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Transfer-Wahnsinn : Streik im Schlussverkauf

  • -Aktualisiert am

Mit kleinem Handgepäck und den Taschen voller Geld von Liverpool nach London: Fernando Torres Bild: dpa

Am letzten Transfertag des Winters wurden die einfachsten Grundsätze kaufmännischen Verhaltens mit Füßen getreten. Den widersinnigsten Deal machte der FC Liverpool, aber auch bei einigen Bundesliga-Transfers stellt sich die Sinn-Frage.

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          In der Formel 1 heißt der Spätsommer „silly season“, die verrückte Jahreszeit. Dann schießen die Gerüchte ins Kraut, welcher Rennstall, welchem Fahrer ein Angebot für die nächste Saison gemacht haben soll. Nach dem letzten Transfertag des Winters im Profifußball ist diese Bezeichnung eine unhaltbare Beleidigung für die Vollgasbranche. Was sich an diesem 31. Januar 2011 abspielte, hat die Formel 1 in einem Jahrzehnt nicht zu bieten. Die einfachsten Grundsätze kaufmännischen Verhaltens wurden mit Füßen getreten: 1. Schließe niemals ein Geschäft unter Zeitdruck ab. 2. Überprüfe das Kosten-Nutzenverhältnis, und das unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

          Den widersinnigsten Deal machte wohl der FC Liverpool. Gesegnet mit den 59 Millionen Euro durch den Verkauf von Fernando Torres an den FC Chelsea, brachte der englische Krisenklub sogleich 40 Millionen Euro für die Dienste des Stürmers Andy Carroll von Newcastle United durch. Andy Carroll? Nie gehört? Das ist der in Newcastle weltberühmte 22 Jahre alte Stürmer, der das „Magpies“ (Elstern) genannte Team in der vergangenen Saison mit 19 Treffern zurück in die Premier League schoss und in dieser Spielzeit auch schon elf Mal traf. Da wirken die 26 Millionen Euro, die Liverpool für Luis Suarez ausgab, wie ein Schnäppchen. Schließlich hat der Stürmer bei der WM mit Uruguay Aufsehen erregt und für Ajax Amsterdam 81 Tore erzielt.

          Was will Magath nur mit Charisteas und Karimi?

          Aber auch bei geringeren Summen stellt sich die Sinnfrage. Dieter Hoeneß schaffte es, zu Ultimo gleich fünf Profis zum VfL Wolfsburg zu locken: Helmes aus Leverkusen, Tuncay von Stoke City, Ja-Choel Koo von Jeju United/Südkorea, Yohandry Orozco vom FC Zulia/Venezuela und Jan Polak vom RSC Anderlecht. Bis dieses Quintett in die Mannschaft integriert ist, wird die Rückrunde gelaufen sein. Was will er nur mit Charisteas und Karimi? Diese Frage muss sich Felix Magath gefallen lassen, obwohl seine Last-Minute-Verpflichtungen keine Ablöse kosten. Die Erklärung des Schalker Bosses ist fadenscheinig. Spielmachertyp Karimi könne Schalkes Schwierigkeiten beheben, den Ball planvoll vom Mittelfeld in die Spitze zu befördern. Und Lulatsch Charisteas sei der so dringend benötigte Kopfballspezialist. Beide Spielerbeschreibungen sind zwar richtig. Aber wegen dieser Stärken wurden sie zuvor von anderen Vereinen, mit weit geringeren sportlichen Ansprüchen, verpflichtet – und wieder weggeschickt, weil sie nicht hielten, was sie versprachen.

          Gibt es noch einen Unterschied zwischen professionellen Fußball-Einkaufsabteilungen und privaten Haushaltsvorständen, die dem psychologischen Druck erliegen, der im Schlussverkauf erzeugt wird? Die Phänomene sind dieselben: Schnäppchen ergattern, die keiner braucht, zu viel von der selben Sache kaufen und keine Ruhe verspüren, ehe die Börse leer ist. Für viele Transfers wäre es auf lange Sicht wohl das Beste gewesen, sie wären so verlaufen wie der von Eric-Maxim Choupo-Moting. Der Stürmer sollte von Hamburg nach Köln wechseln, doch das Geschäft scheiterte. Weil das Faxgerät seines Beraters streikte.

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