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Transgender-Schiedsrichterin : Sapirs Seele, Israels Stolz

Sapir Berman bei der Partie in Haifa: „Sie ist ein starkes Mädchen“. Bild: EPA

Sapir Berman pfeift als erste Transgender-Schiedsrichterin ein Profispiel in Israel. Die Reaktionen sind eindeutig: „Wir stehen alle zu Dir“ und „Super Woman“.

          2 Min.

          Am Mittelkreis beugte sich Idan Vered noch einmal zur Hand der Schiedsrichterin herunter. Lächelnd nahm der Beitar-Stürmer ihre Finger in die Handfläche und schaute sich den blauen Nagellack an, den Sapir Berman zum Spiel aufgetragen hatte. Dann pfiff Berman an, das erste Mal als Frau. Es war ihr Debüt als Schiedsrichterin in der ersten israelischen Liga, als erste Transgender in einer Fußball-Liga der obersten Klasse.

          Jochen Stahnke
          (stah.), Politik

          Im Sammy-Ofer-Stadion von Haifa leitete sie das Spiel Hapoel gegen Beitar Jerusalem. Schon eine halbe Stunde vor Anpfiff am Montagabend, als das Schiedsrichterteam zum Warmmachen aufs Feld kam, gab es Applaus der Zuschauer aus der im Landesvergleich toleranten Stadt. Hapoel-Fans hielten Plakate in die Höhe: „Wir stehen alle zu Dir“ und „Super Woman“. Sportberichterstattern zufolge gab es aufseiten einiger der mitgereisten rechtsreligiösen Fans von Beitar Jerusalem verächtliche und homophobe Sprechchöre, doch störte das offenbar nicht weiter.

          Vergangene Woche hatte Guy Berman bekannt gegeben, fortan Sapir zu heißen und als Frau aufzutreten. Die 26 Jahre alte Berman hatte die letzte Spielzeit noch in der zweiten Liga gepfiffen und war zu dieser Saison wegen ihrer Leistungen in die erste Liga befördert worden. Dort leitete sie zunächst drei Spiele, das letzte als Mann vor drei Monaten. Anschließend informierte sie den Verband, sie wolle sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen.

          Idan Vered (r.) betrachtet den blauen Nagellack, den Sapir Berman (l.) zum Spiel aufgetragen hatte
          Idan Vered (r.) betrachtet den blauen Nagellack, den Sapir Berman (l.) zum Spiel aufgetragen hatte : Bild: dpa

          Ihren Entschluss, das Geschlecht zu wechseln, habe sie vor einem halben Jahr getroffen, sagte Berman auf einer Pressekonferenz. „Zunächst wusste ich nicht, wie ich es bezeichnen sollte, aber ich habe mich immer zur anderen Seite hingezogen gefühlt und war neidisch darauf. Ich habe damit zu leben gelernt. Ich war ein erfolgreicher Mann, ob im Schiedsrichterverband, in der Schule oder mit Frauen. Meine Familie sah mich als Mann, aber wenn ich allein war, dann war ich eine Frau. Ich trennte diese Welten, weil ich wusste, dass die Gesellschaft mich nicht akzeptieren würde.“ Schließlich habe er entschieden, sich zu outen „und zu zeigen, wer ich bin – vor allem für mich selbst, für meine Seele“.

          Berman sagte, als Frau freue sie sich nun über die Unterstützung ihrer Familie, der Schiedsrichterunion und des israelischen Fußballverbandes IFA. Die IFA twitterte: „Wir sind so stolz.“ Berman erzählte, einige der Spieler begännen, sie in der weiblichen Form anzusprechen. Der israelische Fußballverband ließ sie mit einem Kamerateam begleiten.

          Während es in vielen frommen Gegenden in Israel kein Verständnis für Transgender gibt, erfahren LGBT-Personen in anderen Landesteilen viel Unterstützung. Berman sagte, sie habe auch über die sozialen Medien viel Zuspruch bekommen. Da sie als Schiedsrichter über zehn Jahre sexistische und andere Beschimpfungen so wie andere Spielleiter ebenfalls längst gewohnt sei, störten sie Beleidigungen auf dem Feld nicht: „Ich höre die nicht, ich habe gelernt, das herauszufiltern.“

          Das für beide Vereine am Ende der Saison nicht mehr entscheidende Spiel gewann Hapoel Haifa schließlich 3:1. Sapir kam mit drei gelben Karten aus. Trainer und Spieler lobten die Leistung der Schiedsrichterin, während Sapir betonte, zuallererst mache es ihr Spaß, wieder Schiedsrichterin in der obersten Spielklasse mit den entsprechenden Spielern und dem Tempo sein zu dürfen. Ihr Ziel sei es, dereinst internationale Spiele leiten zu dürfen, außerdem das Tel Aviver Stadtderby. Und Beitar-Trainer Jossi Mizrahi sagte nach dem Spiel: „Sie ist ein starkes Mädchen.“

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