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Trikot-Kritik : Neapels Verirrung

  • -Aktualisiert am

Auch Neuzugang Gonzalo Higuain will sich nicht im umstrittenen Napoli-Trikot verstecken - er ist Angreifer Bild: AP

Dem HSV hätten die Trikots des SSC Neapel wohl als Tarnung nach einer abermaligen Pleite gefallen. Der gute Geschmack aber sagt: No. Kriegsrhetorik verbietet sich im skandalerschütterten italienischen Fußball.

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          Tarnfarben kann man nutzen, um sich zu verstecken. Also hätten die Spieler des Hamburger SV in dieser Woche vermutlich sehr gerne während des 0:4-Testspiel-Debakels beim Zweitligaklub Dynamo Dresden jene Trikots getragen, die der SSC Neapel in dieser Woche als neue Auswärtskleidung vorgestellt hat. Napoli trägt nämlich künftig zumindest gelegentlich Camouflage, jenes Muster, das Soldaten im Gelände tragen. Nur der Helm mit Grünpflanzenimitaten fehlt.

          Beim Klub aus Italiens Süden, als Meisterschaftszweiter und abermaliger Champions-League-Teilnehmer seit geraumer Zeit auferstanden aus sportlichen Ruinen, dient das militärische Farbfleckenallerlei diverser grüner Naturtöne indes nicht für ein Versteckspiel. Der ehemalige Klub von Diego Maradona nennt sein Shirt vielmehr angriffslustig „Camo Fight“ und provoziert allzu gerne Kriegsvergleiche. Innenverteidiger Paolo Cannavaro verwertete die Flanke auf Twitter per Direktabnahme in seinem Eintrag „Dieses Jahr ist ein Krieg“.

          Bei den Anhängern kommt das Trikot gut an. Es ist der Hit im Fanartikel-Verkauf. In Zeiten, in denen der italienische Fußball nicht nur von Manipulationsskandalen und rassistischen Zwischenfällen, sondern auch durch Gewaltexzesse erschüttert wird, ist die eigentümliche Kleiderwahl ein bedenkliches Signal.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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