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TuS Dassendorf : Heimspiel in 500 Kilometern Entfernung

  • -Aktualisiert am

Heimspiel auswärts: TuS Dassendorf kann wie schon im Vorjahr gegen Duisburg nicht im eigenen Stadion spielen. Bild: dpa

Das eigene Stadion entspricht nicht den Anforderungen des DFB. Die Klubs aus der Umgebung wollten ihre Heimstätte nicht zur Verfügung stellen für ein Spiel gegen Dynamo Dresden. TuS Dassendorf muss in der Fremde zum Erstrundenspiel antreten.

          Als herauskam, dass ein Spiel nahe der Heimat irgendwo in Hamburg unmöglich sein würde, sagte Jan Schönteich norddeutsch-knorrig: „Auswärts sind wir sowieso besser.“ Der 51 Jahre alte „Sportchef“ der Turn- und Sportgemeinschaft Dassendorf kann das beurteilen; er hatte schon fast jede Funktion inne, die so ein Verein bereithält. Tatsächlich sind die Dassendorfer seit Jahren nicht nur auswärts der beste Klub im Hamburger Amateurfußball. Mehrfacher Meister der Oberliga, Pokalsieger auch. Dabei stammt die TuS aus Schleswig-Holstein, genauer: dem Herzogtum Lauenburg im Osten Hamburgs.

          Doch wie andere Klubs aus dem Speckgürtel spielen die Dassendorfer lieber in der nahen Metropole als im Flächenland. Sie sind Mitglied im Hamburger Fußballverband (HFV). Und die Dassendorfer sind auch dank eines treuen Sponsors (Immobilien-Unternehmer) ziemlich gut – nur aufsteigen wollen sie nicht, weil weder der Sportplatz noch der Etat ein Abenteuer Regionalliga zulassen.

          Auf dem Fußballplatz am Wendelweg können größere Spiele nicht abgewickelt werden. Also zog die TuS schon vor einem Jahr nach Bergedorf ins Stadion „Sander Tannen“ um. Dort gewann der damalige Zweitliga-Vertreter MSV Duisburg 1:0. Durch einen Sieg im Hamburger Landespokalfinale gegen die klassenhöhere Eintracht Norderstedt qualifizierten sich die Dassendorfer wieder für den DFB-Pokal. Diesmal heißt der Gegner an diesem Samstag (15:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky) Dynamo Dresden.

          Gern hätten die Dassendorfer in Hamburg gespielt, doch der Reihe nach winkten die Vertreter der Hamburger Klubs ab. Die Austragung in einem vernünftigen Hamburger Amateurstadion wie dem an der Hoheluft ließ die Polizei nicht zu. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Dresdner Fans nicht den besten Ruf genießen. Zudem tritt am Sonntag (15:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky) der VfB Lübeck gegen den FC St. Pauli an. Das bindet eine erhebliche Zahl an Polizisten.

          Schon Koblenz zog nach Zwickau um

          Wohin also? Es entstand die Idee, in die Nähe des Gegners auszuweichen. In Zwickau, 100 Kilometer von Dresden entfernt, hatte schon TuS Koblenz vor zwei Jahren gegen Dynamo gespielt, als das eigene Stadion umgebaut wurde und ebenfalls kein Klub aus der näheren Umgebung sein Stadion zur Verfügung stellen konnte oder wollte. Da die Fans des FSV Zwickau und Dynamo Dresdens eine Freundschaft verbindet, erschien nun auch den Dassendorfern die GGZ-Arena in Zwickau als geeigneter Ort für das Heimspiel in der Fremde. „Wir sind dem FSV Zwickau dankbar, dass er uns bei der aufwendigen Organisation so toll unterstützt“, sagt Schönteich.

          DFB-Pokal
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          So findet das „Heimspiel“ der Dassendorfer also mehr als 500 Kilometer fern der Heimat statt. Fans wollen in mehreren Bussen mitreisen, das Stadion mit 10.000 Plätzen dürfte gut gefüllt sein, weil natürlich viele Dynamo-Anhänger kommen werden. Doch so richtig toll finden die Dresdner diese „Lösung“ nicht. Der Pokalgedanke sei doch ein anderer, sagt ein Vereinssprecher, nämlich der, dass der kleine Klub in seinem Zuhause (oder in der Nähe) gegen den großen Klub spiele. Dynamo hat viele Testspiele in Zwickau ausgetragen, die Vereine haben einen kurzen Draht, und bei der Organisation hat Dynamo auch mitgeholfen. Aber das Beste wäre doch gewesen, das Heimrecht zu tauschen, sagt der Sprecher, und in Dresden vor 30.000 Fans zu spielen. Das wollten aber weder die Dassendorfer noch der DFB.

          Rekordkulisse möglich in Bremen

          Wie Dassendorf spielt auch Atlas Delmenhorst in der fünften Liga; Delmenhorst ist Bremens westliche Nachbarstadt in Niedersachsen, nur ein paar Kilometer entfernt. Werder-Land also, und insofern war Nia Künzers Griff ein Glücksgriff, als sie Atlas den SV Werder bescherte. Der DFB genehmigte Atlas Delmenhorst, die Begegnung im Weserstadion auszutragen, und so freuen sich nach der Abrechnung nicht nur Delmenhorst, sondern auch Werder über ein sattes Plus, werden doch am Samstagabend (20:45 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky) 40.000 Zuschauer erwartet. „Es ist ein Traum, dass das Spiel überhaupt hier stattfindet“, sagte Atlas-Präsident Manfred Engelbart.

          Durch den Verzicht auf Austragung in heimischer Umgebung schwinden die Chancen der Dassendorfer und der Delmenhorster auf eine Pokal-Überraschung natürlich erheblich. Grundsätzlich ist die Konstellation „klein gegen groß“ das, was den Reiz des Pokales ausmacht. Schade eigentlich, wenn der Trend ein anderer zu sein scheint – wobei es im Norden ein sehr gutes Beispiel gibt, aufs Heimrecht niemals zu verzichten: Die SV Drochtersen/Assel aus dem Kehdinger Land nahe Stade macht aus ihren Erstrundenspielen mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher seit Jahren Volksfeste – was sich bei den Gegnern Gladbach, Bayern und nun Schalke am Samstag (15:30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und Sky)auch anbietet. In Drochtersen hieß es von vornherein: Wir machen das hier. Und nirgendwo sonst.

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