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Trainer von Juve und Neapel : Ying und Yang des italienischen Fußballs

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Einst Kollegen, nun Gegner: Gennaro Gattuso (links) und Andrea Pirlo (Bild von 2008) Bild: AFP

Zusammen wurden sie Weltmeister. Nun sollen Andrea Pirlo und Gennaro Gattuso als Trainer Juve und Neapel prägen. Dabei könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Vor ihrem Duell gibt es Trubel.

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          Wenn alles gutgeht, dann stehen die beiden alten Kollegen am Sonntagabend (20.45 Uhr bei DAZN) nebeneinander an der Seitenlinie. Andrea Pirlo, seit August Trainer von Juventus Turin, wird im eleganten schwarzen Anzug erscheinen. Gennaro Gattuso, Coach des SSC Neapel, tritt normalerweise hemdsärmeliger auf, das war schon immer so. Im Spitzenspiel der Serie A treffen Serienmeister Juventus Turin und der SSC Neapel aufeinander, die beiden Teams, die in den vergangenen Jahren stets ganz weit oben in der Tabelle der italienischen Fußball-Liga standen.

          Nur ist diesmal vieles anders. Zum einen hält die Corona-Pandemie auch die italienische Fußball-Liga in Atem. Zuletzt wurden 22 Personen beim CFC Genua positiv auf Covid-19 getestet, Gattusos SSC Neapel hatte die Mannschaft am vergangenen Sonntag 6:0 besiegt. Corona-Tests in Neapel brachten drei positive Tests. Neben Mittelfeldspieler Piotr Zielinski und einem Mitarbeiter wurde Eljif Elmas positiv  getestet. Die lokalen Gesundheitsbehörden untersagten den Neapolitanern die Abreise zum Spiel. Auch unter den Mitarbeitern Juves wurde ein positiver Fall gemeldet. Juve werde auf dem Platz stehen. Auch die Liga besteht darauf, dass das Spiel stattfindet. Die Gründe für eine Verlegung seien nicht gegeben, hieß es in einer Mitteilung. Neapel droht bei Nichtantreten ein 0:3.

          Viele Fans haben die beiden Trainerkollegen noch als Spielerkollegen der letzten großen Fußballer-Generation aus Italien in Erinnerung. Beide verbindet eine besonders erfolgreiche Zeit beim AC Mailand und der Weltmeistertitel mit Italien bei der WM 2006. Pirlo und Gattuso wirken dabei wie das Ying und Yang des Calcio, sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine aus der norditalienischen Provinz Brescia, schweigsam und scheinbar lethargisch, ein einzigartiger Ballkünstler in seiner aktiven Zeit. Der andere aus dem südlichen Kalabrien, stets unter Strom stehend, grätschend, voller Energie und auch verbal zuweilen austeilend. „Ringhio“, also Knurrer, lautet Gattusos Spitzname. „Il Maestro“, den Meister, nennen sie in Italien noch heute Pirlo.

          Kampf ums Gleichgewicht in der Mannschaft

          Wie sehr ihre Mannschaften die ihnen als Spieler zugeschriebenen Eigenschaften als meisterhafter Künstler oder knurriger Antreiber verinnerlicht haben, ist eine vieldiskutierte Frage in der Szene. In der Wirklichkeit ihrer Mannschaften geht es wesentlich weniger um Fußball-Ästhetik auf der einen Seite oder Ball-Arbeitertum auf der anderen. Fußball ist bekanntlich eine Frage des Gleichgewichts. Gattuso beispielsweise gestand, dass er oft hin und her gerissen ist zwischen Catenaccio und Kurzpass-Spektakel.

          Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden großen, aber nicht unbedingt großgewachsenen Gestalten des italienischen Fußballs ist ein anderer: Pirlo tritt als absoluter Novize an, der gerade einmal zwei Spiele als Trainer einer Profimannschaft hinter sich hat. Gattuso ist bereits das siebte Jahr Trainer. Eigentlich sollte Pirlo bei Juventus Turin im Sommer das U-23-Team übernehmen, die Entlassung von Trainer Maurizio Sarri nach dem Ausscheiden der Turiner im Achtelfinale in der Champions League im August ließ die Klub-Verantwortlichen dann aber rasch handeln. Sie beriefen den frisch eingestellten Jugend-Coach zum Trainer der Profis. Das Fußball-Genie Pirlo, 41 Jahre alt, soll nun nichts weniger als den Gewinn der Champions League bewerkstelligen, ist als Trainer de facto aber so etwas wie ein blutiger Anfänger.

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