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Türkischer Fußball : Kein Glanz und trotzdem Neid

Türkische Fans: Ein Leben lang ein Verein Bild: picture-alliance/ dpa

Vordergründig ist alles wie gehabt: Die Istanbuler Großklubs Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas stehen an der Spitze. Doch der türkische Fußball steckt tief in der Krise. Es mangelt an namhaften Spielern und Trainern. Von Rainer Herrmann.

          Nichts Neues scheint der türkische Fußball nur auf den ersten Blick zu bieten. Fenerbahce führt wie meist die Tabellenspitze an, verfolgt von Galatasaray und Besiktas. Die drei traditionsreichen Fußballklubs Istanbuls wechseln sich seit der Gründung der türkischen Liga nur in ihrer Reihenfolge ab. Dennoch ist nicht alles wie gehabt. Denn der türkische Fußball steckt in einer Krise. Selbst Fenerbahce kann sich ihr nicht entziehen, auch wenn in dieser Saison wieder alles auf den Verein von der asiatischen Seite Istanbuls hinausläuft. Kaum einer, der die Meistertrophäe nicht wieder beim früheren Klub von Christoph Daum und Joachim Löw sieht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Fenerbahce führt die Liga an, auch wirtschaftlich liegt der Verein vor seinen Konkurrenten. Als einziger spielt er im eigenen Stadion, das er aus eigenen Mitteln zudem großzügig erweitert hat. Fenerbahce schwimmt im Geld, anders als Galatasaray, das sich von einer Zahlungsunfähigkeit zur nächsten hangelt. Nicht zuletzt dank seines gerissenen Vorsitzenden Aziz Yildirim, eines erfolgreichen Unternehmers, der auch das Vermögen seines Vereins zu mehren versteht, hat Fenerbahce die Führungsposition inne - und dabei den Neid aller auf sich gezogen.

          Bestechlichkeit, Veruntreuung, Intimfeindschaften

          Keine Mannschaft wird von allen anderen so gehetzt wie die gelb-blauen „Kanarienvögel“ aus Fenerbahce. Offen erklärt auch der Vorsitzende des türkischen Fußballverbandes, Ulusoy, seine Feindschaft. Zwar ist er selbst der Bestechlichkeit und Veruntreuung angeklagt. Etwa soll er die türkische Nationalmannschaft bei Trainingslagern in eigenen Hotels zu weit überhöhten Preisen einquartiert haben. Während der Weltmeisterschaft in Japan und Korea habe er es sich zudem auf Kosten des Verbands sehr gut gehen lassen, heißt es weiter. Angriff ist jedoch die beste Verteidigung, und so reicht er den Vorwurf der Bestechlichkeit an seine Intimfeind Yildirim weiter.

          Trainer von Galatasaray: Der frühere Wolfsburger Erik Gerets

          Denn der Fernsehsender Star TV, nicht immer eine Quelle sauberster Recherche, hatte berichtet, in der Saison 2001/2002 hätte Yildirim an den Verein Trabzonspor 250.000 Dollar bezahlt und an Samsunspor 150.000 Dollar - mit der Auflage, nicht gerade motiviert auf Sieg zu spielen. Yildirim aber beschwört einen Komplott. Ein Untersuchungsausschuß ist noch immer nicht eingerichtet. Aus der Luft gegriffen muß der Vorwurf aber nicht sein. In der vergangenen Saison war der Trainer von Sebatspor in der Pause des achten Ligaspiels frustriert zurückgetreten, weil er mitansehen mußte, daß seine lahmen Spieler anderes im Sinn hatten, als zu gewinnen.

          Weniger Stars auf Rasen und Trainerbänken

          Die sich häufenden Skandale schaden dem türkischen Fußball. Die Zuschauer bleiben aber auch aus, weil das spielerische Niveau der angeblichen „Superliga“ sinkt. Selbst in Fenerbahce läßt der Geldregen nach, und aufgrund des sehr ungleichen Verteilungsschlüssels der Fernsehgelder erhalten die kleineren Vereine der Provinz kaum Mittel. Einst trieben ausländische Stars wie Hagi ihre türkischen Mitspieler zu Höchstleistungen an. Nun kann nicht einmal Fenerbahce mehr alternde Stars wie Pierre van Hooijdonk halten. Zu den Ersten ihres Fachs gehören auch nur noch wenige Trainer. Zico trainiert Fenerbahce, Jean Tigana den Rivalen Besiktas, dann läßt es schon nach. Der frühere Bundesligacoach Erik Gerets betreut Galatasaray.

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