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Fußball-Brüder Eggestein : Das erste gemeinsame Turnier seit der E-Jugend

  • -Aktualisiert am

Maximilian (r.) und Johannes Eggestein: Das erste gemeinsame Turnier seit der E-Jugend Bild: EPA

Auf die Bremer Brüder Eggestein warten bei der U-21-EM unterschiedliche Rollen. Als laufstarker Mittelfeldspieler ist Maximilian gesetzt. Im Vergleich dazu wirkt Stürmer Johannes noch ziemlich grün.

          Es ist viel darüber geschrieben und geredet worden, wer alles noch in der deutschen U-21-Auswahl hätte spielen können. Leroy Sané, Julian Brandt, Kai Havertz, Timo Werner: Da wäre einiges an offensiver Wucht möglich gewesen für das Team von Stefan Kuntz. Doch der 56 Jahre alte Bundestrainer wird bei der seit Sonntag laufenden Junioren-Europameisterschaft in Italien und San Marino auf das Quartett genauso verzichten müssen wie auf Thilo Kehrer, weil sie alle im Kader der A-Mannschaft gegen Weißrussland und Estland standen und danach in den Urlaub geschickt worden sind.

          Keiner der Genannten ist vor dem 1. Januar 1996 geboren; das versetzt sie allesamt in die Lage, noch für die höchste Nachwuchsmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes zu spielen. So sind die Fifa-Regeln. Deswegen spielt nun auch mancher Profi mit 23 Jahren bei der U-21-EM.

          U-21-EM 2019

          Wer bei der Aufzählung oben stutzig geworden ist und an Jonathan Tah und Lukas Klostermann gedacht hat, war aufmerksam. Denn die beiden haben ja ebenfalls mitgemacht, als Marcus Sorg jüngst Bundestrainer Joachim Löw bei den genannten Qualifikationsspielen vertrat. Doch mit beiden war abgesprochen, dass sie die Saisonverlängerung in Europas Süden anhängen: der Leverkusener Tah wird Kuntz’ Team sogar als Kapitän anführen, der Leipziger Klostermann ist als rechter Außenverteidiger fest eingeplant.

          Wenn Deutschland an diesem Montag um 21 Uhr (ARD und im F.A.Z.-Liveticker zur U-21-EM) gegen Dänemark in Udine beginnt, werden auch andere dabei sein, die schon die Luft in der A-Mannschaft geschnuppert haben. Der Bremer Maximilian Eggestein, 22 Jahre alt, stand in Löws Gruppe, ohne zum Einsatz gekommen zu sein. Zusammen mit Bruder Johannes, 17 Monate jünger, soll Maximilian mithelfen, die DFB-Auswahl ins EM-Halbfinale und somit zu den Olympischen Spielen nach Tokio 2020 zu schießen. Das ist gar nicht so leicht. Denn aus drei Vierergruppen kommen nur die Staffelsieger plus der beste Zweite weiter – ein Umweg, den die deutsche U 21 vor zwei Jahren auch auf sich nehmen musste, um dann im Finale Spanien dank Mitchell Weisers Kopfball-Bogenlampe zu besiegen. Damals war es eine starke Teamleistung unter Kuntz. Diesmal wirken die jungen Deutschen individuell deutlich stärker als der Jahrgang von 2017.

          Das liegt auch an „Maxi“ und „Jojo“ Eggestein. Als laufstarker Sechser oder Achter mit gutem Schuss ist Maximilian Eggestein gesetzt. Kuntz schwärmt von ihm: „Maxi ist einer der Spieler, der sich in den vergangenen beiden Jahren sportlich und menschlich am besten entwickelt hat.“ Das sehen sie bei Werder Bremen ganz genauso und haben sich sehr gefreut, dass der Norddeutsche, der vom TSV Havelse nach Bremen kam, bei ihnen jüngst den Vertrag verlängert hat. Umsicht, Klarheit im Spiel, Laufstärke und eine Anführer-Mentalität haben den älteren Eggestein bei Trainer Florian Kohfeldt zu einem unverzichtbaren Baustein gemacht. In allen 34 Bundesligaspielen stand Eggestein in der Startelf, erzielte dabei fünf Tore. Auch über den Platz hinaus hat sich der besonnene Profi zu einem Führungsspieler entwickelt.

          Im Vergleich mit ihm ist Johannes Eggestein noch ziemlich grün hinter den Ohren. Die erste „richtige“ Bundesligasaison war ein langer Anpassungsprozess für den Stürmer. 23 Einsätze, vier Tore, aber meist im Schatten von Max Kruse und Claudio Pizarro: Die Frage, ob es für einen Angreifer aus dem eigenen Stall schwieriger ist, mag Johannes Eggestein nicht so gern hören. Sie hat aber ihre Berechtigung, und auch deshalb dauerte es wohl so lange, bis auch er seinen Kontrakt bei den Bremern Anfang April verlängerte. Verglichen mit anderen Mannschaftsteilen, wirkt das Team des Titelverteidigers im Angriff etwas schmal auf der Brust. Luca Waldschmidt, Lukas Nmecha, Marco Richter und eben Johannes Eggestein – da kann der Bremer wohl auf viele Spielminuten gegen Dänemark, Serbien und Österreich hoffen.

          Gemeinsamer Urlaub nicht ausgeschlossen

          Die Brüder Eggestein jedenfalls freuen sich auf das erste gemeinsame Turnier „seit der E-Jugend“, wie Maximilian sagte. In Bremen sind sie Nachbarn. Und ein gemeinsamer Urlaub nach der Europameisterschaft sei auch nicht ausgeschlossen, erzählen die beiden. Johannes sagt: „Wir verstehen uns richtig gut, machen auch außerhalb des Fußballs viel zusammen. So hast du quasi den besten Freund immer an deiner Seite.“ Vater Karl war einst Profi beim TSV Havelse und hat seinen Söhnen die nötige Bodenhaftung mitgegeben. Rund um die Brüder ist wenig Chichi und Social-media-Gehabe. Auch diese Haltung passt sehr gut nach Bremen.

          Mit festen Größen aus Bundesliga-Teams wie Maximilian Eggestein, Torwart Alexander Nübel, Schalkes Suat Serdar, Lukas Klostermann und auch Luca Waldschmidt hat Kuntz ein stattliches Gerüst. Für die Überraschungsmomente könnten Johannes Eggestein, der Hoffenheimer Nadiem Amiri und der Augsburger Marco Richter sorgen. Italien, Spanien, Serbien und England gelten als Favoriten – aber verstecken muss sich Kuntz’ gut gemischte und erfahrene Auswahl vor keinem.

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