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Türkischer Fußball : Schatten auf Fenerbahces Meisterschaft

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Fan aus höchsten Kreisen: Der festgenommene Präsident Yildirim (l.) und Fenerbahce-Kapitän de Souza (r.) nach der gewonnen Meisterschaft bei Ministerpräsident Erdogan Bild: dpa

Die Entscheidung um die türkische Meisterschaft vom Mai diesen Jahres steht im Zwielicht: In einer großangelegten Polizeiaktion wurden der Präsident des Meisters Fenerbahce, zwei weitere Vereinsbosse und mehr als 50 weitere Personen festgenommen.

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          Die türkische Fußballwelt hält den Atem an. Mit der Festnahme von drei Vereinspräsidenten und mehr als 50 weiteren Managern, Trainern und Spielern fühlen sich viele Fans in ihrem Verdacht bestätigt, dass es in der Süperlig nicht mit rechten Dingen zugeht.

          Wegen möglicher Spielmanipulation haben Spezialermittler auch den Präsidenten des türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul, Aziz Yildrim, festgenommen. Sein Klub weist die Vorwürfe zurück. „Schock“, titelt die Fußballzeitung „Fanatik“ am Montag und zeigt Bilder der Festnahmen vom Vortag. „Erdbeben wegen Fußball-Schiebung“, meint „Milliyet“. Und die Zeitung „Posta“ stellt fest: „Auf die Meisterschaft ist ein Schatten gefallen“.

          Polizisten einer Einheit gegen organisierte Kriminalität haben nach einer längeren Überwachung der Fußball-Szene Vereinsbüros und Häuser durchsucht. Auch Besiktas, Trabzonspor und andere Vereine sind betroffen. Die Ermittlungen drehen sich aber auch um das entscheidende Spiel, als Fenerbahce im Mai mit einem 4:3 bei Sivasspor die 18. Meisterschaft in der Türkei holte. Zu den Festgenommenen gehört den Berichten zufolge der Torhüter von Sivasspor, Korcan Celikay. Sein Verein hatte beim letzten Spiel der Saison praktisch nichts mehr zu verlieren, für Fenerbahce ging es um alles.

          Meisterfeier mit Nachgeschmack: Fenerbahces Spieler am 23. Mai im Sükru-Sarakoglu-Stadion

          Präsident im Gefängnis

          Unter den Festgenommenen sind den Berichten zufolge auch Yildirims Stellvertreter Sekip Mosturoglu, der Präsident von Sivasspor, Mecnun Odyakmaz, der Vizepräsident von Trabzonspor, Nevzat Sakar, Giresunspor-Chef Ömer Ülkü sowie die Trainer Bülent Uygun (Eskisehirspor) und Levent Eris (Adanaspor). Auch frühere Mitarbeiter des türkischen Fußballverbandes wurden demnach von der Polizei festgenommen. Zum Stand der Ermittlungen gibt es aber noch keine offiziellen Angaben.

          Türkische Zeitungen berichten, es seien Millionensummen geflossen. Den Verdächtigen werde die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Der türkische Fußballverband TFF erklärte bisher nur, dass die Ermittlungen sehr genau verfolgt würden. Fenerbahce bestreitet die Beschuldigungen energisch. Zwar seien die Details der Vorwürfe noch nicht bekannt, teilte der Verein mit, jeder sollte aber wissen, dass der auf eine saubere und siegreiche Vergangenheit stolze Verein niemals zu illegalen Praktiken gegriffen habe oder greifen werde.

          Nach einer Nacht mit Vernehmungen im Polizeigewahrsam wurde Yildrim am Montag zur Untersuchung in ein Istanbuler Krankenhaus gebracht, wie türkische Fernsehsender berichteten. Er leidet an Diabetes und klagte über Unwohlsein, wurde dann aber zurück zur Polizei gebracht. Auf eine schützende Hand aus der Politik können Manager und Spieler wohl nicht hoffen. Der Fall sei Sache der Justiz, haben mehrere Politiker erklärt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan - selbst der wohl bekannteste Fenerbahce-Fan im Land - sagte nur, hoffentlich werde es keine Schwierigkeiten geben.

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