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Fußball in England : Chelsea greift Liverpool und Manchester City an

  • -Aktualisiert am

Frank Lampard will mit dem FC Chelsea die Spitze der Premier League angreifen. Bild: Reuters

Meister Liverpool ist in der Premier League weit enteilt. Das will der FC Chelsea nicht auf sich sitzenlassen und startet eine Transferoffensive. Timo Werner soll nicht der einzige prominente Neuzugang sein.

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          Am Ende dieser Premier-League-Saison wird der FC Chelsea ganz nah dran sein am englischen Meister. Denn die Spieler des Klubs aus dem Westen Londons werden am vorletzten Spieltag dabei zusehen müssen, wenn dem FC Liverpool die 25 Kilogramm schwere Trophäe überreicht wird. Sportlich liegen zwischen den beiden Vereinen mittlerweile Welten. Zwar hat Chelsea den Meister kurz vor Beginn des Coronavirus-Lockdowns Anfang März aus dem FA Cup geworfen, aber in der Liga-Tabelle trennen beide Klubs monumentale 33 Punkte. Am Wochenende verlor Chelsea sogar gegen Aufsteiger Sheffield United 0:3. Ein Rückschlag im Kampf um die Champions-League-Plätze. An diesem Dienstag (21.15 Uhr bei Sky) geht es gegen Absteiger Norwich City.

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          Für Chelsea war es eine Übergangssaison. Fan-Liebling Frank Lampard ist als Trainer vergleichsweise unerfahren. Vor dem Wechsel zu seinem früheren Verein hatte er mit Derby County nur kurz Erfahrung in der zweiten Liga gesammelt. Erschwerend hinzu kam vor der Saison der Weggang von Superstar Eden Hazard zu Real Madrid, der auch wegen des vom Weltverband Fifa verhängten Transfer-Embargos nicht adäquat kompensiert werden konnte. Es handelte sich dabei um eine Verbandsstrafe, weil Chelsea gegen die Regeln bei der Verpflichtung minderjähriger Spieler verstoßen hatte.

          Erst im vergangenen Winter-Transferfenster durfte der Klub wieder neue Spieler unter Vertrag nehmen – der Internationale Sportgerichtshof hatte Chelseas Einspruch stattgegeben und die eigentlich bis zu diesem Sommer geltende Sperre verkürzt. Daher wäre eine Plazierung unter den besten vier Teams schon ein Erfolg. Und sie können ihre Saison sogar noch mit „Silverware“ schmücken, wie man in England sagt: Im FA Cup stehen sie im Halbfinale; Gegner ist mit Manchester United ein weiterer außer Form geratener Adonis des englischen Fußballs. Aus der Champions League werden sie dagegen sehr wahrscheinlich ausscheiden, Bayern München hat das Achtelfinale-Hinspiel 3:0 gewonnen.

          Alles in allem aber scheint statt schlechter Laune wieder so etwas wie Aufbruchsstimmung durch die Flure des Stamford-Bridge-Stadions zu wehen. Die „BBC“ schrieb Ende Juni, dass Chelsea an etwas Großem arbeite: „Nicht nur auf dem Platz – wo Chelsea die Basis für ein spannendes Saisonende schafft –, sondern auch daneben. Aufregende Zugänge sind unterwegs, um eine Mannschaft zu verstärken, die schon jetzt eine Mischung ist aus hoffnungsvollen jungen Talenten und kampferprobter Erfahrung.“

          Tatsächlich sieht es so aus, als bringe sich der Klub in Stellung, um die klaffende Lücke zur Tabellenspitze wieder zu verringern. Chelsea ist in der Premier-League-Ära seit 1992 fünfmal Meister geworden, hat 2012 die Champions League und im vergangenen Sommer mit Lampards Vorgänger Maurizio Sarri die Europa League gewonnen. Der Anspruch des bekanntermaßen ungeduldigen Klubeigentümers Roman Abramowitsch ist hoch – und auch die Fans haben sich an den Erfolg gewöhnt.

          Abramowitsch scheint Lampard immerhin so sehr zu vertrauen, dass er trotz der Umsatzeinbußen wegen der Corona-Krise Geld für Zugänge in die Hand nimmt. Und das, nachdem es in den vergangenen Jahren schon so ausgesehen hatte, als hätte er das Interesse an Chelsea verloren. Der deutsche Nationalstürmer Timo Werner wechselt für mehr als 50 Millionen Euro von RB Leipzig nach London. Sämtliche Kosten wie Gehalt und Beraterhonorar mitgerechnet, lässt sich Chelsea den Transfer angeblich mehr als 100 Millionen Pfund kosten – zum Teil gegenfinanziert durch den Verkauf von Álvaro Morata an Atlético Madrid.

          Von Ajax Amsterdam kommt zudem Rechtsaußen Hakim Ziyech für 40 Millionen Euro. Weitere Zugänge sind in Arbeit, darunter Gerüchten zufolge Kai Havertz von Bayer Leverkusen. Lampard will außerdem die wacklige Abwehr verstärken. Im Gespräch sind angeblich Ben Chilwell von Leicester und Declan Rice von West Ham United. Beide sind erst Anfang 20 und haben schon für Englands Nationalmannschaft gespielt.

          Das klingt nach einem Angriff auf die Marktführer FC Liverpool und Manchester City. Zumal in Kombination mit dem bestehenden Personal, das in dieser Saison quasi zwangsläufig zum Teil aus Spielern des eigenen Nachwuchses besteht. Mason Mount, 21, kam sowohl in der Liga als auch in der Champions League und im FA Cup bislang in jedem Spiel zum Einsatz. Tammy Abraham, 22, ist bester Torschütze des Teams. Auch die Eigengewächse Callum Hudson-Odoi, Reece James, Fikayo Tomori und Billy Gilmour stehen am Anfang aussichtsreicher Karrieren.

          Während Chelsea daran arbeitet, sich für die nächste Saison in Stellung zu bringen, halten sich die meisten anderen Premier-League-Klubs mit Zugängen noch zurück. An Timo Werner war auch der FC Liverpool interessiert, schlussendlich wollte der Verein von Trainer Jürgen Klopp seinen Preis aber nicht bezahlen. Frank Lampard wird nun beweisen müssen, dass er nicht nur eine ordentliche Saison abliefern kann, wenn der Druck wegen schwieriger Rahmenbedingungen gering ist, sondern dass er einer ist, mit dem Chelsea national und international wieder um die großen Titel mitspielen kann. Es ist nicht der Anspruch dieses Vereins, am Rand zu stehen und Beifall zu klatschen, während die anderen den Pokal küssen.

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