rückkehr seiner Kicker nach einer langen Partynacht in Krakau. „Das war schon sehr amüsant“, berichtete Kuntz schmunzelnd. Ihre Party hatten Max Meyer, Serge Gnabry und Co. bei einem Bankett mit Familie und Freunden im Garten des Teamhotels gestartet. „Dieses Spiel ist eine Leistung, an die ihr euer Leben lang denken werdet und die euch stolz macht“, lobte DFB-Präsident Reinhard Grindel in seiner kurzen Ansprache.

          Den großen Favoriten Spanien bezwangen die DFB-Kicker mit Mut, Entschlossenheit, Teamgeist und einer taktisch und spielerisch fast perfekten Leistung. „Wir hatten einen Plan und meine Mannschaft hat es wirklich gut gemacht“, lobte Trainer Kuntz, der seinen Vertrag beim DFB bis 2020 verlängern soll. Der Berliner Mitchell Weiser erzielte per Kopf das entscheidende Tor (40. Minute), anschließend verteidigte das Team den Vorsprung leidenschaftlich. „Ich weiß gar nicht, wie der reingegangen ist. Da war Glück dabei“, sagte Weiser.

          Den Pokal wollte die Mannschaft gar nicht mehr loslassen, nachdem Kapitän Maximilian Arnold ihn im strömenden Regen in den Krakauer Nachthimmel gestemmt hatte. Außenverteidiger Jeremy Toljan zeigte sich selig lächelnd mit dem Pokal im Arm, während des Banketts stand die Trophäe mitten auf dem Tisch. „Unglaublich, was die Mannschaft geleistet hat“, sagte Arnold. „Ich schlafe heute voller Stolz ein.“

          Der Grillabend im Hotel leitete die Nacht der Sieger ein. Bilderstrecke
          Der Grillabend im Hotel leitete die Nacht der Sieger ein. :

          Der erste Europameistertitel seit dem Coup der Weltmeister-Generation 2009 wurde noch im Stadion ausgelassen gefeiert. In einer langen Sieger-Polonaise zogen die jungen Profis durch die Katakomben des Cracovia-Stadions und skandierten immer wieder: „Die Nummer eins der Welt sind wir“. Vorsänger und Torhüter Julian Pollersbeck stimmte noch auf dem Rasen und später beim Grillfest sein „Fiderallala“ an, das das Team sonst nach den Spielen zusammen in der Kabine singt. „Wir haben alle mitgegrölt. Der sollte Musiker werden“, sagte Davie Selke, der das Finale verletzt verpasst hatte, schmunzelnd.

          Mit ihrem Triumph hat die Mannschaft ihre viel beschworene „eigene Geschichte“ geschrieben, wie auch auf den Sieger-T-Shirts zu lesen war. „Ich werdet euren Enkeln erzählen, was ihr hier geschafft habt“, sagte Sportdirektor Horst Hrubesch. Und das ohne acht potenzielle U21-Spieler, die stattdessen derzeit beim Confed Cup spielen.

          „Das ist unfassbar geil“, schwärmte Abwehrchef Niklas Stark, der nach einer Nackenblessur gerade rechtzeitig zum Finale fit geworden war. „Wir haben auf dem Feld Gas gegeben und tun das jetzt beim Feiern auch.“ Trainer Kuntz erschien pitschnass zur Pressekonferenz nach dem Spiel und musste im Verlauf des Abends mehrmals sein mit Bier getränktes Hemd wechseln. „Jetzt die Jungs singen zu sehen, tanzen zu sehen, total glücklich zu sehen, das macht auch den Unterschied aus zu meinem Titel als Spieler“, sagte Kuntz, der auf den Tag genau vor 21 Jahren mit der DFB-Auswahl Europameister geworden war.

          Für Kuntz war es ein besonderer Erfolg, hatten ihm doch viele bei seinem Amtsantritt vor zehn Monaten einen solchen Triumph nicht zugetraut. „Wenn das aufgeht, was du dir vornimmst und die Mannschaft das umsetzt, das gibt dir dieses tiefe innere Zufriedenheitsgefühl“, sagte Kuntz. Er sei nach dem Erfolg sehr dankbar und demütig. „Also ich gehe morgen auch noch im Aldi einkaufen“, sagte er schmunzelnd. Hrubesch vergoss nach dem großen Erfolg auf der Tribüne die eine oder andere Träne. „Vor dieser Leistung kann man sich wirklich nur verneigen. Dieses Spiel war überragend“, lobte er. Noch lange nach dem Schlusspfiff jubelten die Spieler auf dem Rasen und herzten immer wieder den Pokal. Meyer versprach: „Jeder wollte unbedingt dieses Turnier gewinnen. Heute Abend wird richtig gefeiert.“

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